Mountainbike

Ex-Handballer bezwingt die Alpen

Jens Wienert überquerte die Alpen in sieben Etappen und erreichte glücklich das Ziel in Riva del Garda.
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Jens Wienert überquerte die Alpen in sieben Etappen und erreichte glücklich das Ziel in Riva del Garda.

Der Mountainbiker Jens Wienert nimmt erfolgreich an der Bike Transalp 2022 teil.

Von Heike Karsten

Sie gilt als das härteste Mountainbike-Etappenrennen über die Alpen – die Bike Transalp. Hunderte Aktive haben sich dem Abenteuer der Alpenüberquerung Anfang Juli gestellt, das mehr als 566 Kilometer und insgesamt 18 400 Höhenmeter körperliche Höchstleistung erfordert. Der frühere Hückeswagener Handballer Jens Wienert – bis zu seiner Hochzeit hieß er Burghof – hat sich dieser Herausforderung gestellt und das Ziel im italienischen Riva del Garda erreicht.

„Ich wollte schon immer mal an diesem Rennen teilnehmen und würde es wieder tun“, sagt der 44-Jährige wenige Wochen nach der Zieleinfahrt. Das Radfahren durch die Berge, das Panorama entlang der Dolomiten und das Gefühl, mit fast 600 radbegeisterten Mitstreitern aus 40 Nationen zusammen auf der Strecke zu sein, sei unbeschreiblich schön. „Ich bin schon zweimal privat mit Freunden über die Alpen gefahren, aber die TransAlp mit Renncharakter ist noch mal etwas anderes“, sagt der Hückeswagener.

Jens Wienert vor atemberaubender Kulisse.

Seit Februar hatte er sich auf die Teilnahme intensiv vorbereitet und ist abends nach der Arbeit drei- bis viermal pro Woche aufs Rad gestiegen. Bei schlechtem Wetter ging es zu Hause auf die Radrolle, die gekoppelt mit dem Programm „Zwift“ echte Berge und intensive Intervalleinheiten simulieren kann. „Da musste man schon den inneren Schweinehund überwinden, anstatt sich abends auf die Couch zu legen“, gesteht Wienert.

Am 3. Juli war dann der große Tag gekommen. Der 44-jährige Mountainbiker stand für seinen Verein (ATV Trailrider) bei der 24. Bike Transalp am Start. Die erste Etappe führte bei 29 Grad von Lienz (Osttirol) nach Sillian über 65 Kilometer und mehr als 3000 Höhenmeter. Die zweite Etappe von Sillian bis Bruneck (72 km, 2500 HM) brachte dann die heftigste Wetterkapriole der Woche mit sich. Regen und Gewitter zogen auf. „Bei Gewitter soll man ja bekanntlich nicht auf den Berg oberhalb der Baumgrenze gehen“, berichtet Wienert und schmunzelt. Der Abbruch der Bergetappe kam für ihn jedoch zu spät. Die technisch anspruchsvolle Abfahrt auf den aufgeweichten Wegen sei dann auch entsprechend schwierig gewesen. „Ich bin aber verletzungsfrei durch das gesamte Rennen gekommen“, fügt der Radsportler hinzu.

Die dritte Etappe von Bruneck nach St. Vigil war die kürzeste des gesamten Rennens (38 km/1918 HM), bevor es auf der vierten Etappe (110 km/ 3100 HM) nach Kaltern an der Weinstraße ging. Nach nur 15 Kilometern verunglückte ein vorausfahrender Teilnehmer so schwer, dass Jens Wienert das Rettungsteam rufen musste und eine Stunde bei dem Verletzten blieb, bis der Rettungshubschrauber eintraf. „Das ganze Feld ist in der Zeit an mir vorbeigezogen“, erinnert er sich. Er fuhr die Etappe dennoch zu Ende und erreichte nach sechs Stunden und 21 Minuten das Ziel.

Am liebsten würde ich beim Jubiläum wieder mitfahren!

Jens Wienert, Mountainbiker

Die fünfte Etappe von Kaltern nach San Martino di Castrozza startete in den Weinbergen und führte die Straße herunter bis zum Kalterer See. Die nächsten 70 Kilometer waren, bis auf eine kurze Abfahrt, ein einziger Anstieg mit netto 2000 Höhenmetern ins Hochgebirge. „Das war schon sehr anstrengend und zermürbend“, sagt Jens Wienert rückblickend. Belohnt wurden die Fahrer mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Dolomiten und einer flotten Abfahrt nach San Martino.

Am sechsten Tag stand die Königsetappe nach Lavarone auf dem Programm (117 km/ 3100 HM). Um 8 Uhr ging es bei kalten zwölf Grad los. Die Strecke beinhaltete auch vier Schiebepassagen. „Die Abschnitte sind so steil, dass Fahren nicht mehr möglich ist. Die Fahrer tragen oder schieben ihre Räder und laufen dabei wie die Lemminge hintereinander her“, schildert Wienert. Die anschließenden Abfahrten entschädigten aber für diese Anstrengung.

Die siebte und letzte Etappe führte den Hückeswagener von Lavarone nach Riva del Garda (79 km/2100 Hm), wo die Fahrer im Ziel mit viel Beifall empfangen wurden. Zunächst führte die Route über die Hochebene Folgaria, entlang der ehemaligen Front des Ersten Weltkrieges. Nachdem der Gipfel des Dosso del Sommo erklommen war, folgte eine lange Abfahrt. Geröll und scharfkantige Steine ließen das Dichtmittel aus dem Hinterreifen von Wienerts Mountainbike spritzen. Der Defekt war mit dem schnellen Einziehen eines neuen Schlauches behoben.

In der Gesamtwertung belegte er den 19. Platz von insgesamt 79 Startern in seiner Altersklasse – der Single-Masters-Men-Wertung. Ehefrau Jessica Wienert war mitgereist und erwies sich als „die beste Supporterin“. „Sie hat mich an der Strecke angefeuert und sich um den Transport des Gepäcks und um die Hotels gekümmert“, ist Jens Wienert dankbar für die Unterstützung bei der Verwirklichung seines Traums.

Ein weiteres unvergessliches Erlebnis am Rande des Rennens war das zufällige Treffen mit MTB-Legende Karl Platt beim Frühstück im Hotel. „Wir haben uns kurz unterhalten und auch ein Foto gemacht“, berichtet der 44-Jährige. Sieben Mal hat der Ex-Profi das Etappenrennen über die Alpen schon gewonnen.

Nach ein paar entspannten Urlaubstagen in Italien ging es für das Paar wieder zurück nach Hause und zu den beiden Kindern. Die Erfahrung möchte der Hückeswagener nicht missen. „Am liebsten würde ich beim Jubiläum im kommenden Jahr wieder mitfahren. „Da steht aber ein Familienurlaub an“, sagt er.

Gut zu wissen

Jens Wienert hat seine Etappen-Erfahrungen auf dem Instagram-Account seines Vereins „ATV Trailrider MTB“ geteilt. Gerne wäre er beim Jubiläum der Veranstaltung (25. Auflage) im kommenden Jahr zwischen dem 9. und 15. Juli 2023 wieder dabei. Infos gibt es im Internet: bike-transalp.de.

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