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Er führte ein Trio zu Olympischen Spielen

Liebt die Sonne: Jürgen Schmitz genoss den Spaziergang um die Talsperre sehr. Er bedauerte, „bestimmt 25 Jahre nicht mehr hier gewesen“ zu sein. Foto: Andreas Dach
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Liebt die Sonne: Jürgen Schmitz genoss den Spaziergang um die Talsperre sehr. Er bedauerte, „bestimmt 25 Jahre nicht mehr hier gewesen“ zu sein.
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An der frischen Luft mit Jürgen Schmitz – Der erfolgreiche Schwimmtrainer erinnert sich an die Zeit bei der SG.

Letztmalig gesehen haben wir uns im Jahr 2012. Das war in Dormagen, wo Jürgen Schmitz seinen Remscheider Schützling Christoph Fildebrandt auf die Olympischen Spiele vorbereitete. Verdammt lang her. Insofern stellt sich schon die Frage: Wie hat sich mein Gesprächspartner innerhalb von knapp neun Jahren verändert? Optisch und auch, was seine Ansichten über den Schwimmsport angeht. Die Antwort vorweg: Wenig bis gar nicht!

Seine Haare sind ein wenig dünner geworden. Wahrscheinlich auch ein etwas grauer. Aber das steht dem Mann zu, der die SG Remscheid als Cheftrainer über ein Vierteljahrhundert von Erfolg zu Erfolg gebracht hat. Jürgen Schmitz wird im Mai 67 Jahre alt und ist topfit. So wie man ihn kennt. Schlank, kein Gramm zu viel auf den Rippen und mit einer dezenten Bräune im Gesicht. Schmitz eben. Jürgen Schmitz.

Die ersten Meter sind von Annäherungsfloskeln geprägt. Wie geht es? Gut! Und selbst? Mir auch! Es ist ein herrlicher Tag an der Remscheider Talsperre. Die Sonne scheint, die Menschen sind fröhlich, das Wasser glitzert verlockend. Schmitz und Wasser – das ist eine Kombination, die bis heute greift. Auch wenn der Mann aus Dabringhausen nicht mehr täglich in der Schwimmhalle steht und die Athleten besser macht. Er hat sich nicht ganz, aber doch ein ganzes Stück aus der ersten Reihe zurückgezogen. Seit zwei Jahren unterstützt er den SV Langenfeld beratend, ist dreimal pro Woche vor Ort und gibt sein Wissen weiter. „Es ist ein netter Verein mit netten Menschen“, sagt er. „Aber bei Wettkämpfen bin ich nicht mehr dabei.“

Schmitz lebt sein Leben. Ohne Druck, ohne Stress. Stattdessen mit dem Blick auf sich selbst. Auf die Gesundheit. Er möchte, dass es ihm gut geht. „Ich habe ein sehr interessantes, aufregendes und abwechslungsreiches Leben geführt“, sagt Jürgen Schmitz. Er hätte es gar nicht extra herauszustellen brauchen. Ein Blick auf seine Vita reicht. Da ist seine Scheidung, die rund 20 Jahre zurückliegt: „Schade, dass die Ehe nicht gehalten hat.“ Da ist sein Beruf als selbstständiger Fotograf. Nach seinem Studium an der Werkkunstschule Köln (Fotografie und Grafikdesign) hat der Wermelskirchener für große Firmen gearbeitet. „Soll ich mal ein paar nennen?“, fragt er. Aber gerne. OBI, Klingelnberg, Bayer, Tente Rollen – sie alle profitierten von seinem guten Auge, von seinen Werbeideen. „Ich bin ein visueller Mensch“, bestätigt er. „Ich lebe in Bildern.“

In dem Teil seines Hauses mit insgesamt 300 Quadratmetern Fläche, wo früher Kameras, Stative und sonstige zugehörige Utensilien dominierten, hat er sich mittlerweile einen kleinen Fitnessbereich eingerichtet. Motto: Von nichts kommt nichts. Er fühlt sich pudelwohl in seinem Loft, auch wenn er zugibt: „Es ist schon arg groß für einen alleine.“ Er ist solo, hat nicht wieder geheiratet.

Hatten sich eine Menge zu erzählen: Andreas Dach (RGA, l.) und Jürgen Schmitz.

Auf unserem Weg um die Talsperre werden wir mehrfach von Daniel Schmidt und Egemen Altinova überrundet. Die beiden Remscheider Spitzenläufer machen Tempo, verlangen sich viel ab. Was Schmitz begeistert: „Ich bin früher auch sehr viel gelaufen.“ Oft nach dem Schwimmtraining, wenn er sich mehrmals pro Woche anderthalb Stunden gegönnt hat. „Das war wie ein Ventil“, schildert er. „Da konnte ich loslassen.“ Seine Tätigkeit als Fotograf, seine Verantwortung für viele junge Sportler – da kam das Laufen genau richtig. „Ich bin zehnmal den Marathon gelaufen“, berichtet der 66-Jährige. „Meine beste Zeit war eine 2:38 Stunden in Essen!“

Schmitz zieht sein Handy aus der Tasche, will etwas zeigen. Dabei fällt ein Zettel mit handschriftlichen Notizen herunter. Hoppala, Stichworte für die gemeinsame Talsperrenrunde? „Nein, nein!“ Der Dabringhausener winkt ab. „Ich muss gleich noch ein paar Einkäufe tätigen und habe mir aufgeschrieben, was ich brauche.“ Ganz schön menschlich, dieser Mensch namens Schmitz.

Das soll es dann für den Tag sein. Er will sich Ruhe gönnen. „Aber morgen“, sagt er, „steige ich aufs Rad.“ Ein weiteres großes Hobby. Er macht 10 000 Kilometer pro Jahr, begeistert sich am Oberbergischen: „Ich entdecke immer wieder neue herrliche Fleckchen.“ Vor zwei Jahren hat Jürgen Schmitz auf Mallorca an der Radsport-Challenge teilgenommen. Über 172 Kilometer. Er untertreibt charmant: „Ich bin nicht Letzter geworden.“ In Wirklichkeit ist er in seiner Altersklasse unter den Top 10 gelandet.

Im Jahr 2012 bereitete Jürgen Schmitz seinen Schützling Christoph Fildebrandt in Dormagen auf die Olympischen Spiele vor.

Kommen wir zum Schwimmen. Zu seiner großen Leidenschaft. Kaum zu glauben, dass er sich „Autodidakt“ nennt. „Ich habe mir fast alles selbst beigebracht“, sagt er. Erst spät, in Dormagener Zeiten (2007 bis Ende 2016), hat er den Trainerschein gemacht. Alles begann beim Lenneper Schwimmverein. Dort nahm seine Karriere Fahrt auf. Weil es Menschen gab, die ihn bei seinem Tun den Rücken stärkten. Eine Person, die es ihm besonders angetan hat, ist Christel Wahlen. Schmitz nennt die langjährige LSV-Trainerin und -Funktionärin einen „guten Menschen“ und eine „große Persönlichkeit.“ Es hat sich eine Freundschaft entwickelt, die bis heute hält.

„Es hat viele tolle Leute bei der SG gegeben!“

Jürgen Schmitz, früherer Schwimmtrainer der SG Remscheid

Schön, dass es so etwas in Zeiten gibt, die rauer zu werden scheinen. Wo Vertrauen und Verlässlichkeit zählen. Für Schmitz der Boden, auf dem er aufbauen konnte. „Es hat viele tolle Leute bei der SG gegeben“, erinnert er sich. Und nennt exemplarisch auch den Namen von Dieter Haibach. Dazu kamen Trainerkolleginnen und -kollegen, rührige Eltern und hochmotivierte Athleten. 1986 gründete man die SG Remscheid und feierte im Laufe der Jahre unfassbare Erfolge. Beispiele gefällig? 17 DM-Titel mit elf deutschen Rekorden, zehn Titel bei Jugend-Europameisterschaften mit vier JEM-Rekorden. Wahnsinn. Drei Athleten schafften es zu Olympischen Spielen: Stephanie Ortwig, Simone Osygus und Christoph Fildebrandt. Noch einmal: Wahnsinn!

Jürgen Schmitz beim Radtraining auf Lanzarote.

„Du musst die Jugendlichen abholen, musst sie einfangen“, nennt Schmitz sein Erfolgsrezept. Viele, viele SG-Aktive vertrauten ihm über die Jahre, sorgten neben den oben Genannten für grandiose Leistungen. Man denke nur an Thomas Müller, Oliver Lihl, Tordis Kuhn, Daniela Siskovic, Anke Biewald, Desirée Mahle oder Nils Rötgers. Und das sind längst nicht alle, die in die nationale und zum Teil auch internationale Spitze schwammen. Mit anderen, wie Henning Buchholz, Jan-Christoph Gasse, Sven Wocke und Sven Weber tauscht sich Jürgen Schmitz regelmäßig in einer eigenen WhatsApp-Gruppe aus.

Er wirkt zufrieden, dieser prägende Mensch des Remscheider Schwimmsports. Mit sich im Reinen. Nur eins fehlt ihm: das Reisen. Schmitz trainiert im Winter auf Lanzarote regelmäßig Triathleten, hält sich meist zwei Monate dort auf den Kanaren auf. „Leider sorgt die Pandemie für einen Stillstand“, bedauert er. Was auch für seinen Job als Rad-Guide dort gilt. Er liebt Lanzarote: „Die Insel hat etwas Außerirdisches.“

Anders als der Parkplatz an der Talsperre, zu dem wir zurückkehren. „Hier haben wir uns immer getroffen, wenn wir zum Trainingslager nach Südfrankreich aufgebrochen sind“, erinnert er sich. Und mit Blick auf das Autobahnhotel sagt er: „Dort ist Michael Groß 1986 mit der Offenbacher Mannschaft abgestiegen, als die DM in Remscheid stattgefunden hat.“

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Seit Mitte November 2020 spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin um die Eschbach-Talsperre in Remscheid. Bislang mit: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Baus, Horst Mettler, Yannick Peinke/Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke, Tiberius Jeck, Lothar Steinhauer und nun Jürgen Schmitz.

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