Rehasportgruppe

Fast nichts ist mehr, wie es war, aber . . .

Hoch die Hände: Am Ende gab es für den Besucher der RGA-Sportredaktion eine La Ola.
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Hoch die Hände: Am Ende gab es für den Besucher der RGA-Sportredaktion eine La Ola.
  • Andreas Dach
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Tennishalle ist die perfekte Ausweichstätte für Rehasportgruppen des RSV.

Von Andreas Dach (Text und Fotos)

Normalerweise werden hier Aufschläge serviert, fliegt der kleine Filzball von links nach rechts. Und umgekehrt. An diesem Montag ist in der Tennishalle des Remscheider SV alles anders. Eine Rehasportgruppe des Großvereins zweckentfremdet die Räumlichkeiten sehr bewusst.

Es ist 10 Uhr, Susanne Beckmann begrüßt die Seniorensportler, die zwischen Mitte 60 und Mitte 80 sind. „Heute ist der RGA-Lokalsport zu Gast“, informiert sie die 13 Teilnehmer des Kurses. „Wir haben die Redaktion heute zu uns eingeladen.“ Zustimmendes Kopfnicken macht die Runde. Inklusive der Aufforderung: „Dann soll er aber auch mitmachen.“ Macht er trotz der charmanten Aufforderung nicht . . .

Die Corona-Pandemie hat auch die Verantwortlichen des Remscheider SV in Sachen Kreativität erheblich herausgefordert. Fast nichts ist mehr so, wie es mal war. Normalerweise würden die Kursteilnehmer den Anweisungen der erfahrenen Übungsleiterin im gewohnten Gymnastikraum lauschen. Stattdessen ist man – wie andere Übungsgruppen auch – in die Tennishalle ausgewichen.

So wird es gemacht: Jochen und Helga Bach sind begeisterte Teilnehmer des Rehasport-Kurses beim Remscheider SV.

Dort hat man viel Platz, kann die entsprechenden Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen perfekt umsetzen. Auf dem Boden sind schwarze Aufkleber angebracht worden. Wer sich an einen solchen Punkt begibt, hat beim Ausführen der Übung sicheren Abstand zu seinem Nachbarn.

Es läuft leise Musik. Oldies für Oldies. Da wird manch ein Song wiedererkannt. Zeit, um in musikalischen Erinnerungen zu schwelgen, bleibt aber nicht. Der Kurs beginnt, Susanne Beckmann gibt die Kommandos. Mit einem kleinen Aufwärmprogramm sollen die Teilnehmer auf später folgende, anspruchsvollere Übungen vorbereitet werden.

„Stellt euch auf die Zehenspitzen“, sagt sie. „Das ist gut für das Gleichgewicht und für die Kräftigung der Fußgelenke.“ Klingt leichter, als es ist. Vor allem dann, wenn man weiß, dass die Kursteilnehmer nicht ohne Grund am Fürberg sind.

Dem einen zwickt es im Rücken, hinter anderen liegt eine OP an Schulter oder Knie. Der Rehasport ist jedem Einzelnen von seinem behandelnden Arzt verschrieben worden, wird über die Krankenkassen abgerechnet.

Alle sind eifrig dabei, wenn auch mit ein wenig differierendem Leistungsniveau. „Gebt alles“, fordert Susanne Beckmann. „Morgen könnt ihr bestimmt keine Treppen mehr rauf- und runterlaufen.“ Na, wenn das nicht verlockend klingt . . .

Man spürt: Die Frau weiß, was sie tut. Susanne Beckmann ist die Idealbesetzung für diesen Kurs. Und für viele weitere mehr, für welche sie verantwortlich ist. Sie geht auf jeden ein, schafft bei allen trotz fließender Schweißperlen eine Wohlfühlatmosphäre. Was nicht bedeutet, dass sie nur Kuschelkurs kann. Die Tür fliegt auf, ein Nachzügler kommt eilig herein. „Rolf, du bist zu spät!“ Der Übungsleiterin entgeht nichts.

Strahlefrau: Susanne Beckmann ist die gute Seele.

Was einen anderen Teilnehmer zum spontanen Reimen animiert: „Die Schleiferin vom RSV, Susanne Beckmann heißt die Frau.“ Jochen Bach möchte seine Worte unbedingt als Scherz gewertet wissen. Der Schreiner, der mit seiner Frau Helga schon lange an den Kursen teilnimmt, ist ein Fan von Susanne Beckmann: „Sie hat eine hohe Kompetenz und kümmert sich um jeden Einzelnen.“

In seinem Beruf habe sein Rücken über die Jahre sehr gelitten. Seitdem er sich nach Absprache mit seinem Arzt für den Rehasport entschieden habe, spüre er deutliche Verbesserung und fühle sich sehr frisch.

Positive Rückmeldungen bekommt Susanne Beckmann häufiger zu hören. Gleichwohl: Im Mittelpunkt steht sie nicht gerne. Sie möchte, dass es den Rehasportlern durch regelmäßiges Training besser geht. Und sie im Idealfall angesichts des Wohlfühlfaktors auch später irgendwann dem RSV beitreten. Sie betreut mehr als 100 Sportler, bietet zudem auch Wanderungen an. Und Fahrten zu Weihnachtsmärkten. Solche Menschen braucht jeder Verein.

Die Dreiviertelstunde am Fürberg ist schnell rum. Das Virus sorgt dafür, dass zurzeit alles ein wenig enger getaktet ist beim RSV. Eingang ist nicht gleich Ausgang. Es soll auf dem Weg nach draußen keinen Gegenverkehr geben. Alle klemmen sich ihre Iso-Matten unter dem Arm. Tschüss, bis nächsten Montag.

Ellenbogen an Ellenbogen nehmen sie Abschied

Nieves Clemente nimmt persönlich Abschied von Susanne Beckmann. Mit Ellenbogen zu Ellenbogen. „Ich bin die einzige Spanierin hier im Kurs“, sagt sie lächelnd. Soweit man das hinter ihrer Gesichtsmaske erkennen kann. „Man fühlt sich in der Gemeinschaft wohl.“

Schnell noch ein Foto zum Schluss? „Na, klar“, sagt sie fröhlich. Dann strebt sie dem Ausgang entgegen. So sehen glückliche Kursteilnehmer aus.

Remscheider SV

Der RSV hat in den vergangenen Wochen die Sanierungsmaßnahmen auf dem vereinseigenen Gelände nach vorne getrieben. Im Eingangsbereich (vor dem Gymnastikraum und dem Büro) sind ebenso neue Fenster eingesetzt worden, wie vor dem Ruheraum neben der Sauna. Derzeit werden der Duschraum und die Umkleide für die Frauen modernisiert. Gesamtkosten: 55 000 Euro. Der Vorsitzende Hartmut Bau: „Im kommenden Jahr soll das Dach komplett erneuert werden. Wir holen derzeit Angebote ein.“

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