Im Gespräch

Gall gibt DTV-Vorsitz mit gutem Gefühl ab

Andreas Gall im heimischen Garten: entspannt, in sich ruhend und auch ein Stück weit stolz auf das Geleistete.
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Andreas Gall im heimischen Garten: entspannt, in sich ruhend und auch ein Stück weit stolz auf das Geleistete.
  • Fabian Herzog
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Im Gespräch blickt der 52-Jährige auf fast zwei Jahrzehnte an der Spitze des Vereins zurück.

Von Fabian Herzog

Der Dabringhauser TV ohne Andreas Gall an der Spitze – das war für viele unvorstellbar und ist es wahrscheinlich noch immer. Seit wenigen Tagen sind Sie aber nicht mehr Vorsitzender, haben das Amt nach fast zwei Jahrzehnten abgegeben. Wie kam es dazu, und wie fühlt es sich an?

Andreas Gall: Ich muss sagen, dass ich das irgendwie noch gar nicht richtig realisiert habe. Direkt nach der Wahl bin ich an der Schilddrüse operiert worden, da hatte ich andere Sachen im Kopf. Von daher ist das Gefühl schwer zu beschreiben. Aber wenn du den Entschluss gefasst hast, dann freut man sich auch darauf. Naja, und dazu gekommen ist es, weil ich einfach gedacht habe, dass es nach 17 Jahren mal Zeit für eine Veränderung ist. Irgendwann ist das einfach so weit. Und es ist doch schöner, wenn man die Entscheidung selber trifft. Darüber hatte ich seit 2019 nachgedacht und 2020 dann angekündigt, dass der Verein sich um einen Nachfolger kümmern soll.

Übernommen hat Ihren Posten jetzt Christoph Leyhausen.

Gall: Ich bin froh, ihn als meinen Nachfolger gefunden zu haben. Christoph ist ausgebildeter Vereinsmanager, war Jugendleiter im Fußball und hat sich zum Beispiel sehr in Sachen Corona-Konzept engagiert. Toll ist, dass der bisherige Vorstand mit Michael Kissling, Kai Lawitzke und Lutz Pramor zusammenbleibt. Ihnen helfe ich zwar weiterhin, wo ich kann, offiziell bin ich aber nur noch Mitglied.

Wie sind Sie 2004 überhaupt zum DTV-Vorsitz gekommen?

Gall: Ich war davor politisch in der SPD aktiv und wurde irgendwann vom früheren Vorsitzenden Wolfgang „Utz“ Steuper bei einer Karnevalsveranstaltung gefragt, ob ich nicht etwas im DTV machen möchte. Dann nahm das Unheil seinen Lauf (lacht). Ich war damals sehr froh, mich mit Lothar Weber vom SV 09/35 Wermelskirchen austauschen zu können. Von ihm habe ich viel gelernt, ihm habe ich eine Menge zu verdanken.

Mal plump gefragt: Warum wird man eigentlich 1. Vorsitzender?

Gall: Weil es absolut Spaß gemacht hat. Und das ist ja auch etwas fürs Ego. Entscheidungen treffen zu können. Zu wissen, man kann Dinge vorantreiben. Etwas weiterzuentwickeln. Das ist etwas, was einen auch persönlich befriedigt. Daraus schöpft man die Motivation.

Aber es kostet sicherlich auch eine Menge Zeit.

Gall: Die 17 Jahre waren definitiv sehr zeitintensiv. Ich weiß heute nicht, wie ich das in manchen Phasen geschafft habe. Teilweise war das noch mal mindestens ein Halbtagsjob nebenbei gewesen, wenn du jeden Abend zwei bis vier Stunden noch dranhängst. Dann sitzt du da bis Mitternacht und weißt nicht, wo die Zeit geblieben ist.

In fast zwei Jahrzehnten haben Sie eine Menge bewegt und erlebt. Was waren die emotionalen Momente? Was ist hängengeblieben?

Gall: Es wird niemanden wundern, dass ich die sportlich schönsten Zeiten und Erfolge mit dem Fußball verbinde. Das fängt an mit dem Moment, als Acar Sar als neuer Trainer der 1. Mannschaft vorgestellt wurde und er mich mit den Worten ‘Dich kenne ich. Du hast mir in der D-Jugend mal eine völlig unberechtigte rote Karte gezeigt‘ begrüßte. Die folgenden fünf Jahre mit ihm und dem Fußball-Vorstand um Markus Leonhard, Carsten Jakobs, Guido Brenner, Britta Gall, Reinhard Mrozek und Heiko Cürlis inklusive des Aufstiegs in die Bezirksliga – das war eine extrem tolle Zeit.

Gibt es da besondere Spiele, an die Sie sich gerne zurückerinnern?

Gall: Auf jeden Fall. Zum Beispiel das Kreispokalfinale damals gegen den FC Remscheid im Stadion Reinshagen.

Sie meinen das Jahr 2015, als 600 Zuschauer einen 3:0-Sieg des FCR sahen.

Gall: Genau. Das war der Wahnsinn. Tolles Wetter, riesige Fan-Unterstützung. Unsere Zuschauer konnte man schon von weitem anreisen hören (schmunzelt). Unvergessen bleibt auch die Aufstiegsrelegation zur Fußball-Landesliga damals (im Jahr 2016, 1:2 gegen den TSV Meerbusch II, Anmerkung der Redaktion) oder natürlich die Einweihung des Kunstrasenplatzes im August 2017 gegen den SV 09/35. Das Spiel haben wir zwar mit 1:3 verloren, aber das war egal.

Der Kunstrasen am Höferhof ist ein gutes Stichwort. War der Ihr wichtigstes Projekt in all der Zeit?

Gall: Der Verlust der Gemeinnützigkeit im Jahr 2005 war wohl die größte Herausforderung für unseren Verein und hat die Leistungsfähigkeit des DTV auf eine harte Probe gestellt. Grundsätzlich gab es für mich zwei Ziele, als ich angetreten bin: ein Kunstrasen am Höferhof und die Verlagerung des Vereinsheims vom Asterweg dorthin. Das muss eine Sportstätte werden. Für den Kunstrasen habe ich 13 Jahre lang gearbeitet, unzählige Termine mit fast allen Fraktionen im Rat der Stadt und Stadtverwaltung besucht und über 100 Präsentationen gemacht. Aber das alles hat sich gelohnt.

Ziel Nummer zwei ist aber noch nicht erreicht.

Gall: Für ein Vereinsheim Höferhof musste ich mir überlegen, welche zeitliche Perspektive das hat und ob ich es noch angreife. Das wird aber noch ein paar Jahre dauern und ist bei meinem Nachfolger daher in besseren Händen.

Kommen wir noch mal zurück zum Sportlichen. Nach dem Höhenflug bis fast in die Landesliga gab es einige turbulente Jahre bei den DTV-Fußballern. Wie bewerten Sie die und den aktuellen Zustand?

Gall: Dass wir derzeit drei Senioren-Mannschaften haben, ist super. Die Dritte spielt in der Kreisliga B oben mit, das ist toll. Die Zweite hat trotz der Niederlagen in der Kreisliga A Spaß an der Sache, das muss man ihr hoch anrechnen. Und die 1. Mannschaft, bei der ich zuletzt nicht mehr so involviert war, wird den Klassenerhalt in der Bezirksliga schaffen.

Und was macht ein Andreas Gall nun mit der vielen Zeit, wenn er nicht mehr 1. Vorsitzender ist?

Gall: Ich weiß es noch nicht ganz genau. Ab und zu mal den HSV im Fernsehen gucken. Vielleicht werde ich mich auch in der Lokalpolitik engagieren. Ich finde nämlich, dass Dabringhausen in der Berücksichtigung der Interessen in Wermelskirchen vernachlässigt wird. Auch einen Hund könnte ich mir vorstellen. Meine Schwester möchte mir einen Broholmer andrehen.

Oder ganz entspannt mit einem Bierchen dem DTV zuschauen . . .

Gall: Also Bier trinke ich in der Regel so einen Kasten – pro Jahr. Wenn ich am Platz mal eins mit jemandem getrunken habe, war das für alle eine große Überraschung. Aber dem DTV ganz gelassen zuschauen, das kann ich mir gut vorstellen. Es gibt schließlich keinen Grund, jetzt nicht mehr zum Höferhof zu gehen.

Zur Person

Am 17. Januar 1969 in Leverkusen geboren, wuchs Andreas Gall ab seinem zweiten Lebensjahr in Dabringhausen auf. Von der F-Jugend an spielte er beim DTV Fußball, hörte aber nach der ersten Seniorensaison wegen des anstehenden Informatik-Studiums in Bonn auf. Zehn Jahre war er auch als Schiedsrichter im Fußballkreis Remscheid aktiv, stand als Assistent in Landes- und Verbandsliga an der Linie. Heute lebt Gall noch immer in Dabringhausen und arbeitet als Projektleiter bei der Software-Firma ITyX-Solutions-AG in Köln.

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