Radsport

Jana Kalbertodt fährt in der deutschen Spitze mit

So war es im vergangenen Jahr beim 24-Stunden-Rennen in Radevormwald: Jana Kalbertodt fuhr als Siegerin über die Ziellinie. 

Altes Eisen? Jana Kalbertodt kann immer noch mit den Jungen mithalten. 2018 hat sie viel vor.

Von Christian Werth

Sie könnte hierzulande gut und gerne auch als Waldpatin eingesetzt werden. Langstrecken-Mountainbikerin Jana Kalbertodt kennt im Umkreis von 50 Kilometern nahezu jeden Wanderweg und weiß wie keine andere, wenn irgendwo ein Baum umgestürzt oder ein Weg verändert worden ist. Schließlich kommt die Reinshagenerin im Jahr auf 11000 Radkilometer, davon 8000 mit dem Mountainbike, durch die heimischen Wälder.

Sie sammelte Pokale und Medaillen wie andere Briefmarken: Jana Kalbertodt ist seit Jahren erfolgreich unterwegs. 

„Straßennamen sagen mir nichts. Aber wenn ich ein Bild von einem Wanderweg sähe, könnte ich es wahrscheinlich zuordnen“, sagt Jana Kalbertodt schmunzelnd, als sie auf einen möglichen Nebenjob als Forstbeobachterin angesprochen wird. „Der Röntgenweg ist leider sehr verbaut worden. Bei Rund um Schwelm stört mich das Industriegebiet. Besonders schön sind Klingenpfad, Rund um Wuppertal und das Oberbergische“, hat die Waldfahrerin wie aus der Pistole geschossen zu allen Strecken eine Einschätzung parat.

Besonders gerne sei sie jedoch auch im Ruhrgebiet unterwegs, das deutlich schönere Gebiete vorzuweisen habe als es sein Ruf vermuten lässt, findet die Liebhaberin möglichst schwerer Trailpassagen. Doch die 48-Jährige ist nicht nur viel unterwegs, sondern auch außerordentlich erfolgreich. In ihrer Lieblingsdisziplin, dem 24-Stunden-Mountainbiken, hat sie im Vorjahr trotz zwischenzeitlicher Gicht-Erkrankung alle ihrer drei Rennen für sich entschieden.

„Rade ist immer ein Highlight, weil man viele Leute kennt!“
Jana Kalbertodt, Mountainbikerin

Auf ihren souveränen Solosieg in Radevormwald folgte mit dem Mixederfolg in Duisburg der zweite Heimsieg. Kalbertodt stammt aus dem Ruhrgebiet und kennt daher auch auf der Duisburger Strecke jeden Stein. Dort hat sie mit 560 Kilometern zudem ihre Bestleistung aufgestellt. Darüber hinaus triumphierte sie 2017 zusammen mit Arbeitskollegin Sandra Klunte am Osnabrücker Alfsee und holte sich damit die inoffizielle Deutsche Duo-Meisterschaft.

„Rade ist natürlich immer ein Highlight, weil man hier besonders viele Sportler kennt. Allerdings war es 2017 außergewöhnlich schwer“, spricht die Remscheiderin die stürmisch-regnerischen Bedingungen der Nacht an. So war die Langstrecken-Queen diesmal nicht komplett durchgefahren, obwohl „das eigentlich immer das Ziel“ sei. Schön sei es in Rade, dass man hier Achterteams zulasse und so auch Neueinsteigern einen Start ermögliche, findet Kalbertodt. So staunen auch gestandene Kurzmountainbiker immer wieder, über welche Distanz die gebürtige Oberhausenerin ihr Tempo durchhält. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt ihr Trainingspensum. So stehen am Wochenende regelmäßig Ausfahrten zwischen fünf und sieben Stunden auf dem Programm. Zum reinen Radfahren kommt ein umfangreiches Fitnessprogramm, zu dem vor allem das Boxen zählt. „Das ist ganz wichtig für den Oberkörper. Denn auch die Arme spielen eine große Rolle“, erklärt Kalbertodt, die nach wie vor zur deutschen Spitze zählt.

Um auch mit 48 Jahren noch die nötige Spritzigkeit und Oberschenkelkraft zu haben und mit jüngeren Kontrahentinnen mithalten zu können, vertraut die Mountainbikerin auf Singlespeed-Bergsprints, bei denen mit nur einem einzigen Gang gefahren wird. „Damit bin ich sogar schon mal bei der DM angetreten und Zweite geworden“, verblüfft sie.

Die Szene ist wie eine eingeschworene Familie

Überhaupt probiert die 48-Jährige zur Trainingsoptimierung immer wieder Neues aus und zeichnet sich dabei durch ihren Ideenreichtum aus. So zum Beispiel auch, um einst ihrem Ex-Mann eine Trainingsmitfahrt zu ermöglichen, indem kurzerhand ein Tandem angeschafft wurde. Auch wenn die Ultra-Frau meistens alleine unterwegs ist, verabredet sie sich regelmäßig mit Mountainbikern aus ganz NRW zu Trainingsausfahrten: „Unsere Szene ist wie eine eingeschworene Familie. Daraus sind viele Freundschaften entstanden.“

ERFOLGE UND SAISONPLANUNG

JANA KALBERTODT Die Radsportlerin war bereits zweimal Deutsche Solo-Meisterin über 24 Stunden, was 2014 und 2015 gelang. Auch in dieser Saison will die ehrgeizige Reinshagenerin unter Beweis stellen, dass sie längst noch nicht zum alten Eisen gehört und erneut ganz vorne mitmischen. „Eventuell bei der WM“, liebäugelt sie sogar mit einem Start bei der diesjährigen 24-Stunden-Weltmeisterschaft in Schottland. International war WM-Bronze 2013 ihr bislang größter Erfolg, wobei sie, in Führung liegend, schwer gestürzt war und sich trotz gebrochenen Ellenbogens noch als Dritte ins Ziel kämpfte. Mit der viertägigen Beskidy-Trophy in Polen will sie 2018 zudem bei einem Mehrtagesrennen an den Start gehen.

So hat sie sich auch den Adlern Lüttringhausen angeschlossen, auch wenn die Meisten aus ihrer Sicht hier „Sprinter“ sind. In der Vergangenheit war Kalbertodt als Taekwondoka und Volleyball-Oberligaspielerin aktiv, ehe sie 1988 zum Mountainbiken kam. Doch geht die Powerfrau nicht nur aus sportlicher Sicht außergewöhnliche Wege. So ist die Filialleiterin bei Radsport Nagel in Lüttringhausen eigentlich studierte Architektin und wechselte dann als Quereinsteigerin in die Unternehmensführung.

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