Eishockey

Heimweh kommt nur an Karneval auf

Fokussierung: Norman Hauner will mit den Bietigheim Steelers in die DEL aufsteigen und sich dort noch einmal beweisen. Foto: Dominic Pencz
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Fokussierung: Norman Hauner will mit den Bietigheim Steelers in die DEL aufsteigen und sich dort noch einmal beweisen.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Der Hückeswagener Eishockeyprofi Norman Hauner fühlt sich in Bietigheim wohl.

Seine Heimat ist und bleibt Hückeswagen. Sportlich gesehen gibt Norman Hauner aber immer Köln an, wenn er zu diesem Thema befragt wird. „Hückeswagen kennen viele ja nicht“, begründet der Eishockeyprofi, der tatsächlich auch schon mit drei Jahren in der Domstadt auf dem Eis gestanden und seine kompletten Jugendjahre dort verbracht hat. Mittlerweile existiert für ihn aber beinahe auch noch eine zweite beziehungsweise dritte Heimat: Bietigheim. In der schwäbischen Kleinstadt, mit etwas über 40 000 Einwohnern zwischen Stuttgart und Heilbronn gelegen, lebt Hauner nun schon seit fast vier Jahren und sagt: „Ich fühle mich sehr wohl hier.“

Familienglück: Norman Hauner mit Freundin Carolin und ihrem Hund Lio an Weihnachten.

Wie sehr, das belegen im Grunde drei Anhaltspunkte. Zum einen Freundin Carolin, die er auf einer privaten Feier kennengelernt hat. Zum anderen die gemeinsame Einliegerwohnung der beiden, die etwas außerhalb liegt und passenderweise quasi Teil eines Bauernhofes ist. Und irgendwie auch ihr Hund Lio, ein Rhodesian Ridgeback, der für ein richtiges Familiengefühl sorgt. „Ich hätte aber nie gedacht, dass ich mal so ein Tier haben würde“, sagt der Hückeswagener lachend.

Es gibt allerdings auch Dinge der Eingewöhnung, mit der er sich auch nach all den Jahren noch ein wenig schwertut. Zum Beispiel: die Trinkkultur. Wein wird wohl nie Hauners Favorit werden, trotz diverser Weinberge drumherum. Und: der schwäbische Dialekt. „Wenn die richtig loslegen, wird es schon übel“, erzählt er. Da genießt er es dann immer umso mehr, mit der Mama in Hückeswagen, wo auch der Opa, seine Tanten und Cousinen leben, zu telefonieren. In der Schlossstadt war Hauner an Weihnachten immerhin mal einen Tag zu Besuch. Mehr aber auch nicht, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

„Ich glaube schon, dass in der 1. Liga schlechtere Jungs als ich rumlaufen.“

Norman Hauner, Eishockeyprofi

Ein wenig Heimweh kommt auf, wenn die fünfte Jahreszeit beginnt. „Den Karneval vermisse ich schon“, sagt Hauner, der in der coronabedingten Absage – wenn überhaupt – „das einzig Positive“ der Pandemie sieht. So hielt sich der Neid diesmal in Grenzen, der sonst beim Anblick von Feier-Fotos in den sozialen Medien groß und dem nur schwer entgegenzusteuern sei. Immerhin: „Unser Fitnesstrainer macht im Kraftraum auch schon mal kölsche Musik an.“

Gipfelstürmer: Norman Hauner im Wanderurlaub 2020 in Österreich.

Auch deswegen fühlt sich der Hückeswagener in Bietigheim wohl, was zudem in einem engen Zusammenhang mit den sportlichen Gegebenheiten steht. Bei den Steelers genießt er nahezu optimale Bedingungen. „Der Verein ist so etwas wie das Bayern München der 2. Liga“, beschreibt er die Verhältnisse, wozu auch die moderne Spielstätte gehört, die man sich mit den Zweitliga-Handballern der SSG Bietigheim teilt. In seiner ersten Saison holte er mit den Steelers direkt den Titel, zu dem Hauner 40 Scorerpunkte in 45 Spielen beisteuerte. Dies toppte er in der darauffolgenden Spielzeit zwar mit 64 Punkten in 54 Partien, aber der Erfolg mit dem Team blieb in Folge eines personellen Umbruchs aus. Völlig überraschend war schon im Play-off-Viertelfinale Endstation.

Nach einer persönlich wie mannschaftlich enttäuschenden Saison 2019/20 mit dem Aus in den Pre-Play-offs und „nur“ 26 Hauner-Punkten in 43 Begegnungen nahm sich der Hückeswagener im vergangenen Sommer besonders viel vor und legte im Training noch einmal eine Schippe drauf. „Ich hatte schon ein bisschen Wut im Bauch“, gibt er zu. Für zusätzliche Motivation sorgte die Modus-Veränderung der Deutschen Eishockey-Liga, durch die nun auch der Meister der DEL 2 aufsteigen kann. Wobei neben Bietigheim nur die Löwen Frankfurt und die Kassel Huskies die Lizenz beantragt haben.

Im deutschen Eishockey-Oberhaus würde sich Hauner gerne noch einmal beweisen. „Ich glaube schon, dass in der 1. Liga schlechtere Jungs als ich rumlaufen“, sagt er selbstbewusst. Wohl wissend, nicht jünger zu werden. „Mittlerweile“, sagt der Hückeswagener, „weiß ich aber eben auch, dass die Erfahrung eine Menge ausmacht.“ Außerdem habe sich unter Trainer Daniel Naud, der ein anderes System präferiert, auch seine persönliche Spielweise verändert: „Ich muss mehr nach hinten arbeiten.“

Trotzdem kommt er auch seiner Kernkompetenz nach. 19 Tore und 16 Vorlagen stehen nach 38 Spielen zu Buche. „Da bin ich voll im Soll“, findet Norman Hauner, der mit dieser Ausbeute fünftbester deutscher Scorer der DEL 2 ist. „Mein Anspruch ist immer, das Maximum herauszuholen“, umreißt der 29-Jährige seine Ziele. Auch wenn es alleine aufgrund der Bestimmungen, dass deutsche Vereine immer eine bestimmte Anzahl junger Spieler in ihrem Kader haben müssen und so nicht viel Platz für die „Älteren“ ist, nicht einfacher wird, sieht er sein Karriereende noch nicht kommen: „Dafür macht mir das alles noch zu viel Spaß.“

Norman Hauner

Stationen: Kölner Haie (Jugend und drei DEL-Saisons), Fischtown Pinguins (DEL 2), Füchse Duisburg (3. Liga), Starbulls Rosenheim (DEL 2), EHC München, Krefeld Pinguine (beide DEL), Ravensburg Towerstars, Bietigheim Steelers (beide DEL 2).

Statistik: 198 Spiele in der DEL (15 Tore/21 Vorlagen); 344 Spiele in der DEL 2 (148 Tore/124 Vorlagen).

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