Ganz persönlich

Hartmut Behrensmeier führt ein Leben für den Rad(e)sport

Gute Laune an einem schönen Tag: Hartmut Behrensmeier genoss den Spaziergang um die Eschbachtalsperre sehr.
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Gute Laune an einem schönen Tag: Hartmut Behrensmeier genoss den Spaziergang um die Eschbachtalsperre sehr.
  • Andreas Dach
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An der frischen Luft mit . . . Hartmut Behrensmeier – Auch mit 70 Jahren brennt das Feuer noch in ihm.

Von Andreas Dach

Autobahnhotel und Sperrmauer zeigen an, dass RGA-Sportredakteur Andreas Dach und Hartmut Behrensmeier (v.l.) fast am Ziel sind.

Versuch eins, die Talsperre zu umrunden, war zwei Wochen zuvor gescheitert. Da musste Hartmut Behrensmeier kurzfristig absagen. Eine Hexe hatte auf ihn geschossen – beim Schneeschaufeln. Wer weiß, wofür der schmerzhafte Moment gut war. Als wir uns jetzt treffen, ist es frühlingshaft warm. Kein Schnee, kein Eis und – das ist das Wichtigste – es gibt keinen Hexenschuss mehr, welcher den 70-jährigen Radevormwalder quält. Wir können ganz entspannt starten und uns viel Zeit lassen.

Die brauchen wir. Ist der gebürtige Lenneper doch jemand, der viel zu erzählen hat. Über seinen Beruf, der ihn 46 Jahre lang mit großer Freude bei der Stadt Radevormwald hat tätig sein lassen. Und über seine große Leidenschaft: den Radsport.

Handelsschule in Wuppertal, Ausbildung zum Industriekaufmann in Rade – es deutet anfangs nicht wirklich viel darauf hin, dass er einmal bei der Stadt landen wird. Genau so kommt es aber 1970. „Das war mein großes Glück“, sagt Hartmut Behrensmeier heute. Als er Ende 2016 in Rente geht, tut er das nach eigener Aussage „schweren Herzens“. Mehr als 20 Jahre hat er im Rader Sportamt die Strippen gezogen, später in der Wirtschaftsförderung den Bereich Tourismus verantwortet. Auch noch einmal gut zehn Jahre. Seine beiden Hauptstationen bei der Stadt. Ein Macher. Ein Anpacker. Als er vor zwei Jahren noch einmal seine Nachfolgerin vertritt, die drei Monate ausfallen sollte, fühlt sich das für ihn an, als sei er gar nicht weg gewesen: „Ich wusste genau, wo jeder Ordner steht.“

Hartmut Behrensmeier mit Superstar Erik Zabel.

Heute ist es das Bismarck-Zweirad-Museum, welches ihn auf Trab hält. Behrensmeier will gerade ausholen und über Ausstellungen, Exponate und historische Zweiräder referieren, da treffen wir Benno Berghaus. Der frühere Besitzer der Remscheider Kultkneipe „Quasimodo“ genießt die Natur. Er und Behrensmeier – sie kennen sich nicht. Was sie nicht hindert, sich zu unterhalten. Das DOC? Kommt es? Kommt es nicht? Behrensmeier weiß nur eins: „Wenn es in Lennep entstehen sollte, werde ich versuchen, dort eine Ausstellung möglich zu machen.“ Wenigstens aber Flyer würde er auslegen, welche die Radsportfreunde ein paar Kilometer weiter nach Rade locken sollen. „Ein bisschen was bleibt immer hängen“, findet er.

Das Zweiradmuseum soll am Bergerhof eine neue Heimat finden. Nach sechs Jahren am Schlossmacherplatz setzt die IG Bismarck mit Behrensmeier an der Spitze auf einen veränderten Standort in Radevormwald. „Wir möchten gerne in die ehemaligen Räumlichkeiten der Bismarck-Zweiradwerke ziehen“, berichtet der 70-Jährige. Das hätte Vorteile. Direkt nebenan hat Radsport Nagel eine Dependance. Und die Trasse führt direkt an dem Gelände vorbei. Noch ist es Zukunftsmusik, soll mit beantragten Fördergeldern auf den Weg gebracht werden.

Das Zweiradvirus hat Behrensmeier schon als jungen Burschen erfasst. Als Fahrer des RC Sprinter Radevormwald hat er 1967 in Heiligenhaus sein erstes Rennen gewonnen. „Das waren die Bezirksmeisterschaften“, weiß er noch genau. Insgesamt neun Rennen soll der gebürtige Lenneper für sich entscheiden. „1970 habe ich aber wieder aufgehört. Der Beruf ging vor.“

Dem Radsport bleibt er treu. Als Organisator und Netzwerker. Behrensmeier macht Rade zu einer Radsporthochburg. Jahr für Jahr finden qualitativ hochwertige Rennen statt. Sogar Profis lockt er in die Stadt und damit Tausende von Zuschauern an den Streckenrand. Radsport-Größen wie Marcel Wüst und Erik Zabel lernen den Rundkurs im Zentrum kennen. Etwa 20 Jahre ist das her. Es sind berauschende Momente. Im Jahr des Zabel-Auftritts sind 8000 Menschen zum Anfeuern vor Ort. Attraktive Programme drumherum machen die Ereignisse perfekt. Behrensmeier weiß noch: „Als Abends eine Band gespielt hat, bin ich um Mitternacht noch mit dem Hut rumgegangen und habe Geld gesammelt, damit die Musiker noch eine halbe Stunde weitermachen.“

Als der Rennsport von Doping-Skandalen überschattet wird, zieht sich Behrensmeier enttäuscht zurück. Die Negativschlagzeilen über seinen geliebten Sport machen ihm zu schaffen. „Aus Verärgerung bin ich aus dem Verband ausgetreten“, berichtet er. Zu viel hat er an Leidenschaft investiert, als dass diese Entwicklung ihn kalt lassen würde.

Vor zwei Jahren hätte es fast noch einmal ein Comeback gegeben. Als er nämlich Artur Tabat trifft. Den Mann, der jahrzehntelang das Radrennen Rund um Köln organisiert, geprägt und zu einer Marke entwickelt hat. „Wir haben über einen Start in Radevormwald verhandelt“, sagt Behrensmeier. Letztlich einigt man sich aber nicht.

„Ich muss auch an meine Gesundheit denken!“

Hartmut Behrensmeier
Gut gedehnt, ist halb umrundet: Hartmut Behrensmeier.

Was es aber zeigt: Der 70-Jährige wird nie ganz loslassen, wenn es um den Radsport geht. Heute ist er begeisterter E-Bike-Fahrer, schwingt sich aber zu selten aufs Rad. „Das muss sich ändern“, sagt er. Weshalb die Aufgabenverteilung in der IG Bismarck eine andere werden soll. „Ich muss auch an meine Gesundheit denken“, findet er. Weshalb er künftig nicht mehr täglich vier oder fünf Stunden im Museum verbringen möchte. Speziell von seinem Kumpel Hajo Sommer, einem Rader, der in Lennep lebt, erhofft er sich viel: „Er engagiert sich enorm in unserem Verein.“

Das Zweiradmuseum hat coronabedingt harte Zeiten hinter sich. Fast ein halbes Jahr lang war die Ausstellungsfläche geschlossen. Das hat sich auf die finanzielle Situation ausgewirkt. Umso mehr freuen sich alle Beteiligten darauf, wenn es irgendwann wieder losgeht. „Wir planen sogar schon einige Veranstaltungen“, sagt Behrensmeier. „Alles, was wir machen, machen wir mit Herzblut.“

Mit Marcel Wüst verbindet Behrensmeier eine Freundschaft.

Wie es immer sein Ding war: „Ich bin froh, dass ich die Dinge, die ich angepackt habe, auch umgesetzt habe.“ Dazu gehört unter anderem eine Ausstellung in der Schwalbe-Arena in Gummersbach. Die Handballfans werden im Foyer hautnah mit den historischen Rädern konfrontiert. Zumindest dann wieder, wenn der Lockdown zu Ende geht. Gerne denkt Behrensmeier an gute Kontakte zum FC Remscheid zurück: „Das war eine tolle Zeit damals in der 2. Bundesliga.“ Speziell Werbemanager Kurt Loch habe ihm imponiert. Unvergessen: „Ich habe dem FCR auch ein paar Mal eine Dreifach-Sporthalle in Rade zur Verfügung gestellt, als das normale Training witterungsbedingt unmöglich war.“

Vergangenheit. Jetzt zählen Gegenwart und Zukunft. „Es ist wunderschön hier“, sagt Behrensmeier mit verklärtem Blick auf die Talsperre. „Unfassbar, dass es mehr als 25 Jahre her ist, dass ich zum letzten Mal hier gewesen bin.“ Der geschiedene Behrensmeier will viel mehr für sich tun. Zum Beispiel seinem Hobby Ornithologie nachgehen. An der Sperrmauer hat er das Schlusswort: „Ich bin ein begeisterter Zeitungsleser und hoffe, dass es die Printmedien noch lange gibt.“

Serie

Seit Mitte November 2020 spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin um die Talsperre. Bislang mit: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Baus, Horst Mettler, Yannick Peinke/Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau – und jetzt Hartmut Behrensmeier.

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