Interview

Hastener TV soll professioneller werden

Klaus Hesse und das Emblem seines Herzens – der Hastener TV feiert in diesen Tagen einen besonderen Geburtstag. Foto: Andreas Dach
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Klaus Hesse und das Emblem seines Herzens – der Hastener TV feiert in diesen Tagen einen besonderen Geburtstag.
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Gespräch mit Klaus Hesse, dem 1. Vorsitzenden des Hastener TV. Der Verein wird am 15. Juli 150 Jahre alt.

Der Hastener TV wird in diesem Juli stolze 150 Jahre alt. Was fällt Ihnen als Vorsitzendem spontan zu diesem großartigen Geburtstag ein?

Klaus Hesse: Dass es dem HTV in all diesen Jahren gelungen ist, sich immer weiterzuentwickeln. Dass es Personen gab, die sich darum gekümmert haben und denen das wichtig gewesen ist. Wenn man bedenkt, dass es seinerzeit mit einer Turnabteilung losgegangen ist und was mittlerweile daraus geworden ist, können wir alle schon sehr froh darüber sein.

Nennen Sie doch bitte ein paar Beispiele.

Hesse: Ich erinnere an unsere Prellballerinnen, die einst sogar Deutscher Meister geworden sind. An den Zusammenschluss mit dem SC West, woraus bei uns in den 70er-Jahren eine Fußball-Abteilung entstanden ist. An die Fusion mit dem Behinderten- und Rehasport Remscheid vor rund 15 Jahren. An das Miteinander mit der Lenneper TG, um die HG Remscheid entstehen zu lassen und nicht zuletzt auch die Kooperation mit dem Goldenberger TV.

Es fällt auf, dass Sie bei den bisherigen Antworten sehr rational rüberkommen. Ist es für Sie nicht auch bewegend, dass der Hastener TV 150 Jahre alt wird?

Hesse: Selbstverständlich ist es das. Durch meine langjährige Mitgliedschaft sind Freundschaften fürs Leben entstanden, und ich habe mich als Mensch weiterentwickelt. Als Vorsitzender erlebe ich mich eher als den Helfenden und nicht als Chef von allen. Auch wenn einige mich immer Präsident nennen . . .

Wo steht der HTV im Jahr 2021?

Hesse: Wir sind der viertgrößte Verein in Remscheid und ein Mehrspartenverein. Vom Kinderturnen bis zum Senioren- und Rehasport decken wir einen umfassenden Bereich ab. Man darf nicht vergessen, dass wir als einziger Club die beiden großen Sportarten Handball und Fußball anbieten, dazu auch Tennis. Das ist schon ein Pfund. Unser Ziel ist es, dass wir uns als Dienstleister weiterentwickeln. Wir wollen noch mehr Kurse anbieten und der Tatsache Rechnung tragen, dass heutzutage nicht mehr alle Leute einem Verein beitreten.

Was verstehen Sie darunter konkret?

Hesse: Dass wir uns professioneller aufstellen müssen. Bislang bekleidet Angela Voß in unserer Geschäftsstelle eine Halbtagsstelle. Bei Alireza Tajiki läuft das Freiwillige Soziale Jahr in nächster Zeit aus. Er wird dann auf 450-Euro-Basis zusätzlich in der Geschäftsstelle eingebunden. Perspektivisch werden wir sicher an eine Vollzeitbesetzung denken müssen, um den vielen Aufgaben gerecht zu werden.

Wie viele Mitglieder hat der Hastener TV derzeit?

Hesse: Wir sind bei über 1000. Was auch damit zu tun hat, dass der Seniorinnen- und Seniorensport Remscheid zum 30. Juni aufgelöst worden ist und die Mitglieder zu uns gewechselt sind. Insgesamt bieten wir etwa 1500 Menschen die Möglichkeit an, beim und mit dem HTV Sport zu treiben.

Und wie erklärt sich die Differenz zu den ursprünglich genannten gut 1000 Sportlerinnen und Sportlern?

Hesse: Es gibt alleine 230 Verordnungen über Rehasport, der bei uns wahrgenommen wird. Dazu kommen Abonnenten von Plätzen in der Tennishalle und unser Kooperationspartner Beck-up mit seiner Tennisschule. Insgesamt ist die Mitgliederentwicklung seit rund acht Jahren steigend, wobei wir nun auch ein wenig Corona Tribut zollen mussten und müssen.

Werfen wir einen Blick auf die Zukunft beim HTV.

Hesse: Ideen haben wir genug. Aber die sind halt auch mit Investitionen verbunden. Das Sportangebot erweitern, zusätzliche Kapazitäten und Kursräume schaffen – das steht sicherlich auf der Agenda. Dazu könnten weitere Kooperationen kommen oder auch noch mehr Eingliederungen kleinerer Vereine. Mal schauen. Fest steht, wie schon erwähnt, dass wir uns unbedingt professioneller aufstellen müssen.

Wie bewerten Sie grundsätzlich den Standort Hasten?

Hesse: Bei aller guten Zusammenarbeit mit der Stadt Remscheid, die ich ausdrücklich hervorheben möchte, habe ich trotzdem bei Diskussionen um die Entwicklung von Stadtteilen manchmal ein wenig das Gefühl, das Hasten etwas hinterherhinkt. Das betrifft beispielsweise die Wohnbebauung.

Was bedeutet diese Erkenntnis für den HTV?

Hesse: Dass wir halt mit einem sehr guten Sportangebot punkten müssen. So haben wir unsere drei Tennisplätze mit einem speziellen Kunststoffbelag ausgestattet, der uns ermöglicht, künftig auch Rollstuhltennis in unser Programmangebot aufzunehmen. Grundsätzlich müssen wir die Fühler weiter ausstrecken und unsere Marketingaktivitäten auch auf Wuppertaler Boden ausdehnen. So sind wir diesbezüglich schon in Cronenberg und Ronsdorf aktiv.

Wie lange werden Sie Ihr Amt noch bekleiden?

Hesse: Darauf habe ich zum jetzigen Zeitpunkt keine wirkliche Antwort parat. Es wird immer schwieriger, im Vorstand und in den einzelnen Abteilungen Mitstreiter zu finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Mit Kirsten Hein, Marc Schiller und Klaus Jungjohann arbeite ich im Vorstand vertrauensvoll zusammen und sehe uns als Team. Eine One-Man-Show ist nicht mein Ding.

Hat der HTV eigentlich eine Feier zum 150. Geburtstag geplant?

Hesse: Ursprünglich hatten wir diesbezüglich schon im Jahr 2019 gemeinsam mit den Abteilungsleitern erste Schritte in die Wege geleitet. Mittlerweile ist die Situation coronabedingt eher so, dass wir die Feier auf 2022 verlegen. Dann möglicherweise mit einer Sportwoche, diversen Turnieren und einem großen Vereinsfest.

Zur Person

Klaus Hesse wurde am 23. September 1953 in Remscheid geboren. Nach dem Besuch der Hauptschule Hölterfeld und der Berufsfachschule hat er bei Vaillant Werkzeugmacher gelernt. Dort war er 24 Jahre tätig, später noch viele Jahre bei einer kleineren Firma als Betriebsleiter in Leverkusen. Beim Hastener TV ist er nicht nur seit 58 Jahren Mitglied, sondern der Ex-Handballer trägt auch seit 2008 die Verantwortung als 1. Vorsitzender.

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