Erinnerung

Gedanken zu seinem 80. Geburtstag

Auch mit nur noch einem Arm beherrschte Manfred Reichert das Tennisspielen beeindruckend gut. Archiv-Foto: Holger Battefeld
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Auch mit nur noch einem Arm beherrschte Manfred Reichert das Tennisspielen beeindruckend gut.
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Das hat den bereits vor elf Jahren verstorbenen Manfred Reichert so besonders gemacht.

Von Andreas Dach

Am 28. Oktober hätte Manfred Reichert seinen 80. Geburtstag gefeiert. Hätte. . . Der Mann, welcher der bergischen Sportszene so viele außergewöhnliche Momente beschert hat, ist bereits im Alter von 69 Jahren nach langem Kampf gegen eine schwere Krankheit gestorben. Vergessen wird ihn niemand, der jemals mit ihm zu tun hatte. Nicht seine Familie, nicht seine Freunde, nicht seine Sportkameraden. Wir haken nach, was diesen Manfred „Manni“ Reichert so besonders gemacht hat.

Reichert galt als Multi-Talent. In welcher Sportart hat er seine größten Erfolge gefeiert?

Am bekanntesten ist der in Königsberg (Ostpreußen) geborene spätere Ehemann, Vater und Großvater durch sein fußballerisches Vermögen geworden. Schon früh auf dem Honsberg, wo er bei der 1. Spvg. Remscheid spielte, ließ sich erahnen, welche Fähigkeiten in ihm stecken. Reichert hatte ein enormes Gespür für die Situation, konnte antizipieren, was im nächsten Moment passieren würde.

Dazu kamen eine edle Technik und großer Ehrgeiz. Das hat ihn sein Leben lang begleitet. Unvergessen bleibt seine Zeit beim Wuppertaler SV. Dort war er ein Offensiv-Verteidiger modernster Prägung, spielte als Rechtsfuß auf der linken Abwehrseite. Mit dem WSV schaffte er es als Kapitän Anfang der 70er-Jahre bis in die Bundesliga, spielte mit Leuten wie Günter Pröpper und Jürgen Kohle zusammen. Es war seine beste Zeit. Und die des WSV, der im ersten Jahr Platz vier im Oberhaus belegte. Insgesamt spielte Reichert elf Jahre für die Rot-Blauen.

Sein Können und Wissen haben noch andere Clubs genutzt.

Reichert hat seine fußballerischen Spuren auch in Remscheid hinterlassen, wo er neben der Spielvereinigung für den VfB Marathon und den BV 08 Lüttringhausen gespielt hat. Zum Teil war er bei den Clubs auch als Trainer beschäftigt.

Beruflich zog es ihn nach Beendigung seiner aktiven Karriere quer durch die Republik. Warum?

Als Betriebsleiter und -sanierer des Automobilzulieferers Delphi (vormals Kabelwerke Reinshagen) war sein Rat gefragt. Weshalb man ihn unter anderem in Pforzheim, Berlin und Neumarkt (Oberpfalz) einsetzte. Seinen Ruhestand verbrachte er mit seiner Ehefrau Barbara in Bad Füssing, ehe er 2005 wieder nach Remscheid zurückkehrte.

Das hatte einen wenig schönen Grund.

Bei Reichert war Knochenkrebs diagnostiziert worden. Linker Arm und linkes Schultergelenk mussten amputiert werden. Später wurden auch beide Nieren entfernt. Wo andere sich verzagt ins Schneckenhaus zurückgezogen hätten, pflegte Reichert weiter seine sportlichen Qualitäten. Er spielte Fußball beim Verein Bergische Sportpresse. Es verging fast kein Mittwochnachmittag, an welchem er nicht in der Sporthalle Heckinghausen in Wuppertal dabeigewesen wäre. Wohlgemerkt: als bester Mann auf dem Spielfeld.

Überragend waren seine Leistungen im Tennis. Schon vor seiner Erkrankung, als er Bayerischer Meister seiner Altersklasse wurde und bei der Senioren-EM Rang drei belegte. Auch mit nur noch einem Arm zeigte er Tennissport auf höchstem Niveau und verstand es, seine Gegner durch sein Laufvermögen, seine Ausdauer und sein Ballgefühl regelrecht in den Wahnsinn zu treiben. Oft trainierte Manni Reichert auf der Anlage des TC Mannesmann, nicht weit von seinem Haus entfernt. Es gilt nachzutragen, dass er auch im Tischtennis nicht zu den angenehmsten Gegenspielern gehörte.

Was war Reichert für ein Mensch?

Er war keiner, der gerne in der Öffentlichkeit stand, sieht man einmal von seinen sportlichen Darbietungen ab. Um sein Herz zu gewinnen, brauchte es Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, harte Arbeit. Solche Menschen mochte er. Mit ihnen umgab er sich gerne. Am liebsten verbrachte er die Zeit mit seiner Familie. Wenn er nicht gerade in Sachen Sport unterwegs war. Den liebte er (auch). Am meisten dann, wenn er gewann. Das passierte häufig. Aber nicht immer. Und wenn nicht? Dann konnte Manni Reichert auch schon einmal knurrig sein und trainierte noch eifriger, um sich bei einem Wiedersehen zu revanchieren. Beim Fußball, beim Tennis und beim Tischtennis. Ein besonderer Mensch, den man auch nicht vergessen haben wird, wenn er mal 100 Jahre alt wird.

Persönlich

Manfred „Manni“ Reichert wurde am 28. Oktober 1940 in Königsberg geboren und ist am 10. April 2010 in Remscheid gestorben. Zwischen den Jahren 1963 und 1974 bestritt er 363 Spiele für den Wuppertaler SV, zum Teil auch in der Bundesliga. Dabei gelangen dem anfangs im Mittelfeld, später auf der linken Abwehrseite eingesetzten Reichert 62 Tore. Als Tennisspieler gehörte (in seiner Altersklasse) ebenfalls zur deutschen Spitze.

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