Fußball

Nanu! Januschewskis halten den Ball hoch

Die mit dem runden Leder tanzen: Naomi und Enrico Januschewski sind nicht nur fußballbegeistert, sondern auch höchst talentiert. Beide wollen es möglichst weit schaffen. Fotos: Doro Siewert
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Die mit dem runden Leder tanzen: Naomi und Enrico Januschewski sind nicht nur fußballbegeistert, sondern auch höchst talentiert. Beide wollen es möglichst weit schaffen.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Hückeswagener Geschwister haben ambitionierte Ziele – die ganze Familie ist sportverrückt.

Hückeswagen. Manch ein Tankstellenmitarbeiter im Oberbergischen und Umgebung wird sich in den vergangenen Jahren höchstwahrscheinlich schon das eine oder andere Mal verdutzt am Kopf gekratzt und den Zustand der Benzinleitungen von Adam und Sofie Januschewski hinterfragt haben. Aber, um dies vorwegzunehmen: Bei den Autos der beiden Hückeswagener ist alles in bester Ordnung. Der hohe Spritverbrauch hat einen anderen Grund. Einen extrem sportlichen. Ihre Kinder Enrico (18) und Naomi (17) verfolgen als Fußballer beziehungsweise Fußballerin sehr ehrgeizige Ziele und haben sich dazu entschlossen, dafür auch weite Fahrten in Kauf zu nehmen. Er spielt aktuell beim Oberligisten 1. FC Kaan-Marienborn, sie wechselt in diesen Tagen aus der Jugend des VfL Bochum zum Frauen-Regionalligisten 1. FFC Recklinghausen.

Hochspannend ist auch ihre sportliche Vita. Schon beim jeweils ersten Verein sollte es nicht der heimatliche RSV Hückeswagen sein, sondern der FC Remscheid. „Wir haben damals direkt auf Qualität gesetzt“, erzählt Adam Januschewski, warum man den Jahnplatz der Schnabelsmühle vorgezogen hat. Von dort nahmen seine Kinder dann einen unterschiedlichen Weg. Enrico versuchte sich direkt bei Borussia Dortmund, musste wegen Wachstumsproblemen ein Jahr aussetzen und wechselte in der B-Jugend zu Fortuna Köln. Anschließend machte er jeweils für eine Saison Station in Bergisch Gladbach und beim FC Wegberg-Beeck, ehe sich Januschewski im Sommer 2020 für den Sprung in den Seniorenbereich Kaan-Marienborn anschloss.

Mit 11 Jahren begann Naomi mit dem Fußball beim FC Remscheid, jetzt spielt sie für Recklinghausen

Naomi Januschewski begann mit elf Jahren beim FC Remscheid. Sammelte zunächst Erfahrung bei den Jungs und schnupperte kurz auch bei den damaligen U17-Mädchen rein. Dann wagte auch sie den Schritt raus aus der Region. Zunächst für ein halbes Jahr in der U11 des 1. FC Köln, dann vier Saisons (U13 bis U15) bei Bayer Leverkusen. Ab der U17 stürmte die Angreiferin für den VfL Bochum und den MSV Duisburg in der B-Juniorinnen-Regionalliga, ehe sie sich nun für den Wechsel nach Recklinghausen entschloss.

An die Anfänge ihrer Fußball-Leidenschaft können sich beide noch gut erinnern. „Wir haben als Kinder immer im Garten gespielt. Da habe ich sie schon hart rangenommen“, erzählt Enrico Januschewski. Irgendwann wurde das der jüngeren Schwester zu bunt. „Ich habe mir gesagt: Wenn ich besser und Profi werden will, muss ich mehr tun“, erzählt die 17-Jährige.

Eltern unterstützen die Geschwister bei ihrem Fußballtraum

Beide Geschwister entwickelten neben der riesigen Fußballbegeisterung auch einen unheimlichen Ehrgeiz, der sich in ihrem Trainingsfleiß widerspiegelt. „Sie machen unheimlich viel auch für sich“, berichtet Vater Adam Januschewski, der seinen Sprösslinge in der Garage ein kleines Fitnessstudio installiert hat und sie gemeinsam mit seiner Ehefrau maximal fördert. Inklusive der immensen Fahrerei zu den Trainingseinheiten und Spielen. „Wir sehen das als unsere Pflicht an“, sagt der gebürtige Pole. „Wir wären doch Rabeneltern, wenn wir das nicht täten.“

Voraussetzung dafür sei allerdings immer gewesen, dass der Antrieb von den Kindern ausgeht. „Sie wollten es immer und quälen sich dafür. Da ziehen wir natürlich mit“, verdeutlicht Adam Januschewski, der in Remscheid auf der Alleestraße ein Versicherungsbüro betreibt.

Eine schrecklich sportliche Familie: Enrico, Sofie, Adam, Sandy (v.l.) und Naomi Januschewski (vorne).

Extraschichten gehören für Enrico und Naomi Januschewski fast schon zum Tagesprogramm. Wenn mal im Verein keine Trainingseinheit ansteht, arbeiten sie individuell an ihren Stärken und Schwächen. Beide haben auch schon bei 09/35-Trainer Sebastian Pichura im Eifgen ein Zusatzpensum absolviert. Dort bereitete sich Naomi Januschewski vor wenigen Wochen auch auf ihren dritten Nationalmannschaftslehrgang vor. Nachdem sie schon in der U15 und U17 jeweils drei Tage mitmachen durfte, nahm sie diesmal für eine Woche an einem Sichtungstraining der U19 Polens teil. Was jetzt nur noch fehlt, ist der erste Länderspieleinsatz. „Das ist ein Traum, einmal für mein Land zu spielen“, erzählt sie.

Die 17-Jährige weiß genau, was sie will. Jedenfalls nicht den Ball flach halten. „Am liebsten würde ich mit Polen Weltmeister werden, mal für Paris oder Chelsea spielen und Weltfußballerin werden.“ Zu ihren großen Vorbildern zählt sie Ewa Pajor, die polnische Nationalstürmerin in Diensten des VfL Wolfsburg, die mit den Niedersachsen vier Mal Deutsche Meisterin und in der Saison 2018/19 Torschützenkönigin der Bundesliga wurde.

Volle Konzentration auf den Fußball trotz früherer Verletzungen

An wem sich ihr Bruder fußballerisch orientiert, liegt auf der Hand: Robert Lewandowski. Denn auch Enrico Januschewski ist Angreifer, der aber vor allem über seine Schnelligkeit zum Abschluss kommt. „Ich möchte mich voll auf den Fußball konzentrieren“, sagt der ehrgeizige 18-Jährige, der sich bewusst ist, dass auch ein gewisse Portion Glück dazu gehört, es einmal zum Profifußballer zu bringen. Dass ihn in der Jugend verschiedene Verletzungen (unter anderem ein Außen- und Innenbandriss) aus dem Tritt gebracht haben, will er ausblenden. „Lewandowski hat es auch aus der 3. Liga geschafft“, sagt er.

Erst einmal will er sich in der Oberliga etablieren. Dafür nimmt er die tägliche 160-Kilometer-Strapaze nach Siegen und zurück gerne auf sich. Selber fahren – darauf freut sich auch seine Schwester sehr. Naomi Januschewski wird nächstes Jahr im Januar 18. Dann nimmt die Viel-Fahrerei der Eltern auch ein Ende. Die verwunderten Blicke der Tankstellenmitarbeiter dürften dann dem Spritverbrauch ihrer Kinder gelten.

Hintergrund

Gene: Auch die Eltern der beiden fußballbegeisterten Kinder haben auf höherem Niveau Sport getrieben. Adam Januschewski hat es als Handballer bis in die 2. polnische Liga geschafft, Sofie Januschewski war in ihrem Heimatland eine ambitionierte Leichtathletin. Die jüngere Tochter Sandy (15) hat dagegen sich trotz Talent gegen den Fußball und stattdessen für das Reiten entschieden.

Kampfsport: Wie sportbegeistert die Familie ist, zeigt sich auch in der Verwandtschaft. Einige Cousins sind in Polen im Kampfsport aktiv, einer gar auf hohem Niveau in Kanada. Michael Karkula ist dort ein erfolgreicher MMA-Kämpfer.

Schule: Im vergangenen Jahr machten Enrico (Montanusschule) und Naomi (Realschule) zeitgleich in Hückeswagen ihre mittlere Reife. Er legt nun auf dem Berufskolleg in Siegen mit dem Wirtschafts-Fach-Abi nach, sie mit fast identischer Richtung in Wipperfürth.

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