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Ein Friseurbesuch hat Folgen fürs Leben

Horst Mettler ist 71 Jahre alt. Die Remscheider Talsperre hat er nun erstmals umrundet. Fotos (2): Andreas Dach
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Horst Mettler ist 71 Jahre alt. Die Remscheider Talsperre hat er nun erstmals umrundet. Fotos (2): Andreas Dach
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An der frischen Luft . . . mit Horst „Mecki“ Mettler – Handball-Abteilungsleiter des ATV hält Ausschau nach Nachfolger.

Von Andreas Dach

Die Frage brennt uns unter den Nägeln, seitdem wir ihn kennen. Und das sind Jahrzehnte. Gestellt haben wir sie nie. Da ist ein gemeinsamer Gang mit Horst Mettler um die Remscheider Talsperre doch die ideale Gelegenheit, Verpasstes nachzuholen. Warum also trägt er den Spitznamen Mecki? Fast niemand nennt den Handball-Abteilungsleiter des ATV Hückeswagen Horst.

Abschlussfoto auf der Sperrmauer: Andreas Dach und Mecki Mettler.

Der 71-Jährige lacht. Wie er überhaupt auf der rund drei Kilometer langen Strecke viel lacht und sich bester Stimmung präsentiert. „Den Namen habe ich schon seit meiner Kindheit weg“, sagt er. Er muss acht Jahre gewesen sein, als wieder mal ein Friseurbesuch anstand. Der kleine Horst durfte dort alleine hingehen, der Papa zahlte später. In einem „Dorf wie Hückeswagen kennt jeder jeden“, sagt Mettler. Also formulierte er gegenüber dem Coiffeur seinen Wunschschnitt: raspelkurz. „Das hatte ich kurz vorher bei einem Klassenkameraden gesehen und fand das gut“, weiß er noch. Dass die Mutter bei seiner Rückkehr nach Hause fast in Ohnmacht fiel, soll nicht unerwähnt bleiben. Jedenfalls hatte er den Spitznamen „Mecki“ weg. Der hat sich gehalten. Bis heute. Obwohl er die Haare längst wieder in einer modischen Länge trägt.

„Rumschleimen – das ist nicht mein Ding!“

Horst Mettler, ATV- Urgestein

Ja, dieser Horst „Mecki“ Mettler ist noch ein richtiger Typ. Einer, der so spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Immer geradeheraus ist. „Rumschleimen“, sagt er, „das ist nicht mein Ding.“ Nicht jeder kann damit umgehen, der gebürtige Hückeswagener ist sich indes treu geblieben. Bezogen auf das Private, das Berufliche, das Sportliche.

Ein einfaches Kind war der auf dem Höchsten in Hückeswagen aufgewachsene „Mecki“ nicht. Er ließ sich nicht gerne etwas sagen. Wenn es sein musste, ging er über Tische und Bänke. Auch in der Schule: „Das hatte damit zu tun, wie ich mit den Lehrern zurechtgekommen bin.“ Auf der Realschule kam er nicht klar, kehrte zurück auf die Volksschule und machte seinen Abschluss. Und danach? Guter Rat war teuer. Der Vater brachte ihn bei der Firma Klingelnberg unter, wo er zum Dreher ausgebildet werden sollte. Nach einem Vierteljahr schmiss Horst Mettler hin: „Das war nichts für mich.“ Er sollte Maler und Anstreicher werden, machte seine dreijährige Ausbildung bei Hans Breidenbach: „Das hat mir Spaß gemacht. Da war ich unter Menschen.“

Er gönnte sich nach seiner Lehre gemeinsam mit einem Kumpel ein halbes Jahr in Amsterdam, „wo ich gejobbt habe“. Dann folgte der eigentliche Ernst des beruflichen Lebens. Vor 35 Jahren machte sich Mettler selbstständig, vor 15 Jahren machte er noch seinen Meister. Inzwischen ist er Rentner, hat seine Firma an einen ehemaligen Gesellen verkauft.

Die Hälfte der Talsperre ist umrundet. Es ist ein grauer Tag, der Weg ist matschig. Trotzdem sind viele Menschen unterwegs. Einer bleibt stehen, zeigt auf Mettler, sagt: „Du bist doch der Horst vom ATV.“ Dieter Wagenknecht hat im Jugendalter dort Handball gespielt, wurde später Fußballer, schwingt jetzt das Tennisracket. Man kennt ihn, diesen Horst Mettler. Nicht nur wegen der grünen Jacke in Signalfarbe, die er gerade trägt.

„Einmal“, erinnert er sich, „bin ich auf Norderney von einer Frau mit Hut und dicker Sonnenbrille namentlich angesprochen worden.“ Kennen wir uns vom Handball, habe er gefragt. Die Antwort lautete: „Ich bin Deine Nichte.“ Dinge gibt es . . .

Mettler ist in zweiter Ehe verheiratet. Mit seiner ersten Frau Ingrid, vor vier Jahren verstorben, hat er die Söhne Björn und Sebastian und ist dreifacher Großvater. Seit fünf Jahren ist er mit seiner zweiten Frau verheiratet – mit Klaudia. Zusammen sind die zwei schon deutlich länger. Beide Partnerinnen hätten ihm immer den Rücken freigehalten beziehungsweise – im Falle von Klaudia – würden es noch tun. Nur so habe er seinen vielfältigen Aufgaben gerecht werden können.

Vor allem denen beim ATV Hückeswagen. Er hatte als Turner und Leichtathlet beim TBH begonnen, war dann von Werner Klose, mit dem er gemeinsam die Lehre machte, für den Handballsport begeistert worden. „Ich war die blindeste Nuss“, weiß er noch über die Anfänge. „Aber ich hatte Spaß.“ Inzwischen ist er rund 60 Jahre Mitglied, hat beim Club seines Herzens alles erlebt. Als Spieler im Feld und im Tor, als Trainer von Jugend- und Auswahlmannschaften, als Coach der 1. Mannschaft, als Jugendwart und – mittlerweile seit 25 Jahren – als Abteilungsleiter. „Ich sage seit zehn Jahren, dass in zwei Jahren Schluss ist“, stellt er heraus. Ein Nachfolger, der für eine mittel- bis langfristige Zeit in seiner Fußstapfen treten wird, hat sich noch nicht gefunden.

Doch es wird Zeit für den Marathon-Mann. Was doppeldeutig gemeint ist. Bis vor zehn Jahren ist er Marathon gelaufen, unter anderem in Köln. Und seine Tätigkeit beim ATV gleicht auch einem Marathon. Da wird es langsam Zeit, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Sich noch mehr auf die Hobbys zu besinnen. Da sind die Musicals, für welche Horst Mettler mit seiner Klaudia quer durch Deutschland tourt: „Es gibt fast keins, welches wir noch nicht gesehen haben.“ Dann ist da das Skifahren, welches er liebt. In jedem Jahr geht es mit Freunden nach Corvara in den Dolomiten – in eine Unterkunft, die auf einer Höhe von 2200 Metern liegt. „Es ist traumhaft dort“, sagt er.

2015: Horst und Klaudia Mettler bei der Hochzeit auf hoher See.

Ende Mai bekommt er ein neues Kniegelenk, dann ist erst einmal Sportpause. Doch Horst Mettler ist ein Stehaufmännchen. Mit guten Genen versehen. Irgendwie hat er sich immer etwas Jugendliches bewahrt. Beinahe wie in „Mecki“-Zeiten.

Die Talsperre ist umrundet. Wofür man gemütlichen Schrittes normalerweise eine gute halbe Stunde braucht, sind diesmal 75 Minuten vonnöten gewesen. Wer mit Horst Mettler unterwegs ist, sollte Zeit mitbringen.

Ach ja, da wäre noch die Geschichte seiner zweiten Hochzeit. Sie fand auf hoher See statt. Seiner Klaudia gab er auf den Weltmeeren das Ja-Wort – auf der „Mein Schiff“ irgendwo auf dem Weg in den Oman. Nur die Freunde und der engste Familienkreis waren eingeweiht. „Mecki“ kann auch schweigen.

Ganz privat

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wenn Horst Mettler das in Bezug auf seine Söhne Björn und Sebastian sagt, klingt stolz aus seiner Stimme heraus. Auch der Torhüter und der Sportliche Leiter des ATV gelten beim Sport als explosiv (manche sagen auch: positiv bekloppt), sind hingegen auf privater Ebene deutlich entspannter. Mettlers Enkel Moritz Mettler spielt ebenfalls für die Hückeswagener.

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