Interview der Woche

Gülenc und der Fußball – unzertrennlich

In der Trainerrolle geht Ferdi Gülenc voll auf. Der frühere Bezirks- und Kreisligaspieler macht an der Seitenlinie Karriere. Foto: Odette Karbach
+
In der Trainerrolle geht Ferdi Gülenc voll auf. Der frühere Bezirks- und Kreisligaspieler macht an der Seitenlinie Karriere.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
    schließen

Der gebürtige Radevormwalder kämpft als Trainer mit Oberligist Cronenberg um den Klassenerhalt.

Von Fabian Herzog

Herr Gülenc, als Trainer des Cronenberger SC starten Sie am kommenden Wochenende in die Abstiegsrunde der Fußball-Oberliga. Mit welchem Gefühl gehen Sie diesen coronabedingt besonderen Modus an?

Ferdi Gülenc: Das wird ein enges Rennen. Mindestens sechs der zwölf Mannschaften müssen dran glauben, eventuell, je nach Absteigern von oben, sogar sieben. Das ist schon brutal. Aber wir sind als Tabellen-19. nur einen Zähler vom Nichtabstiegsplatz entfernt und nehmen 20 Punkte mit in die Abstiegsrunde.

Wie sind die Erwartungen in Cronenberg und wie waren sie vor Saisonbeginn?

Gülenc: Viele haben aufgrund unseres Budgets und der Infrastruktur vor der Spielzeit gesagt, wir wären der erste Abstiegskandidat. Wir haben aber eine tolle Mannschaft. Sehr, sehr jung, allerdings sehr talentiert. Was uns fehlt, ist die Erfahrung in der Oberliga. Aber die Jungs sind lernwillig, spielen einen mutigen Fußball. Und es gibt im gesamten Verein keinen, der glaubt, dass wir es nicht packen. Trotzdem besteht in so einer engen Konstellation aber die Gefahr. Aber so, wie wir uns gerade entwickeln und Fußball spielen, gehen wir davon aus, dass wir in der Liga bleiben.

2013 und 2018 stieg der CSC zwischenzeitlich in die Landesliga ab.

Gülenc: Dieses Auf und Ab wollen wir mit aller Macht verhindern. Unser Ziel ist es, Cronenberg in der Oberliga zu etablieren und nächstes Jahr nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben. Dafür wollen wir eine Mannschaft entwickeln, die stabil um einen Mittelfeldplatz spielen kann. Darauf arbeiten wir hin.

Sind die Strukturen, die Sie auf den Wuppertaler Südhöhen vorfinden, dafür gegeben?

Gülenc: Wir sind ein familiär geführter Verein, bei dem es anders ist, als bei den Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Wir haben kein Trainerteam von neun Mann oder so. Aber das macht uns auch aus. Wir wissen, wo wir herkommen und wo wir hin wollen. Mir macht das unheimlich viel Spaß, in Cronenberg mit der Sportlichen Leitung um Nico Sonnenschein und Dustin Hähner zu arbeiten.

Wie sind Sie als gebürtiger Radevormwalder und heutiger Wahl-Remscheider, der noch gar nicht über die große Erfahrung als Trainer verfügt, überhaupt in Cronenberg gelandet?

Gülenc: Nach meiner Zeit als aktiver Fußballer fing im Prinzip als Trainer alles beim Hastener TV in der B-Jugend an. Da hatten wir zwei sehr erfolgreiche Jahre, sind in die Bergische Leistungsklasse aufgestiegen. Dann wurde der WSV über Nino Paland irgendwie auf mich aufmerksam, wo ich als Cheftrainer für zwei Jahre die U15 übernommen hatte und in die Jugend-Regionalliga geführt habe. Nach vier Jahren im Nachwuchsbereich hat mich Axel Kilz dann im vergangenen Sommer als Co-Trainer nach Cronenberg geholt. Ihn kenne ich schon sehr, sehr lange, habe in Ronsdorf unter ihm gespielt und hatte beim WSV mit ihm zu tun, wo er die U17 trainiert hat. Ich schätze Axel menschlich wie fachlich sehr und habe viel von ihm gelernt. Als der CSC sich dann Ende Oktober von ihm getrennt hat, habe ich übernommen, was eine sehr mutige Entscheidung des Vereins war. Deswegen ist es für mich schon ein Privileg, eine Oberliga-Mannschaft zu trainieren.

War die Trainerkarriere immer Ihr Ziel?

Gülenc: Definitiv. Ich war als Spieler oft Kapitän oder zumindest Führungsspieler auf dem Platz und habe mich immer schon super viel mit dem Spiel beschäftigt. Da war mir früh klar, dass mir das unheimlich viel Spaß macht und ich nach meiner aktiven Karriere dem Fußball treu bleiben möchte. Deswegen habe ich die Trainer-B-Lizenz schon gemacht, als ich noch Spieler war. Ohne wollte ich nicht als Coach anfangen. Später habe ich dann die Jugend-Elite-Lizenz gemacht und auch die Qualifikation für die A-Lizenz in der Tasche. Die ist mein nächstes Ziel.

Und wie sieht Ihr Karriereplan aus? Was wollen Sie als Trainer erreichen?

Gülenc: Das ist alles natürlich nicht planbar. Aber man merkt jetzt schon, dass es in der Oberliga, der höchsten Amateurklasse im Verband, kein Hobby mehr ist. Da geht so viel Zeit drauf. Das ist schon fast ein Fulltime-Job. Manchmal denke ich, dass ich da mehr beschäftigt bin als in meinem eigentlichen Job (lacht). Aber es macht mir unheimlich viel Spaß, und ich war immer jemand, der versucht, das Maximum herauszuholen. Deswegen probiere ich einfach, mich stetig weiterzuentwickeln, und wäre natürlich nicht abgeneigt, wenn sich irgendwann mal Türen nach oben öffnen würden.

Wie würden Sie sich als Trainer beschreiben?

Gülenc: Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst und bin jemand, der sehr, sehr hart arbeitet. In den letzten Jahren habe ich mich extrem viel mit dem Fußball beschäftigt. Nicht nur mit dem Vermitteln von Taktik und Technik, sondern mit allem, was darüber hinaus geht. Da kommen so viele Kompetenzen zusammen. Generell bin ich total fußballverrückt. Ich weiß beispielsweise gar nicht mehr, wie viele Pay-TV-Accounts ich habe. Bei mir zu Hause in meinem Büro läuft jedenfalls jeden Tag Fußball.

Und was sagt Ihre Frau dazu?

Gülenc: Sie hat mich ja als Fußballverrückten kennengelernt. Okay, vielleicht hat sie gehofft, dass das nach meiner aktiven Zeit weniger wird (lacht). Aber sie hat gemerkt, dass der Fußball und ich unzertrennlich sind. Und zum Glück habe ich eine so tolle Frau, die mich diesbezüglich immer unterstützt.

Zur Person

Ferdi Gülenc wurde am 19. Juni 1982 in Gelsenkirchen geboren und kam mit sechs Jahren nach Radevormwald. Dort wuchs er mit seinen Brüdern Fatih (34), Volkan (36) und Deniz (40) in einer fußballverrückten Familie auf. Vor seiner Trainerkarriere spielte er bei der Spvg. Rade, TSV Ronsdorf, Bayer Wuppertal, BV Gräfrath und Vatanspor Solingen. Mit seiner Ehefrau, einer Tochter (7) und einem Sohn (3) lebt er mittlerweile in Hohenhagen. Der gelernte Elektrotechniker arbeitet seit 2013 als staatlich anerkannter Sachverständiger beim TÜV Rheinland.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Er will dem Verein etwas zurückgeben
Er will dem Verein etwas zurückgeben
Er will dem Verein etwas zurückgeben
Handball: Nachholspiele der Woche
Handball: Nachholspiele der Woche
Sämtliche Rollen sind klar verteilt
Sämtliche Rollen sind klar verteilt
Sämtliche Rollen sind klar verteilt
Mettlers Mission ist beendet
Mettlers Mission ist beendet
Mettlers Mission ist beendet

Kommentare