American Football

Gebeutelter Amboss bekämpft Müdigkeit

Was macht man am besten in schwierigen Zeiten? Noch enger zusammenrücken. Eine Tugend, die auch beim Amboss vonnöten ist. Fotos: Cedric Eltze/CEPD Sports
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Was macht man am besten in schwierigen Zeiten? Noch enger zusammenrücken. Eine Tugend, die auch beim Amboss vonnöten ist.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Analyse: Vor dem Saisonstart der Oberliga-Footballer Ende April läuft es alles andere als rund

Es gab Jahre, da sprühten die Footballer des AFC Remscheid Amboss Mitte April regelrecht vor Vorfreude. Unter anderem hochkarätige Neuzugänge, vor allem aus den Vereinigten Staaten von Amerika, ließen den früheren Regionalliga-Stammgast den Start in die Spielzeit kaum abwarten. Doch vieles hat sich verändert rund um den Amboss.

Die Reinshagener befinden sich noch immer mitten in einem Neuaufbau. Sie wollen erst einmal eine gesunde Basis entwickeln und Identifikation schaffen, um in absehbarer Zeit zu alter Stärke zurückzufinden. Was schwer genug ist, wie die Führungscrew um Christian Müller als Vorsitzenden seit dem Abstieg aus der Regionalliga vor vier Jahren feststellen mussten. Aber woran liegt das? Eine Analyse der aktuellen Situation – und der Baustellen.

Die neue Oberligasaison rückt in großen Schritten näher. Wann und wie geht´s los?

Am 30. April steht direkt das Derby bei den Wuppertal Greyhounds an. Eine Woche später, am 7. Mai, steigt das erste Heimspiel im Stadion Reinshagen gegen die Münster Mammuts. Bis zur Sommerpause folgen die Partien bei den Dortmund Giants (21. Mai), gegen die Aachen Vampires (28. Mai), und bei den Krefeld Ravens (4. Juni). Ursprünglich gehörten auch noch die Siegen Sentinels zu den Gegnern, doch diese haben den Kampf gegen die Folgen der Pandemie verloren und ihre Mannschaft zurückgezogen. Nach den Ferien startet dann die Rückrunde: in Aachen (14. August), in Münster (28. August), gegen Wuppertal (10. September), gegen Dortmund (1. Oktober) und gegen Krefeld (15. Oktober). Die Heimspiele sollen also wieder immer samstags um 15 Uhr stattfinden.

Was ist von den Gegnern zu erwarten?

Krefeld scheint den Durchmarsch anzustreben. Der Aufsteiger hat sich extrem verstärkt, unter anderem mit einem Quartett aus Übersee. Auch die Wuppertal Greyhounds haben mit der Verpflichtung von vier Importspielern ihre ehrgeizigen Ziele unterstrichen. Die anderen drei Mannschaften scheinen sich mit dem Amboss auf einem Level zu bewegen. Für diesen gilt es also, nach Siegen als feststehendem Absteiger ein weiteres Teams hinter sich zu lassen, um die Klasse zu halten. Das ist das erklärte Ziel.

Wie hat sich der Kader der Remscheider verändert? Und wie viele Spieler umfasst er?

Zurück im Amboss-Team: Christoph Henkel.

Die Wechsel von Mike Jesinghaus zu Zweitligist Solingen Paladins und Marvin Schatz zu Erstligist Cologne Crocodiles sowie die weiteren Abgänge Sven Engelmann, Marc Schnabl (beide Karriereende, jetzt Teil des Trainerstabs), Nick Zimmermann (Pause), Justin Bürger (Studium), Patrick Suchy (nach OP) und Amit Geiler (Karriereende) haben Lücken gerissen. Neu dazu gekommen sind Steven Rhanes (zuletzt Wuppertal Greyhounds), Pascal Tillmanns (Neuss Gladiators), Can Ünsal (eigene Jugend), Leon Jäger (Solingen Paladins), David Nigbur (Langenfeld Longhorns), Steffen Marzinkewitsch, Daniel Schmidt (beides Quereinsteiger) und Christoph Henkel (nach Pause). So stehen dem neuen Headcoach Paolo Bizzarri im besten Fall gerade einmal knapp 40 Spieler zur Verfügung – wenn alle, die dem Kader in der Theorie angehören, auch am Start sind. Müller hatte gehofft, noch mehr Neulinge über das im Herbst angebotene Probetraining zu bekommen: „Wir wollen mehr Menschen erreichen, diesen großartigen Sport auszuprobieren.“

Verlief die Vorbereitung wie gewünscht?

Davon kann definitiv keine Rede sein. Erst gab es einige Corona-Durchbrüche, wodurch Spieler inklusive Regenerationszeit fast einen Monat außer Gefecht gesetzt waren. Dann fielen zwei geplante gemeinsame Trainingseinheiten mit anderen Mannschaften aus. Die Schiefbahn Riders mussten wegen positiver Tests absagen, zuletzt verhinderte der Wintereinbruch ein gesamtes Camp-Wochenende inklusive eines sportlichen Messens mit den Mönchengladbach Mavericks.

Blicken wir in die Jugend. Wie ist der Amboss dort aufgestellt?

„Die U13 boomt“, berichtet Christian Müller. „Da bekommen wir Anmeldungen ohne Ende.“ Aber je älter die Jahrgänge, desto dünner wird es. In der U16 ist nur durch die Spielgemeinschaft mit Essen und Bochum – Müller: „Wir hätten auch gerne mit Solingen oder Wuppertal zusammengearbeitet“ – an einen Ligabetrieb zu denken. Die U19 kommt nicht zustande. „Die ist unser Sorgenkind“, klingt der Vorsitzende fast ein wenig verzweifelt. „Wir wollen unbedingt die jungen Kerle zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr erreichen. Aber wo sind all die verrückten Kids?“ Durch die Pandemie seien viele Heranwachsende seiner Meinung nach in einer Komfortzone gerutscht, aus der sie nicht wieder rauszuholen sind. Müller: „Ich kann die Leute ja nicht entführen.“

Mit welchen Problemen hat der Amboss sonst noch zu kämpfen?

Neben dem Spielermangel gibt es andere Baustellen. Stichwort Corona. „Die Pandemie hat gegen uns gearbeitet“, sagt Christian Müller. Die Sponsorensuche sei beispielsweise noch mal schwieriger geworden. Dazu kommen jetzt die steigenden Kosten für Lebensmittel. „Wir überlegen tatsächlich, wie wir bei unserem Heimspielen Pommes anbieten können. Das Öl ist so teuer geworden.“ Alles Gründe, warum durchaus Resignation angesagt sein könnte. Nicht so beim Amboss und seinem Vorsitzenden. „Wir müssen die Situation annehmen“, sagt er, „und dürfen nicht müde werden.“

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet geblieben sind? Oder Dinge, die eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns an. In der aktuellen Analyse beschäftigen wir uns mit den Footballern des AFC Remscheid Amboss, die mit vereinten Mitteln für ihren Sport und gegen diverse Widerstände kämpfen.

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