Handball

Für einige Legenden wird´s schmerzhaft

Die lebenden Legenden des Wermelskirchener TV und die aktuelle Mannschaft von heute – nach dem Spiel versammelten sich alle zum Erinnerungsfoto.
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Die lebenden Legenden des Wermelskirchener TV und die aktuelle Mannschaft von heute – nach dem Spiel versammelten sich alle zum Erinnerungsfoto.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Mit einem großartigen Handballtag macht der Wermelskirchener TV Werbung in eigener Sache

Das nächste Wiedersehen wird in der WhatsApp-Gruppe bereits eifrig diskutiert. Vielleicht am Meer? Oder in den Bergen? Die lebenden Legenden des Wermelskirchener TV, die am Samstagabend in der Schwanen-Halle viele begeisterte Zuschauer mit ihrem immer noch vorhandenen sportlichen Potenzial verzückt haben, wollen unbedingt schon bald wieder Zeit miteinander verbringen. Nur eins werden sie so schnell nicht mehr tun: Handball spielen.

Die Taktiktafel von Frank Lorenzet.

Und das hat gute Gründe. So erinnerungsträchtig, zum Teil auch herzergreifend die 60 Minuten am Schwanen waren, in denen das Ergebnis beim 22:25 (9:9) gegen die aktuelle 1. Mannschaft des WTV völlig nebensächlich war, so bitter ist in Einzelfällen auch der Nachgeschmack. Mehrere Spieler zogen sich Verletzungen, meist muskulärer Art, zu. Richtig übel erwischt hat es Frank Blewonska. Der Linksaußen zog sich bereits nach einer Minute ohne jegliche Fremdeinwirkung einen Achillessehnenriss zu. „Das war ein Gefühl, als hätte mir da jemand reingetreten“, sagte der 47-Jährige zerknirscht. „Dabei war überhaupt niemand in der Nähe.“

„Es hat sich viel verändert in Wermelskirchen!“

Jerry Holsan, Legendenspieler

Im weiteren Verlauf gesellten sich unter anderem auch Ingo Gros und Jerry Holsan mit auf die Verletztenliste bei dem Team, das Ende der 90er-Jahre für einen Handball-Boom in Wermelskirchen gesorgt hatte. Einziger Makel an einem perfekten Abend, den niemand vergessen wird. Da waren so viele schöne Momente, welche die Mühen der Initiatoren um Anne Ueberholz, Frank Steinhaus und Frank Lorenzet doppelt und dreifach belohnten. Wie die beiden ersten verwandelten Siebenmeter von Jerry Holsan zur 2:0-Führung, welche die Halle beben ließen. Der Halblinke war bereits am Donnerstag mit seiner Ehefrau Radka aus seiner tschechischen Heimat angereist, hatte mit ihr Unterschlupf bei seinem früheren Mannschaftskameraden Marc Ross und dessen Familie in Wuppertal gefunden. Den Freitag nutzte er zu einem Stadtbummel in Wermelskirchen: „Es hat sich viel verändert.“

Der an der Achillessehne behandelte Frank Blewonska.

Oder da waren die charmanten Interviews von Hallensprecher Gerd Plasberg. Er holte sich fast jede „Legende“ ans Mikro, sorgte für beste Unterhaltung. Plasberg lebt mittlerweile in Köln: „Mit Blick auf den Dom.“ Auch der einstige Teammanager Dietmar Lienen war hautnah dabei, genoss es, mit den Jungs von früher zusammenzusein. Dabei geht es ihm gesundheitlich nicht so gut, ein operativer Eingriff am Herzen musste gerade verschoben werden. Das Wiedersehen mit der Mannschaft könnte seine Immunkräfte gestärkt haben. Mit Gros war sogar ein Spieler bei ihm untergebracht. Der Linkshänder lobte den Gastgeber: „Das war für mich all inklusive.“

Die Aufstellungen.

Sehr stark war der Auftritt der beiden Außen. Lukas Schumacher („Mir fehlt leider die Zeit“) und Shahrokh Rezaloo („Das war für mich wie ein Nach-Hause-Kommen“) gelangen zum Teil exzellente Treffer. Wie überhaupt immer wieder tolle Szenen zu beklatschen waren, zu denen auch der heutige WTV mit einem engagierten Spiel beitrug.

Die Frauenteams von Wermelskirchener TV und Bergischer HC.

Ein weiterer Höhepunkt: nach 23 Minuten wechselte sich Trainer Frank Lorenzet selbst ein. Ein Treffer war ihm auf Linksaußen aber nicht vergönnt. Trotzdem gab es reichlich Beifall für ihn. Wie auch für Michael Hahn, der von Gerd Plasberg als „Kultwischer“ gefeiert wurde.

Buss fragt er einmal nach den Zigaretten

Ach, ja, und dann war da noch Jens Buss am Kreis. Er zerrte an seinen Gegenspielern herum wie in besten Zeiten. Und was fragte er beim Gang zu seiner Sporttasche während der Halbzeitpause: „Wo sind nur meine Zigaretten?“ Ein tiefer Zug vor der Halle – dann ging es weiter. Buss halt. Wie er leibt und lebt.

Ein launiges Gespräch von Hallensprecher Gerd Plasberg mit Jerry Holsan.

Der Abend klang tief in der Nacht in der Gaststätte Centrale aus, wohin sich auch noch Spieler anderer Vereine gesellt hatten. Eine große bergische Handball-Familie von gestern und heute – vereint! Ein sehr, sehr starker Abschluss.

Gut zu wissen

Über das abendliche Legendenspiel hinaus bot der Handballtag des Wermelskirchener TV noch einige Höhepunkte mehr. Der Mittag und der Nachmittag gehörten der Jugend, die auf spielerische Weise an den Sport herangeführt wurde. Besonders groß ist die Freude bei der E-Jugend – sie gewann ein Training mit einem BHC-Profi. Die WTV-Frauen schlugen sich beim 18:27 (12:11) gegen den klassenhöheren BHC sehr gut. Vor allem in der ersten Hälfte trumpfte das mit Spielerinnen der 2. Mannschaft ergänzte Team auf. Danach zog der Oberligist das Tempo an und gewann noch standesgemäß.

Einwurf

andreas.dach@rga.de

Kommentar von Andreas Dach

Danke! Fünf Buchstaben, mit denen alles gesagt ist. Danke für eine bemerkenswerte Initiative, lieber Wermelskirchener TV! Noch einmal wird es ein Wiedersehen dieser Art und Weise nicht geben. Mit dem Zusammentrommeln der Legendenmannschaft habt ihr vielen Handballfreunden eine riesige Freude gemacht. Dafür brauchte es, gerade wegen der Coronasituation, Hartnäckigkeit und viel Durchhaltevermögen. Andere hätten aufgegeben, nachdem der erste Versuch im vergangenen Jahr pandemiebedingt gescheitert war. Nicht so das Organisationsteam, das ein weiteres Mal anpackte und mit Blick auf die Zuschauerzahlen, den Getränke- und Würstchenverkauf ein zufriedenes Fazit ziehen wird. Auch und gerade vom Wachhalten solcher Erinnerungen an vergangene Zeiten lebt der Sport. Damit berührt man die Herzen vieler. Und das ist mehr als die halbe Miete bei einem solch großen Ereignis. Den Rest besorgte ein ausgewogenes Programm drumherum, bei welchem man sehr bewusst den Fokus auf den eigenen Nachwuchs gelegt hat. Neue Legenden sollen heranwachsen und gefördert werden. Die von 1998 aber bleiben einmalig. Das steht fest.

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