Eishockey

Hauner schreibt sein eigenes Märchen

Norman Hauner mit der Meistertrophäe: ein besonderer Moment nach einer ganz besonderen Saison. Foto: Timo Raiser
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Norman Hauner mit der Meistertrophäe: ein besonderer Moment nach einer ganz besonderen Saison.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Das Interview der Woche mit dem Hückeswagener Eishockey-Profi, der in die DEL aufgestiegen ist

Hückeswagen. Mit Zweitligist Bietigheim Steelers hat Norman Hauner in den vergangenen Wochen ein kleines Eishockey-Märchen erlebt und daran selbst kräftig mitgeschrieben. In einer fantastischen Play-off-Serie holte sich der Hückeswagener mit seiner Mannschaft den Titel und schaffte so den Aufstieg in die DEL. Hauner war dabei eine der prägendsten Figuren. Er kam in 14 Spielen auf 18 Scorerpunkte (elf Tore, sieben Vorlagen), wurde als wertvollster Spieler (MVP) der K.o.-Runde ausgezeichnet – und das alles, nachdem er sich kurz vor Beginn der Play-offs mit Covid-19 infiziert hatte.

Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt man sich als DEL-Aufsteiger und MVP?

Norman Hauner: Vielen Dank! Das ist natürlich Wahnsinn, was wir geschafft haben. Seit 15 Jahren gibt es zum ersten Mal wieder einen sportlichen Aufsteiger – und das sind nun wir. Und dann auch noch zum MVP gewählt zu werden, naja, das ist natürlich auch nicht so schlecht (lacht).

Nach dieser Serie muss man aber beinahe fragen: Wer sonst hätte diese Auszeichnung verdient gehabt?

Hauner: Unser Torwart Leon Dubrawa zum Beispiel. Der ist 19 Jahre alt, war eigentlich für den Nachwuchs eingeplant, der nur in der dritthöchsten Spielklasse antritt, und ist nach den ersten beiden Viertelfinalspielen in die Bresche gesprungen. Das ist echt krass, wie der das gemacht hat.

Zurück zu Ihnen: War das der größte Erfolg in Ihrer Karriere?

Hauner: Das habe ich mich auch schon gefragt. 2018, in meiner ersten Saison in Bietigheim, sind wir ja schon einmal Meister gewesen. Aber doch, das jetzt ist noch mal höher einzuordnen.

Wahrscheinlich auch, weil Ihr nur als Vierter aus der Hauptrunde gekommen seid und das Ende der regulären Saison dann auch noch denkbar ungünstig verlief. Lassen Sie die vergangenen anderthalb Monate doch mal Revue passieren.

Hauner: Da muss man im Prinzip Anfang April beginnen, als es in unserer Mannschaft vier Coronafälle gab. Wichtige Spieler waren betroffen, auch ich. Da habe ich noch mit meinem Teamkollegen Matt McKnight telefoniert und wir waren uns einig, dass die Saison für uns im Prinzip schon beendet und abgehakt ist. Nicht nur, dass wir zwei Wochen in Quarantäne mussten. Mir ging es auch richtig schlecht. Schon bei der kleinsten Anstrengung hatte ich Schmerzen in der Brust und dachte, das Ding ist jetzt durch. In der zweiten Woche habe ich dann sogar mal unseren Teamarzt angerufen, weil ich nicht mehr normal atmen konnte, wenn ich mich hingelegt habe.

Sicherlich ein beklemmendes Gefühl. . .

Hauner: Ja, total übel.

Wie konnten Sie dann schon zum zweiten Play-off-Spiel wieder auf dem Eis stehen?

Hauner: Zum Glück war Corona genau so schnell wieder weg, wie es gekommen war. Nach einer intensiven ärztlichen Untersuchung konnte ich mich drei, vier Tage im Training rantasten und war dann wieder dabei, ohne das richtig glauben zu können.

Mit Ihrer Mannschaft haben Sie in den vergangenen Wochen immer wieder unglaubliche Moral bewiesen, Rückschläge weggesteckt und Rückstände umgebogen. Wie haben Sie das erlebt?

Hauner: Das stimmt. Schon im Viertelfinale gegen Frankfurt lagen wir im entscheidenden fünften Spiel vor dem letzten Drittel 0:2 zurück. Da war der Sommerurlaub sehr nah. Aber wir wussten immer, dass der Gegner einbrechen würde, wenn wir mal Vollgas geben.

Auch im Finale standen Sie nach zwei Niederlagen mit dem Rücken zur Wand. Kassel hatte in eigener Halle den ersten Matchpuck.

Hauner: Da war auch alles für die Meisterfeier vorbereitet. Fernsehteams waren da, die Spielerfrauen auf der Tribüne – es wirkte, als wären die vom Kopf her schon weiter, als sie es vielleicht sein sollten.

Wie unruhig schläft man dann vor einem Spiel fünf, in dem es um alles oder nichts geht?

Hauner: Nachts habe ich relativ gut geschlafen. Aber im Bus, als alle eigentlich noch mal einen Mittagsschlaf machen sollten, hat keiner mehr ein Auge zugetan. Schließlich hatten wir da ja plötzlich auch wieder etwas zu verlieren.

Was bedeutet dieser Aufstieg für die Steelers? Für den Verein und das Umfeld?

Hauner: Für alle war das ein Traum, noch einmal den Titel zu holen und diesmal dann auch aufsteigen zu können. Trotzdem kam das jetzt schon ein bisschen unerwartet. Auch für mich. Mit 29 Jahren in die DEL zurückzukehren, ist bestimmt nicht der normale Weg (lacht). Aber jetzt nehme ich das natürlich gerne mit.

Was hat das Team so stark gemacht? Was war aus Ihrer Sicht der Schlüssel zu diesem Erfolg?

Hauner: Ich denke wir haben eine extrem charakterstarke Mannschaft. Viele Spieler haben schon DEL-Erfahrung, wollen ihre Karriere aber keineswegs nur noch austrudeln lassen. Wir wussten immer, dass wir die Qualität für den Titel haben und es schwer sein wird, gegen uns drei von fünf Spielen zu gewinnen. Wenn´s drauf ankam, waren wir da.

Auch wenn es möglicherweise nicht so einfach ist, sich selbst zu bewerten. Aber versuchen Sie bitte mal, die eigene Leistung einzuordnen?

Hauner: Ein Grund, warum die Play-offs für mich so gut liefen, war tatsächlich die Coronapause. Ab dem Halbfinale gegen Freiburg hatte ich das Gefühl, alle würden müder werden, während ich immer besser und fitter wurde. Außerdem war ich extrem motiviert. Mir war bewusst, als andere Leistungsträger ausfielen (unter anderem Topscorer Riley Sheen, Anmerkung der Redaktion), dass mein Team auf mich angewiesen ist. Ich bin dann extrem selbstbewusst in die Spiele gegangen und wusste, dass mich keiner stoppen kann. Und wenn´s dann einmal läuft. . .

. . . dann wird man mal eben MVP der Play-offs.

Hauner: Es hat ein bisschen gedauert, bis mir das wirklich bewusst geworden ist. Aber mittlerweile weiß ich, dass mir das keiner mehr nehmen kann.

Bundestrainer Toni Söderholm hat aber nicht angerufen, oder?

Hauner: Nee (lacht). Aber die spielen ja auch ohne mich eine ganz ordentliche WM.

Lassen Sie uns in die Zukunft blicken. Zum Beispiel auf Ihre Rückkehr in die DEL. Worauf freuen Sie sich?

Hauner: Ich habe im Jubel nach der Schlusssirene zu meinem Teamkollegen Brett Breitkreuz, mit dem ich schon für die Kölner Haie gespielt habe, gesagt: Jetzt werden wir tatsächlich noch mal in der Lanxess Arena antreten. Mehr geht ja eigentlich nicht. Das hätte ich mir in den letzten drei Jahren jedenfalls nicht erträumen lassen. Generell sehe ich das aber alles entspannt. Mit 29 habe ich da überhaupt nichts zu verlieren. Aber eins ist auch klar: Wir wollen uns nicht abschlachten lassen. Erst recht nicht in den Derbys gegen Schwenningen, auf die sich alle in Bietigheim besonders freuen.

Und die kurzfristige Zukunft? Wie sehen Ihre nächsten Wochen und Monate aus?

Hauner: Mein Körper fährt jetzt erst einmal runter, um auch die Wehwehchen aus den Play-offs auszukurieren. Dann mache ich auch ein paar Tage Urlaub. Erst fahre ich mit einem Kumpel, unserem Fitnesstrainer, in einem Camper ein paar Tage irgendwo hin. Und später geht´s auch für eine Zeit zurück nach Hückeswagen. Unter anderem, um den Geburtstag meiner Mutter zu feiern. Da kann ich mich jetzt mit dem MVP-Pokal ja zum Glück blicken lassen.

Zur Person

Norman Hauner wurde am 4. Dezember 1991 in Hückeswagen geboren. Schon mit drei Jahren stand er bei den Kölner Haien auf dem Eis und durchlief dort zunächst auch alle Jugend-Mannschaften. In der Saison 2008/09 durfte er dann erstmals auch im DEL-Team ran, ein Jahr später markierte er dort sein Premierentor. Für den KEC, in München (für zwei Spiele ausgeliehen) und die Krefeld Pinguine brachte er es insgesamt auf 198 Spiele (15 Tore/21 Vorlagen) in der höchsten deutschen Spielklasse. In der neuen Saison, die am 9. September beginnt, können nun weitere folgen.

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