Bogenschießen

Heydasch nimmt DM-Titel ins Visier

Timo Heydasch mit seinem neuen Schatz – die Medaille soll noch eingerahmt werden und einen prominenten Platz bekommen. Foto: TH
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Timo Heydasch mit seinem neuen Schatz – die Medaille soll noch eingerahmt werden und einen prominenten Platz bekommen.
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Der Lenneper Bogenschütze erfüllt sich mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft einen Traum.

Von Fabian Herzog

Herzlich Glückwunsch! Vor wenigen Tagen wurden Sie im thüringischen Mühlhausen Deutscher Meister im Bogenschießen. Erzählen Sie doch einmal, wie es dazu kam?

Timo Heydasch: Zunächst einmal: vielen Dank! Ich hatte mich in der Disziplin Blankbogen über die Bezirks- und die Landesmeisterschaft sowie die deutsche Rangliste, in der ich als Vierter geführt wurde, für die Hallen-DM qualifiziert und konnte mich in der Herren-Klasse knapp, nach engem und spannenden Wettkampf, durchsetzen. Nach 60 Pfeilen, die auf die 18 Meter entfernten Scheiben in zwei Durchgängen geschossen wurden, hatte ich 513 Ringe erzielt und damit gewonnen.

Eine tolle Leistung. Mit welchem Ziel waren Sie nach Thüringen gereist?

Heydasch: Im wollte es auf das Podest schaffen. Klar habe ich davon geträumt, Erster zu werden. Weil ich weiß, dass ich stabil schieße und relativ konstant meine Leistung abrufen kann. Und das war dann auch am Ende das Entscheidende bei diesem Turnier.

Wie lief der Wettkampf ab?

Heydasch: Es wurden zwei Durchgänge à 30 Pfeile geschossen. Und das über einen Zeitraum von etwa drei Stunden. Da fällt es schwer, die Konzentration zu halten.

Was Ihnen aber scheinbar gelungen ist. Wussten Sie die ganze Zeit über, dass Sie auf dem Weg zum Titel sind?

Heydasch: Ich wusste auf jeden Fall, dass ich nach dem ersten Durchgang vorne mit dabei war. Und dadurch, dass ich als Vierter der Rangliste mit den drei vor mir Platzierten auf eine Scheibe geschossen habe und gemeinsam aufgeschrieben wurde, war das alles sehr transparent. Da weiß ganz genau, wo man steht. Geholfen hat mir das aber nicht, da ich sehr nervös geworden bin. Weil ich gemerkt habe, es könnte funktionieren.

Mit den 513 von maximalen 600 Ringen hatten Sie auf Lokalmatador Rafal Kesik, der Bester der Quali war, am Ende drei und auf Titelverteidiger Heiko Grundwald sieben Ringe Vorsprung. Wann haben Sie realisiert, dass es zum ersten Deutscher Meistertitel reicht?

Heydasch: Tatsächlich nicht nach dem letzten Schuss, sondern erst beim Zusammenrechnen ganz am Ende. Als es dann klar war, hat sich bei mir eine Mischung aus Erstaunen, Fassungslosigkeit, Freude und Erleichterung breitgemacht. Weil ich immer darauf hingearbeitet habe und es schon ein hartes Jahr war. Ich hatte mir 2021 durch einen Sturz von einer Leiter zwei Wirbel gebrochen, musste operiert werden und zwei Monate pausieren.

Rechtzeitig waren Sie aber wieder fit und haben das Kunststück vollbracht, gleich an zwei Deutschen Hallen-Meisterschaften teilzunehmen. Erläutern Sie doch mal, wie das möglich war.

Heydasch: Seit der Wiedervereinigung gibt es in Deutschland zwei nationale Bogensportverbände. Ähnlich wie beispielsweise beim Boxen. Zum einen den Deutschen Schützen-Bund, bei dessen DM ich eine Woche zuvor in Berlin für den Remscheider Schützenverein Dritter geworden bin, und eben den Deutschen Bogen-Sport-Verband. Der ist eher auf die Bögen ohne Visier spezialisiert.

Bewegt man sich dann bei einer Deutschen Meisterschaft in den beiden Verbänden auf einem ähnlichen Niveau?

Heydasch: Das Niveau in Berlin war ein bisschen besser, weil gerade die Spitzenleute eher beim Deutschen Schützen-Bund sind. Der hat auch insgesamt eine größere Verbreitung. Ich persönlich habe bei der DM des DSV sechs Ringe mehr geschossen als in Mühlhausen.

Warum schießen Sie eigentlich mit dem Blankbogen? Und wo liegen die Unterschiede?

Heydasch: Compound- und Recurvebögen haben viel mehr technische Unterstützung und Kontrollmöglichkeiten für den Schützen. Beide haben beispielsweise ein Visier, der Compoundbogen sogar mit Vergrößerung. Zusätzlich haben die auch Stabilisationssysteme, dass der Bogen möglichst ruhig stehen bleibt beim Schießen. Und als ich angefangen habe, wurde mir eben ein Blankbogen in die Hand gedrückt. Da habe ich schnell gemerkt: Der liegt mir viel mehr. Zwischendurch habe ich auch mal im Training die anderen Bögen ausprobiert, fand das Visier aber eher irritierend als hilfreich.

Apropos Training: Wie viel „Vorarbeit“ steckt in einem Deutschen Meistertitel im Bogenschießen?

Heydasch: Pro Woche absolviere ich immer vier Einheiten. Drei davon in der Halle, also entweder beim Remscheider SV oder meinem zweiten Verein, dem BSC Sprockhövel. Das andere sind Gymnastik-, Stabilisations- oder Gleichgewichtsübungen, die ich auch zu Hause machen kann. Selbst dort habe ich mir in der Corona-Zeit aber auch noch eine kleine private Schießbahn eingerichtet, um unabhängig trainieren zu können.

Wie denn das? Wohnen Sie auf einer Kegelbahn?

Heydasch: Nein (lacht). In einem Fachwerkhaus in Grund. Aber da habe ich einen acht Meter langen Raum entsprechend eingerichtet. Dort kann ich Muskulatur aufbauen und Technik trainieren. Da ist die Entfernung nicht entscheidend.

Letzte Frage: Welche Ziele nehmen Sie – im wahrsten Wortsinn – als Nächstes ins Visier?

Heydasch: Ich würde gerne meine Tätigkeit als Trainer ausbauen. Im Winter habe ich den Trainerschein gemacht, sammel da schon Erfahrung und habe gemerkt, dass es mir viel Spaß macht, mit Leuten zu arbeiten. Und am 1. April beginnt die Saison unter freiem Himmel, da möchte ich es wieder zu den Deutschen Meisterschaften – gerne in beiden Verbänden – schaffen. Ich werde mich jedenfalls bemühen, dabei zu sein.

Zur Person

Timo Heydasch wurde am 30. April 1976 in Lennep geboren. Als Jugendlicher versuchte er sich zunächst als Volleyballer bei LTG und Frisch Auf. Erst vor fünf Jahren kam er zum Bogensport, fand da seine Leidenschaft und erzielte schnell gute Ergebnisse. 2018 (im Freien, 5. Platz) und 2019 (Halle, 6.) war er erstmals bei einer DM. Der freiberufliche Psychologe, der mit Sylke Raider verheiratet ist und in Grund lebt, entwickelt psychologische Testverfahren für Unternehmen.

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