Rückblick

Exakt vor 30 Jahren: Traumtore krönten die Traumsaison

Mit einer Doppelseite berichteten Andreas Dach, Thomas Velten, Wolfgang Röhrig (alle Text), Holger Battefeld und Frank Jockel (beide Fotos) vom FCR-Triumph. Fotos: RGA-Archiv
+
Mit einer Doppelseite berichteten Andreas Dach, Thomas Velten, Wolfgang Röhrig (alle Text), Holger Battefeld und Frank Jockel (beide Fotos) vom FCR-Triumph.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
    schließen

Der Weg des FC Remscheid im Jahr 1991 zurück in die 2. Fußball-Bundesliga – 14. und letzter Teil der Serie

Von Fabian Herzog

Von Platz eins war der FCR nicht mehr zu verdrängen.

Am 9. Juni 1991, also an diesem Mittwoch exakt vor 30 Jahren, war es geschafft. Als Schiedsrichter Neuner um 17 Minuten vor 17 Uhr abpfiff, kannte der Jubel im Lenneper Röntgen-Stadion keine Grenzen mehr. Der FC Remscheid machte durch einen 2:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga perfekt und krönte eine außergewöhnliche Saison.

Es war (vorerst) das letzte Mal, dass der FCR den Sprung in die Zweitklassigkeit schaffte. Für uns Grund genug, diese besondere Zeit noch einmal aufleben zu lassen und in einer Serie mit den Original-Spielberichten an all die damaligen Emotionen und die tolle Mannschaft rund um Trainer Detlef Pirsig zu erinnern. Oder, um es anders zu sagen: Ach, was war das schön.

FCR – VfL Wolfsburg 2:0 (0:0) „Remscheid im Aufstiegstaumel“, geschrieben von Andreas Dach.

Welch ein Tag für Fußball-Remscheid! Ganz Lennep war ein Fahnenmeer in Blau und Weiß, als Schiedsrichter Manfred Neuner gestern um 16.43 Uhr eine denkwürdige Partie abpfiff. Nach dem hochverdienten 2:0 (0:0)-Erfolg über den VfL Wolfsburg kehrt der FC Remscheid in die 2. Fußball-Bundesliga zurück, steht bereits zwei Spieltage vor dem Ende als Aufsteiger fest.

Auf dem Rasen spielten sich unbeschreibliche Szenen der Freude ab. Jeder umarmte jeden, einer aber wurde ganz besonders herzlich gedrückt: Carsten Pröpper. Der 23jährige krönte seine riesige Saison mit zwei herrlichen Treffern in der 48. und 85. Minute. Erst wuchtete er einen Eckball von Martin Tilner, den Peter Gemein noch verlängert hatte, aus kurzer Distanz in den Winkel, dann ließ er Keeper Hossbach nach einer Flanke von Jo Schmidt mit einem herrlichen Drehschuß an den Innenpfosten keine Chance. Traumtore zum Schluß einer traumhaften Serie.

Wie der FCR die Volkswagenstädter auch im 25. Spiel innerhalb von knapp 90 Tagen noch beherrschte, war schon beeindruckend. Nicht schön, nicht unbedingt attraktiv - aber mit ungeheuerer Effektivität und Souveränität. Zdenko Kosanovic verurteilte seinen gefürchteten Gegenspieler Frank Plagge zur Bedeutungslosigkeit. Damit war der Grundstein zum Erfolg gelegt.

Daran änderten auch nichts die Wolfsburger Versuche, die Gastgeber mit gnadenloser Härte zum Straucheln zu bringen. Pröpper, Tilner und Griehsbach mußten besonders viel einstecken, zahlten später mit gleicher Münze zurück. Vielleicht kam der VfL deshalb nur zu drei Möglichkeiten (Plagge und Fiebich), während Remscheid schon in der 8. Minute vor der Führung stand. Kosanovics Freistoß klatschte aber nur an die Latte.

Trainerstimme Detlef Pirsig, geschrieben von Wolfgang Röhrig

„Zu dem Spiel ist nicht viel zu sagen. Wir wollten keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern nur aufsteigen. Heute bestimmte die Taktik die Begegnung. Keiner wollte verlieren. Unter welchen Umständen der FCR in diesem Jahr erst Meister, dann Zweitligist wurde, ist bewundernswert. An dieser Stelle möchte ich betonen, daß der Erfolg nur möglich war, weil Mannschaft, Trainer, Vorstand und Beirat im Laufe des Jahres zusammengewachsen sind.“

Randgeschichte 1: „Krönung für Kröning“, geschrieben von Thomas Velten

Belohnung für Carsten Pröpper! Für den Held des Tages begann die Arbeit erst nach dem Abpfiff. Für die Fans gab es kein Halten mehr. Ihr Ziel: Natürlich „Pröppi“, der in den anrasenden Massen ertrank. Vielleicht ein Hindernis, aber lange noch kein Grund für seine Freundin, lange auf ihren Helden zu warten. Vor laufenden Fernsehkameras stürzte sie Carsten um den Hals und ließ ihn für Sekunden den Trubel vergessen.

Keine Grenzen kannte die Freude auch bei André Kröning. „Seit sechs Jahren habe ich darauf hingearbeitet, jetzt ist es endlich geschafft. So richtig kann ich es noch nicht realisieren.“ Vier Jahre hatte er sich im Trikot von Viktoria Köln vergeblich um den Aufstieg bemüht. In seinem zweiten Jahr in Remscheid ist er endlich am (vorläufigen) Ziel seiner Wünsche. Zwei Minuten vor dem Abpfiff hatte er unter dem Jubel der 10 000 Zuschauer für Thomas Grabienski Platz gemacht. Er setzte sich erst gar nicht auf die Bank, sondern fieberte am Spielfeldrand dem Abpfiff entgegen: „Dürfen wir die Trikots in die Fans werfen?“ „Lass’ mal André“, wurde jedoch von der Bank sein Jubeldrang ein wenig gedämpft.

Randgeschichte 2: „Kockenberg quoll über“, geschrieben von Thomas Velten

Der „Kockenberg“ platzte aus allen Nähten! Verschwitzt drängte sich FCR-Stürmer Peter Gemein aus der Eingangstür: „Ist das eine stickige Luft, ich muß mal wieder richtig durchatmen!“ „Nie mehr Oberliga“, schallte es derweil aus dem Saal heraus auf die Straße. Die Fans rollten dabei eine blau-weiße Fahne über ihren Köpfen aus. Eigentlich sollten sich diese Szenen an der Theke vor dem Eingang abspielen, doch die erste Regenschauer machte dieses Vorhaben zunichte. Je enger, desto gemütlicher, dachten sich die Fans. So drängten rund 300 nach innen, stillten ihren Bierdurst. „Das ist alles spontan. Aber spontane Feiern sind meistens besser als geplante“, erklärte ein überglücklicher Bernd Koch. Ausgelassene Stimmung auch eine Etage höher bei den Spielern, die sich zunächst ihr verdientes Abendessen genehmigten. Dann endlich wurde in die Gesänge miteingestimmt.

Randgeschichte 3: „Lautern als Dopingmittel“, geschrieben von Thomas Velten

Was hat der 1. FC Kaiserslautern mit dem FC Remscheid zu tun? Als letzter Spieler kam der sympathische FCR-Kapitän Zdenko Kosanovic in die Kabine. Umringt von der blau-weißen Fangemeinde stand er geduldig allen Fragen Rede und Antwort, hörte selbst den jüngsten Anhängern aufmerksam zu. Für ihn war es die Kür nach den schweren 90 Minuten.

Daß die Pflicht so bravourös gemeistert wurde, auch dafür hatte er eine einfache Erklärung; „Eine Riesenbedeutung hatte für uns die Lauterer Niederlage.“ Den letzten Schub für diese konzentrierte Leistung holte sich das Team am Samstagabend vor dem Fernseher: „Natürlich haben alle die Sportschau und das Aktuelle Sportstudio gesehen. Vor dem Spiel haben wir dann darüber diskutiert.“ Die Droge FCK also als Doping für die Remscheider Spieler, denn danach war es allen klar: „So etwas passiert uns auf keinen Fall.“

Statistik

FC Remscheid: 1 Stocki; 2 Griehsbach, 3 Freitag, 4 Kosanovic, S Jakubauskas, 6 Bridaitis, 7 Kessen, 8 Pröpper, 9 Gemein (ab 68.14 Schmidt), 10 Kröning (ab 86. 13 Grabienski), 11 Tilner.

Schiedsrichter: Neuner (Leimen).

Zuschauer: 9 000.

Tore: 1:0 (48.) Pröpper; 2.0 (84.) Pröpper.

Zeitstrafe: Wilhelm.

Gelbe Karten: Kessen, Jakubauskas - Rossa, Pahl.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Das steht in der Handball-Landesliga an.
Das steht in der Handball-Landesliga an.
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Fußball: Pokaltermine stehen fest
Fußball: Pokaltermine stehen fest

Kommentare