Im Gespräch

Halbe Sachen gibt es für Lars Althoff nicht

Lars Althoff war beim Gang um die Talsperre ein unterhaltsamer Gesprächspartner. Foto: Peter Kuhlendahl
+
Lars Althoff war beim Gang um die Talsperre ein unterhaltsamer Gesprächspartner.
  • Peter Kuhlendahl
    VonPeter Kuhlendahl
    schließen

An der frischen Luft mit. . . Lars Althoff – Rechtsanwalt und Ex-Vorsitzender des FC Remscheid.

Von Peter Kuhlendahl

Wer die Einsamkeit an der frischen Luft sucht, ist samstags an der Eschbachtalsperre völlig fehl am Platz. Es beginnt damit, dass man einen Parkplatz ergattern muss.

RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl und Lars Althoff umrundeten die Eschbachtalsperre.

Den Weg um die Talsperre teilen sich in der Mittagszeit Spaziergänger, Läufer und Nordic Walker. Alle mit dem nötigen Abstand. Und fast alle begegnen sich untereinander mit einem freundlichen Hallo.

Lars Althoff hat eingeplant, dass es ein wenig voller ist. Bereits einige Minuten vor der vereinbarten Zeit ist er bereit, sich auf den Weg zu machen. Und der frühere Vorsitzende des FC Remscheid ist gut gelaunt. „Ich bin gespannt, worüber wir plaudern“, meint er nach der Begrüßung.

Die Stimmung verhageln lässt er sich auch nicht davon, dass man bei den ersten gemeinsamen Schritten schnell bei dem leidigen Thema ist, das uns alle jetzt schon fast ein Jahr begleitet. „Ich versuche, aus allem etwas Positives herauszuziehen. Auch aus der Pandemie“, betont der 48-Jährige.

Als Beispiel führt Lars Althoff an, dass er es mittlerweile genießt, auch einige Zeit im Homeoffice zu arbeiten. „Vor wenigen Tagen habe ich mir zu Hause auch ein richtiges Arbeitszimmer eingerichtet. Und auch wenn die Pandemie endlich vorbei ist, werde ich das nutzen.“

Den größten Teil seiner Arbeitszeit wird der Rechtsanwalt allerdings weiter in seiner Kanzlei in Lennep verbringen. Spezialisiert hat er sich da mit seinen Kollegen vor vielen Jahren auf das Arbeitsrecht. „Das hat mich schon während meines Studiums am meisten interessiert“, erklärt er im Hinblick auf die große Bandbreite dieses Feldes.

So unterstützen er und sein Team nicht nur einzelne Arbeitnehmer, sondern auch Betriebsräte bei Umstrukturierungen. Darüber hinaus bietet die Kanzlei Schulungen für Betriebsräte an. Dabei sind auch immer wieder neue Ideen gefragt. Dass da im Büro der Blick auf die Uhr nicht dazugehört, ist klar. „Denn was ich mache, mache ich zu 100 Prozent“, betont der Lüttringhausener.

Dies hat er auch schon während seines Studiums an der juristischen Fakultät in Köln gemacht. Dass er dies quasi im Eiltempo durchgezogen hat, hatte Gründe. Während seiner Schulzeit hatte er zunächst ganz andere Berufswünsche. Beim Remscheider General-Anzeiger sammelte er als freier Mitarbeiter erste journalistische Erfahrungen. Nach dem Abitur und der Ableistung seines einjährigen Wehrdienstes begann er in Wuppertal ein Lehramtsstudium. „Ich wollte Deutsch- und Englischlehrer werden.“

„Rückblickend bin ich mit mir und dem FCR im Reinen.“
Lars Althoff

Aber genau dies redete ihm sein ehemaliger Englischlehrer schließlich aus. „Dafür bin ich ihm heute noch dankbar“, meint Althoff, der nach drei Semestern umsattelte. Übrigens sehr zum Leidwesen seiner Eltern. „Die waren alles andere als begeistert“, erinnert sich Althoff. Und um es allen zu zeigen, schloss er sein Jurastudium ruckzuck ab. Dass er aus seiner Sicht alles richtig gemacht hat, erlebt er auch heute noch. Seine Ehefrau Andrea ist Lehrerin an der OGGS Reinshagen.

Nachdem er den Abschluss in der Tasche hatte, ging es zielstrebig weiter. „Mir war immer klar, dass ich Rechtsanwalt werden wollte.“ Mit einem Freund gründete er eine Kanzlei, die am Kreishaus in Lennep beheimatet war. „Natürlich war das ein Risiko. Aber es hat geklappt“, meint er rückblickend. Von Vorteil war für ihn, dass er sich während seiner langen Zeit als aktiver Fußballer ein großes Netzwerk geschaffen hatte.

Dabei gibt es seit Jahrzehnten zwei Clubs, für die sein Herz schlägt: der FC Remscheid und der FC Schalke 04. Beim FCR auf dem Jahnplatz hat er alle Nachwuchsteams durchlaufen. „Als es dann zu den Senioren ging, wurde es schwierig“, erzählt Althoff. Schwierig deshalb, weil der FCR damals so gut war. „Selbst in der damaligen 2. Mannschaft, die in der Bezirksliga spielte, war eine sehr hohe Qualität.“

Zwar wechselte er dann den Verein und spielte unter anderem in Dhünn und in Bergisch Born. Die Verbundenheit zum FCR ist aber immer geblieben. Und als auf der Vorstandsebene vor einigen Jahren Not am Mann war, wurde er zunächst an der Seite von Bernd Koch zum 2. Vorsitzenden. Nach einer Unterbrechung aus persönlichen Gründen übernahm er dann sogar das Amt des Vorsitzenden. Dass bei einem solchen Posten nicht alles eitel Sonnenschein ist, ist klar. „Aber rückblickend bin ich da mit mir und dem FCR im Reinen.“

Was man auch daran erkennen kann, dass sein neunjähriger Sohn Anton beim FCR in der Jugend spielt. Dies hat der 13-jährige Emil auch gemacht. Doch sein älterer Sohn hat mittlerweile den Handball für sich entdeckt und ist im Nachwuchsbereich der HG Remscheid aktiv.

Aus diesem Grund war ihm auch völlig unverständlich, dass sich im jeweiligen Umfeld des FCR und der HGR Spannungen ergaben, als es um das Engagement des Remscheider Oberbürgermeisters Burkhard Mast-Weisz bei den Fußballern ging. „Es sind allgemein schwierige Zeiten, was die Sponsoren angeht. Da hilft es nichts, wenn man sich gegenseitig beharkt“, sagt Althoff, der selbst als gutes Beispiel vorangeht. Er unterstützt nicht nur den FCR und die HGR, sondern auch den Rollhockey-Bundesligisten IGR Remscheid.

Nicht nur die sportliche Talfahrt sorgt für Frust

Reichlich Frust kommt bei Althoff beim Thema Schalke 04 auf. Beim Bundesligisten ist er seit über 30 Jahren Mitglied, hat eine Dauerkarte für die Veltins-Arena. „Dass es sportlich nicht läuft, hat verschiedene Gründe. Einer ist aber auch, dass die Zuschauer fehlen. Ich bin mir sicher, dass gerade die Leistungen in den Heimspielen vor 60 000 Fans nicht so mies gewesen wären.“

Doch nicht nur die sportliche Talfahrt sorgt für Frust. Als sich Ex-Schalke-Boss Clemens Tönnies zu rassistischen Äußerungen hinreißen ließ, platzte Althoff der Kragen. Nach dem Rücktritt einer Richterin im Ehrenrat der Schalker hat sich Althoff, der durch sein Studium die Befähigung zum Richter hat, seinen Hut in den Ring geworfen. Im Sommer des vergangenen Jahres hat er erfahren, dass er auf der Kandidatenliste steht. Termin für die Jahreshauptversammlung ist der 13. Juni.

Dass beim Gang um die Eschbachtalsperre die Themen nicht ausgingen, dürfte auf der Hand liegen. Nach mehr als 75 Minuten im Schlendergang haben wir den Parkplatz wieder erreicht. Aber der Stoff hätte noch ausgereicht, um eine weitere Runde zu drehen. Vielleicht mal an einem anderen, etwas ruhigeren Ort.

Zur Person

Lars Althoff wurde am 23. Februar 1972 in Solingen geboren. Er hat sein gesamtes Leben aber in Remscheid verbracht.

2018 gratulierte der damalige FCR-Präsident Bernd Koch (r.) seinem Nachfolger Lars Althoff nach dessen Wahl.

Mit Ehefrau Andrea und den Söhnen Emil und Anton lebt er in Lüttringhausen. In Lennep an der Lüttringhauser Straße hat er eine Anwaltskanzlei. Im Jahr 2018 wurde er zum Vorsitzenden des FC Remscheid gewählt. Im März 2020 ist er von seinem Amt zurückgetreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Robin Rambau erlebt einen goldenen Tag
Robin Rambau erlebt einen goldenen Tag
Robin Rambau erlebt einen goldenen Tag
Rollhockey: IGR-Pokalgegner stehen fest
Rollhockey: IGR-Pokalgegner stehen fest
Rollhockey: IGR-Pokalgegner stehen fest
Die Auftaktbilanz lässt sich einordnen
Die Auftaktbilanz lässt sich einordnen
Die Auftaktbilanz lässt sich einordnen
Fußball: Stratemeyer schon bei 18 Toren
Fußball: Stratemeyer schon bei 18 Toren

Kommentare