Persönlich

Als sie geht, regnet es plötzlich Konfetti

So entspannt, wie hier bei einem Kaffeetrinken in Köln, möchte Anja Wessel in Zukunft immer sein. Sie hat mit dem Vorsitz bei Rot-Weiß eine sehr große Verantwortung abgegeben. Foto: aw
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So entspannt, wie hier bei einem Kaffeetrinken in Köln, möchte Anja Wessel in Zukunft immer sein. Sie hat mit dem Vorsitz bei Rot-Weiß eine sehr große Verantwortung abgegeben.
  • Andreas Dach
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Anja Wessel hat ihr Amt als Vorsitzende des SC Rot-Weiß Remscheid nach knapp 20 Jahren abgegeben.

Von Andreas Dach 

Welches Gefühl herrscht gerade vor bei Ihnen, Anja Wessel? Erleichterung, nach fast 20 Jahren ein sehr beanspruchendes Amt abgegeben zu haben? Oder Stolz auf das Geleistete?

Anja Wessel: Gewiss erst einmal Erleichterung. Ich bin froh, dass mit Ralph Schöpp jemand mein Nachfolger ist, der unverbraucht und mutig an das Amt herangeht. Frischer Wind und andere Ideen tun dem Club bestimmt gut. Bei der Jahreshauptversammlung machte sich dann aber auch der Stolz breit. Ich war piepsjung, als ich mit 30 Jahren Vorsitzende geworden bin und eine der ersten Frauen in diesem Bereich. Ja, sich in einer vormaligen Männerdomäne so lange behauptet zu haben, macht mich schon stolz.

Wie muss man sich das Loslassen vorstellen, nachdem Sie in der Vergangenheit als Vorsitzende quasi täglich für den SC Rot-Weiß Remscheid tätig waren?

Wessel: Es ist schon noch ein wenig komisch. Am Freitag bin ich noch einmal auf der Anlage, weil ich noch ein paar Fotos machen muss. Dann werde ich mich aber sicherlich erst mal einige Zeit nicht sehen lassen.

Der Abschied war ergreifend, oder? Die Fotos im Internet sprechen jedenfalls dafür, dass Sie sich einige Tränchen verdrückt haben dürften.

Wessel: Am Anfang ging es noch. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich begonnen habe, mich bei den Mitgliedern zu bedanken. Ein paar Mal ist mir die Stimme weggebrochen. Und als dann noch ein Konfettiregen über mir niederging . . . Ich hatte das Ralph Schöpp gegenüber mal angedeutet, dass ich mir das wünschen würde. Er kann zuhören und merkt sich Dinge. Ich bin sicher, dass er der richtige Nachfolger ist. Zwei rote und zwei weiße Herzen habe ich aufgehoben und mitgenommen. Sie kommen in meine Devotionalien-Box. Schöne Momente im Leben sammelt man, Ja, und zur Ehrenvorsitzenden bin ich auch noch ernannt worden.

Und jetzt geht es erst einmal in den Urlaub?

Wessel: Ein paar formal-juristische Dinge sind noch zu erledigen, dann verbringen mein Mann und ich ein paar Tage auf Fehmarn. Grundsätzlich habe ich aber nicht vor, ganz von Rot-Weiß zu verschwinden. Rein marketingtechnisch werde ich dem Club weiter begleitend zur Seite stehen.

Außer Ihnen hat fast der komplette weitere Vorstand nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung gestanden.

Wessel: Michael Geh, Harry Petereit, Regina Buchem und Birgit Reimann haben ebenfalls nicht wieder kandidiert. Geblieben sind Markus Feldhoff als Jugendwart und Ralf Reimann als Hauswart. Ralph Schöpp ist Vorsitzender, Udo Zirden und Markus Kluft sind stellvertretende Vorsitzende und Pascal Pawlowski ist Sportwart. Wir haben die Gelegenheit genutzt, die Satzung anzupassen und zu modernisieren.

Blicken wir auf fast zwei Jahrzehnte zurück. Welches sind die Momente, welche Sie nie vergessen werden?

Wessel: Da gibt es einige. Großartig war es, als die Herren 40 vor drei Jahren auf eigener Anlage Deutscher Meister geworden sind. Auch der Umbau der Anlage inklusive der Plätze und einer neuen Terrasse im vergangenen Jahr war etwas ganz Besonderes. Und natürlich als mein Mann und ich 2012 von Fred Schulz auf Platz M getraut worden sind. Ohne Rot-Weiß wäre mein Leben anders verlaufen.

Gab es zwischendurch auch Momente, in welchen Sie die Brocken am liebsten hingeschmissen hätten?

Wessel: Die gab es. Meist als Folge einer Summe von Kleinigkeiten, die sich angesammelt hatten. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch.

Was macht den SC Rot-Weiß Remscheid aus ?

Wessel: Der Zusammenhalt untereinander. Er macht ihn liebenswert. Anders wären die ganzen Projekte gar nicht zu stemmen gewesen. Dafür sind wir nicht der größte Feierclub.

Auch wenn die Frage nicht wirklich seriös zu beantworten ist: Wo sehen Sie Rot-Weiß in 20 Jahren?

Wessel: Ich glaube, dass es den Club an unveränderter Stelle geben wird. Gewiss wird man überlegen, wie man sich noch weiterentwickeln kann. Vor allem auch, was die Jugendarbeit angeht. Sie ist die Basis. Medenspiele sollte es auch dann noch geben. Vielleicht wird der Verein auch ein paar andere nicht tennisspezifische Angebote machen.

Persönlich

Anja Wessel wurde am 26. Dezember 1969 in Waltrop geboren. Nach einer langen „Probezeit“ ist sie seit 2012 mit Michael Geh verheiratet. Die in einer Werbeagentur tätige PR-Beraterin war knapp 20 Jahre Vorsitzende des SC Rot-Weiß Remscheid und hat nun nicht mehr für eine eine Wiederwahl kandidiert. Zuvor hatte sie bereits andere Bereiche in dem Tennisverein abgedeckt – von der Pressewartin bis zur Sportwartin.

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