Interview

Für Trauerbewältigung bleibt keine Zeit

Dominik Müller hofft auf einen positiven Bescheid seitens des FVN.
+
Dominik Müller hofft auf einen positiven Bescheid seitens des FVN.

Gespräch mit Dominik Müller, Trainer des möglicherweise abgestiegenen VfB Marathon.

Von Andreas Dach

Herr Müller, sind Sie am Sonntag in Velbert gewesen und haben sich die Partie zwischen der Union und dem SC Frintrop angeschaut, nach welcher der VfB jetzt absteigen muss?

Dominik Müller: Der Schmerz sitzt noch zu tief, als dass ich mir das hätte anschauen können. Unser Vorsitzender Bernd Seidler war da und von Spielerseite Fabian Heinrich. Über unsere WhatsApp-Gruppe war ich aber immer auf dem Laufenden. Außerdem wäre es zeitlich auch eng geworden, weil ich von Freitag bis Sonntag mit meinem ältesten Sohn Luis bei einem Sichtungsturnier in Duisburg gewesen bin.

Seit Sonntag, 16.45 Uhr, können Sie für die Kreisliga A planen.

Müller: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Noch muss unser Antrag, die Bezirksliga aufzustocken, vom FVN bearbeitet werden. Wir wissen aber noch nicht, wann genau die Präsidiumssitzung stattfindet und natürlich auch nicht, wie entschieden wird. Grundsätzlich haben Sie aber selbstverständlich recht. Für Trauerbewältigung bleibt keine Zeit, die Kaderplanung läuft.

Gibt es bereits erste Ergebnisse?

Müller: Ein starker und fester Bestandteil der Mannschaft bleibt ligenunabhängig zusammen. 19 Spieler des aktuellen Kaders haben zugesagt, bei drei weiteren besteht noch die Hoffnung. Als Neuerwerbung steht Lucas Elsner von der SG Hackenberg fest, und am Freitag kommen sechs Akteure zum Probetraining. Sollten wir in der kommenden Saison in der Kreisliga A antreten müssen, wollen wir auf keinen Fall um die goldene Ananas spielen. Unser Ziel muss es dann sein, direkt den Wiederaufstieg zu packen. Wir wissen allerdings, dass es mit Teams wie Dhünn, Hilgen, Hackenberg, Struck und anderen starke Konkurrenz geben wird.

Ist denn die Hoffnung auf einen positiven Bescheid seitens des FVN überhaupt realistisch?

Müller: Wir haben es sportlich geschafft, die Liga zu halten und zweimal den direkten Vergleich gegen Union Velbert für uns zu entscheiden. Alle, die jetzt sagen, wir hätten ja nur gegen Rade einen Punkt holen müssen, wissen nicht, wie schwierig es war, die Spannung noch einmal aufzubauen, nachdem wir schon den Klassenerhalt gefeiert hatten. Wir waren sehr stolz, 30 Punkte geholt zu haben. Das war aus meiner Sicht das Maximum dessen, was möglich gewesen ist. Viele hatten uns das nicht zugetraut.

Wie bewerten Sie die Entscheidung des FVN-Sportgerichts, welches die abgebrochene Partie zwischen Velbert und Frintrop neu angesetzt hat?

Müller: Aus Sicht des Schiedsrichters ist das sehr hart. So schützt man das Schiriwesen nicht. Ich selbst bin ja auch Schiedsrichter. Zieht man alleine die grüne Fibel mit dem Regelwerk heran, kann man so entscheiden. Aber doch bitte nicht zu dem Zeitpunkt. Das kann ich nicht wirklich glauben. Der Entscheid pro Velbert hat ja nicht nur Einfluss auf unsere Tabellensituation. Auch die Abstiegsrelegation in Wuppertal ist damit hinfällig geworden.

Und dabei hatten Sie mit Ihrer Mannschaft schon den Klassenerhalt gefeiert.

Müller: Das werde ich nie vergessen. Als montags der Anruf von Velberter Seite kam, war ich noch etwas verkatert. Die Info vom Einspruch gegen das erste Urteil des Bezirkssportgerichts war dann so etwas wie ein Schlag in die Magengrube.

Sind das Momente, in welchem ein Verein noch enger zusammenrücken sollte?

Müller: Es macht den VfB Marathon aus, dass genau das geschehen ist. Dass 19 Akteure des Kaders der Spielzeit 2021/2022 bleiben, spricht eine deutliche Sprache.

Gibt es eigentlich auch selbstkritische Gedanken?

Müller: Selbstverständlich. Wir sind in der Hin- und in der Rückserie zu spät in die Gänge gekommen. Das hatte auch etwas mit der Vorbereitung zu tun und muss dringend verändert werden. Egal, in welcher Liga wir antreten werden. Und dass man gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf, wie Bayer Wuppertal und den SC 08 Rade, in einer Saison jeweils zweimal verliert – das darf auch nicht passieren. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Trotzdem hatten wir es aus sportlicher Sicht geschafft. Das war ein geiles Gefühl.

Die Vorbereitung beginnt in diesen Tagen. Ein paar Tage Urlaub sollten bei Ihnen aber noch anstehen?

Müller: Mitte Juli geht es mit der Familie für zwei Wochen nach Mallorca. Das brauche ich auch und weiß die Mannschaft dann bei Patrick Koschella in guten Händen. Fußball ist immer noch ein Hobby, welches Spaß machen soll.

Zur Person

Dominik Müller wurde am 15. Dezember 1990 in Remscheid geboren. Mit Ehefrau Sabine hat er zwei Söhne. Luis (11) und Noah (4) spielen in der D-Jugend beziehungsweise bei den Bambini des VfB Fußball. Müller arbeitet als Erzieher in der Ev. Jugendhilfe Bergisch Land im Waldhof in Reinshagen. Als Fußballer war er von Kindesbeinen an für die 1. Spvg. Remscheid am Ball, inzwischen ist er Spielertrainer beim VfB Marathon.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

DM findet 2020 in Remscheid statt
DM findet 2020 in Remscheid statt
DM findet 2020 in Remscheid statt
Bei der IGR ist einiges in Bewegung
Bei der IGR ist einiges in Bewegung
Bei der IGR ist einiges in Bewegung
Wo die Liebe hinfällt – von ganz in Weiß bis zur Traufe
Wo die Liebe hinfällt – von ganz in Weiß bis zur Traufe
Wo die Liebe hinfällt – von ganz in Weiß bis zur Traufe

Kommentare