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Halbe Sachen sind gar nicht sein Ding

Bei bestem Sommerwetter drehten Jörg Henseler (r.) und RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl die Runde um die Talsperre.
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Bei bestem Sommerwetter drehten Jörg Henseler (r.) und RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl die Runde um die Talsperre.
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An der frischen Luft mit Jörg Henseler – Der Vorsitzende der HSG Rade/Herbeck möchte Erfolg mit Augenmaß

Er ist kein Mann für halbe Sache. Wenn Jörg Henseler etwas anpackt, macht er es mit ganzem Herzen und vollem Engagement. Ganz oder gar nicht. Die, die das genau weiß, ist seine Ehefrau Andrea. Und aus diesem Grund hing im Heim der Familie Henseler mächtig der Haussegen schief, als der 56-Jährige vor drei Jahren zum Vorsitzenden der Handballer der HSG Radevormwald/Herbeck gewählt wurde. „Da hätte ich mich zu Hause fast verzockt“, erzählt Henseler bereits auf den ersten hundert Metern beim Spaziergang um die Talsperre mit einem Augenzwinkern.

Doch der Reihe nach. Der Boss der HSG in der Bergstadt hatte mit dem Handball in grauer Vorzeit zu tun und dann viele Jahre nicht mehr. „Ich bin in Lüttringhausen groß geworden. Und habe ein wenig beim LTV gespielt“, blickt er zurück. Zur Schule ging er in Lennep und erlangte an der dortigen Realschule die Mittlere Reife. Weiter ging es auf der Höheren Handelsschule in der Remscheider City. Da Henseler heute die axa-Versicherung in Radevormwald leitet, schien sein weiterer beruflicher Werdegang programmiert.

Oder eben doch nicht. „Ich habe nach der Handelsschule erstmal eine Ausbildung zum Betriebsschlosser gemacht. Dann war ich vier Jahre bei der Bundeswehr in Wuppertal.“ Danach machte er eine Weiterbildung zum technischen Betriebswirt und arbeitete im Außendienst.

Diese war für Jörg Henseler dann von Vorteil, als er sich 1997 doch der Versicherungsbranche zuwandte. Was auch in der Familie lag, da sein Vater bereits eine Agentur hatte. Henseler ging aber seinen eigenen Weg. Machte eine Ausbildung und schlug dann vor einigen Jahren beruflich und auch privat seine Zelte in Radevormwald auf. Dort fühlt er sich längst pudelwohl. Allerdings gibt er zu, „dass ich mich am Anfang geziert habe, aus dem RS-Autokennzeichen ein GM zu machen“.

„Da hätte ich mich fast zu Hause verzockt.“

Jörg Henseler, HSG-Vorsitzender

Wie auf seinem beruflichen Weg gab es auch auf sportlicher Ebene den einen oder anderen Umweg. Vor mehr als 20 Jahren entdeckte er sein Herz für den American Football. Doch nicht nur das. Beim AFC Remscheid Amboss versuchte er sich selbst als Spieler. „Ich kannte den heutigen Amboss-Chef Christian ,Mücke‘ Müller ganz gut und natürlich auch Franco Finelli.“ Seine aktive Karriere endete aber schnell. „Ich habe mich im ersten Heimspiel schwer an der Schulter verletzt. Das war es dann.“ Aber nicht mit dem Football. In einer geselligen Runde wurde er dann überzeugt, den Vorsitz des Clubs zu übernehmen und machte dies schließlich fünf Jahre.

Der Weg zu den Handballern in Rade führte auch wieder über einen guten Freund. Andreas Hackländer ist Vorsitzender des HSG-Fördervereins. Richtig aktiv wurde Henseler, als dem Frauenteam vor einigen Jahren der komplette Absturz drohte. Nachdem die Raderinnen den Aufstieg in die Regionalliga in der Tasche hatten, flog alles mit einem Knall auseinander.

Jörg Henseler möchte mit Spielertrainer Roman Warland und Co-Trainer Frank Alsdorf (v. r.) in die Verbandsliga aufsteigen.

„Ich dachte nur, das darf doch nicht wahr sein“, erzählt Henseler und fand in Uli Schmitz und Frank Alsdorf Mitstreiter. An die Regionalliga war natürlich nicht zu denken. Auch nicht an die Oberliga. Die HSG meldete zwar noch, spielte allerdings die Saison nicht und hatte so einen Platz in der Verbandsliga. „Dann habe ich Marcello Halbach angerufen und gefragt, ob er Trainer werden möchte. Er fragte, ob ich ein Team hätte. Ich antwortete, dass es noch keine einzige Spielerin geben würde. Er fand die Idee so verrückt, dass er sich auf das Himmelfahrtskommando einließ.“ Mit Erfolg. In der ersten abgebrochenen Saison belegte man den zweiten Platz. Beim Abbruch im letzten Herbst stand das Team an der Spitze.

Während er ein Frauenteam zusammenstellte, verkündete der damalige HSG-Vorsitzende Klaus Steinmüller, dass er sich bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht der Wiederwahl stellen würde. Der Verein hatte zwar fast ein Jahr bis zum Votum Zeit, ins Amt drängte dann aber keiner. Und auch hier kam wieder ein geselliger Abend ins Spiel. Andreas Hackländer fragte ihn, und Jörg Henseler konnte sich durchaus vorstellen, die Aufgabe zu übernehmen.

Ganz anders Ehefrau Andrea. Die war nicht zu überzeugen. Auch nicht bei gemeinsamen Abenden mit dem befreundeten Ehepaar Kirsten und Andreas Hackländer. Jörg Henseler ging aber aufs Ganze. Die Jahreshauptversammlung kam, und er wurde zum Vorsitzenden gewählt. Mit seinem Kumpel Andreas Hackländer ging es dann noch auf ein paar Bierchen. Seine Frau sah er erst am nächsten Tag beim Frühstück.

In das platzte die gemeinsame Tochter Dinah. Die heute 19-Jährige begrüßte ihn mit den Worten: „Glückwunsch Papa zur Wahl zum Vorsitzenden.“ Danach hatte der frischgebackene HSG-Boss ein Problem. „Aber nach ein paar Wochen waren die Wogen wieder geglättet.“

Was damals keiner ahnen konnte, war aber, dass die Pandemie dann dafür sorgte, dass sein Amt nun seit fast anderthalb Jahren wesentlich weniger Zeit in Anspruch nimmt. Allerdings musste Henseler auch als eine Art Psychologe ran. Gerade bei der 1. Herren-Mannschaft. Die wurde in den letzten beiden abgebrochenen Spielzeiten zweimal als großer Favorit um den Aufstieg gebracht. „Wir konnten und können es aber nicht ändern“, sagt Henseler. Allerdings lässt er nicht unerwähnt, dass es im westfälischen Verband, an den Radevormwald grenzt, Aufsteiger nach dem Abbruch gegeben hat.

Mit dem fast identischen Team – die Vertragsverhandlung mit Spielertrainer Roman Warland habe zum Beispiel zehn Sekunden gedauert – wird nun ein neuer Anlauf gemacht. Und auch die Verbandsliga sollte nicht die Endstation sein. Henseler: „Wir gehen aber alles mit Augenmaß an.“

Voraussetzung ist indes, dass der Sport wie im vergangenen Jahr nicht wieder durch die nächste Pandemie-Welle ausgebremst wird. Henseler ist auf der einen Seite zwar optimistisch, dass dies nicht passiert. Allerdings appelliert auch er, „dass sich alle möglichst schnell impfen lassen“.

Jörg Henseler, der Vorsitzende der Handballer der HSG Radevormwald/Herbeck, hat auch in den Zeiten des Lockdowns versucht, sich fit zu halten.

Dass die Normalität dann auch in anderen Bereichen anhält, hofft Henseler natürlich. Auch er hat in den Zeiten des kompletten Lockdowns vermisst, mit Freunden Essen zu gehen oder sich einfach auf ein Bier zu treffen.

Oder eine spontane Reise zu machen, die ihn mit seiner Ehefrau für ein langes Wochenende immer mal wieder gerne an die Mosel führt. In der Planung ist auch die nächste Kreuzfahrt. Allerdings nicht mehr auf den dicken Pötten auf den Weltmeeren. „Wir haben vor Corona eine Fahrt mit einem kleinen Schiff an der kroatischen Küste gemacht. Das war grandios, und das wollen wir wiederholen.“

In wenigen Tagen geht es mit dem Ehepaar Hackländer aber erstmal in die Alpen. Da ist dann Wandern angesagt. Außerdem wird eine Wette zwischen Andreas Hackländer und Jörg Henseler entschieden. „Wir wollten in den Zeiten des Lockdowns beide ein paar Kilo abnehmen“, erzählt Henseler.

Das Duo versuchte es mit Joggen. Wurde aber durch Knieprobleme ausgebremst. Dann schafften sich beide ein Ergometer an. „Am Anfang war ich skeptisch. Mittlerweile sitze ich jeden Tag drauf“, sagt der Mann, der eben keine halben Sachen macht. Entsprechend dürfte der Wetteinsatz – eine Flasche Marillenschnaps, für den, der die meisten Kilos abgespeckt hat – kaum an ihm vorbeigehen.

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Seit November des vergangenen Jahres spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler, einer Sportlerin oder Funktionären um die Remscheider Talsperre. Bislang dabei: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Bauss, Horst Mettler, Yannick Peinke und Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke, Tiberius Jeck, Lothar Steinhauer, Jürgen Schmitz, Anne Ueberholz, Henning Weber, Jörg Musset, Lena Henning, Stephanie Probst, Ralf Hesse, Arnd Bader, Caro Reinert, „Howie“ Paasch, André Berger, Andrew Lux, Klaus Kreutzer und nun Jörg Henseler.

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