Segelfliegen

Gemeinsames Fliegen ist noch schöner

Was für ein Erlebnis: Auf dem Segelflugplatz in Oerlinghausen drehten Vater und Sohn zwei unvergessliche Runden. Fotos: Julia Hans
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Was für ein Erlebnis: Auf dem Segelflugplatz in Oerlinghausen drehten Vater und Sohn zwei unvergessliche Runden.
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Hakan Arzu ließ sich von seinem Sohn Sinan im Segelflugzeug durch die Luft kutschieren.

Von Fabian Herzog

Nur fliegen ist schöner, heißt es im Volksmund. Auch für Hakan Arzu galt das quasi schon immer. „Ich bin total flugbegeistert“, sagt der langjährige Trainer in Born und Rade, der aktuell eine Pause einlegt. Vor wenigen Tagen hat der Remscheider die vielzitierte These zumindest für sich aber widerlegt. Er hat etwas gefunden, das noch schöner als das Fliegen an sich ist. Und zwar: vom eigenen Sohn geflogen zu werden.

Zur Erklärung: Sinan Arzu, langjähriger Spieler in Born, macht seit knapp zwei Jahren seine Ausbildung bei der Bundeswehr zum Kampfflugzeugführer. Diese beinhaltet, sozusagen als Grundlage des Fliegens, dass die zukünftigen Piloten den Segelflugschein samt Lizenz zur Personenbeförderung machen. Was normalerweise mehrere Jahre dauert, ziehen die Luftwaffe-Aspiranten innerhalb von fünf Wochen durch. Als Sinan Arzu beides vor kurzem in der Tasche hatte, ließ sich Papa Hakan nicht lange bitten. „Wenn es so eine Möglichkeit gibt. . .“

Gemeinsam machten sich die beiden morgens früh um halb 6 auf den Weg nach Oerlinghausen. Auf dem Flugplatz zwischen Paderborn und Bielefeld, der zu den weltweit größten gehört, bildet die Bundeswehr seit Jahren aus. Für Hakan Arzu ergab sich dort nicht nur die Möglichkeit, zum ersten Mal die dritte Dimension zu erleben, sondern auch das Drumherum. „Ich war dabei, wie das Flugzeug aus dem Hangar auf das Rollfeld gebracht wurde“, schwärmt der 54-Jährige, der alles in sich aufsog. Wie man den Fallschirm benutzt, welche Instrumente wofür genutzt werden, was sonst alles zu beachten ist – „das alleine war schon ein Erlebnis“, findet er.

„Eine Achterbahn ist nichts dagegen.“
Hakan Arzu

Mit der Seilwinde wurden die beiden dann in die Luft gezogen. In zehn Sekunden ging es auf 450 Meter Höhe. Arzu lächelnd: „Eine Achterbahn ist nichts dagegen.“ Bei besten Witterungsbedingungen drehten sie eine erste Runde über den Teutoburger Wald, die wegen fehlender Thermik nur 15 Minuten dauerte. Beim zweiten Versuch eine Stunde später segelten Vater und Sohn Arzu dann schon drei Mal so lang durch die Luft.

Hakan Arzu und Sinan Arzu kurz vor dem Start.

Für Hakan Arzu eine unbeschreibliche Erfahrung, die er einzuschätzen weiß: „So oft werde ich so eine Gelegenheit wohl nicht mehr bekommen.“ Schließlich treibt sein Sohn die im Normalfall acht Jahre dauernde Ausbildung weiter voran und wird dadurch zukünftig andere Kaliber steuern. „In einem Jet werde ich schon aus körperlichen Gründen nicht mitfliegen können“, sagt der 54-Jährige lächelnd, „das halte ich nicht durch.“

Sinan Arzu: Verletzungspech auch bei der Bundeswehr

Für seinen Sohn war der gemeinsame Flug ebenfalls etwas ganz Besonderes. „Das war mega“, sagt Sinan Arzu, den seine Freundin Julia Hans nach Oerlinghausen begleitet hatte. „Für mich war der Segelflugschein schon unglaublich aufregend. Und ich hätte nicht gedacht, dass das Fliegen ohne Motor so viel Spaß machen kann.“

Sein Start in die Ausbildung war dagegen alles andere als spaßig verlaufen. Vier Monate nach dem Eintritt in die Bundeswehr kugelte sich Arzu, der schon als Fußballer des SSV nicht immer vom Glück verfolgt worden war, die Schulter aus und musste operiert werden. Die Folge: Den Offizierslehrgang musste er erst einmal wieder abbrechen und das Jahr im Innendienst überbrücken. Im Sommer 2019 durfte er dann trotzdem den Segelflugschein für die Piloten mit dem dualen Studiengang (Aeronautical Engineering) machen und von Oktober 2019 bis Mai 2020 den nächsten Offizierslehrgang durchlaufen.

In der Zwischenzeit stellte der 27-Jährige einen Antrag, ohne Studium weitermachen zu können. Dieser wurde genehmigt. Arzu: „So kann ich ab August direkt in die fliegerische Ausbildung einsteigen.“ Dazu gehört unter anderem, dass er sich im November erstmals in eine Zentrifuge begeben wird.

Im Mai 2021 geht´s für drei Monate nach Arizona, wo er die erste Lizenz für Motorflugzeuge machen möchte. Später dann wird Sinan Arzu für 15 Monate in den USA leben. „Da sitze ich dann zum ersten Mal in einem Kampfjet“, erzählt der Remscheider und ergänzt: „Ich hoffe, da macht mir Corona keinen Strich durch die Rechnung.“

Begeisterung

Sein erster Segelflug hat Hakan Arzu komplett fasziniert. So sehr, dass er am nächsten Tag sofort Kontakt zum Luftsportverein Radevormwald aufgenommen hat. „Dieses Erlebnis hat mich total angefixt. Jetzt will ich auch den Schein machen“, sagt der Remscheider, der sich so möglicherweise irgendwann bei seinem Sohn revanchieren kann.

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