Besondere Herausforderung

Remscheider meistert 100-Kilometer-Mammutmarsch

Bei der 100 Kilometer langen Extrem-Wanderung ging´s für Emde (l.) und Co. teilweise durch Wiesen und Wälder.
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Bei der 100 Kilometer langen Extrem-Wanderung ging´s für Emde (l.) und Co. teilweise durch Wiesen und Wälder.
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Alexander Emde zog sich mit der Geburt seiner Kinder aus dem Sport zurück. Jetzt testete er beim „Endgegner“ des Mamutmarsches in NRW wieder seine Grenzen.

Von Fabian Herzog

Für besondere Herausforderungen war er immer schon zu haben. Als talentierter Schwimmer hat Alexander Emde vor einigen Jahren zweimal die Ironman-Distanz im Triathlon gemeistert, ist auch schon mehrfach einen Marathon gelaufen und 2018 beim Röntgenlauf die Ultradistanz. Anschließend, mit der Geburt seines ersten von mittlerweile zwei Kindern, wurde die sportliche Aktivität des gebürtigen Remscheiders, der mit seiner Familie in Wuppertal-Ronsdorf lebt, etwas zurückgefahren und die Herausforderungen anderer Natur. Vor wenigen Tagen aber testete Emde seine Grenzen auch noch einmal sportlich aus, wagte sich im Rahmen der Mammutmarsch-Serie an eine 100 Kilometer lange Extrem-Wanderung und wurde nicht enttäuscht. „Das war heftig“, sagt der 35-Jährige, dessen zwei Jahre älterer Bruder Heiko vielen als Fußballer bekannt ist.

Mammutmarsch mit Start in Wuppertal gilt als „Endgegner“

Motivierende Worte gab´s für Alexander Emde beim Mammutmarsch quer durch Nordrhein-Westfalen in unterschiedlichster Form.

Im Internet war Alexander Emde auf die bundesweite Serie von Veranstaltungen gestoßen. „Als ich gesehen habe, dass es eine gibt, die in Wuppertal startet, habe ich mich direkt angemeldet.“ Was er zu diesem Zeitpunkt aber nicht wusste: Der Mammutmarsch NRW ist wegen seiner Topographie und rund 2000 Höhenmetern berüchtigt, gilt in der Szene gar als „Endgegner“. Vom Bahnhof in Wichlinghausen führt der Rundkurs über die Nordbahntrasse entlang der Gevelsberger Köpfe über Hagen nach Herdecke, weiter vorbei an Ruhr und Kemnader See nach Velbert und zurück nach Wuppertal.

Den Wettkampfcharakter anderer Ausdauerevents sucht man dabei vergeblich, ein Sieger wird auch nicht gekürt. Das Ankommen steht über allem, was in diesem Jahr knapp die Hälfte aller Teilnehmer geschafft haben. „Es ist ja nur wandern“, hatte sich Emde im Vorfeld gedacht und so auch einen Freund sowie vier Arbeitskollegen beim Abbruch-Unternehmen Hagedorn in Gütersloh, wo er als Prokurist und Leiter der Projektentwicklung tätig ist, zum Mitmachen bewegt. Eine Einschätzung, die sich schnell als relativ naiv erweisen sollte.

Mammutmarsch: Ab Kilometer 65 wurde es ein Kampf

Samstags um 14 Uhr ging´s los. Bei besten bergischen Bedingungen: Es regnete wie aus Kübeln. Nach zehn Kilometern wurde die Strecke immer anspruchsvoller, nach weiteren zehn machten sich in seinem Team erste muskuläre Probleme breit. „Ich habe mich irgendwann von den anderen getrennt. Bei so etwas muss man sein eigenes Tempo gehen“, sagt der Remscheider, der sich in den Monaten vor dem Start „ab und an“ durch 25 Kilometer lange Wanderungen vorbereitet hatte. Im Gegensatz zu seinen Mitstreitern, die spätestens zur Halbzeit aufgeben mussten. „Als sie nur noch krabbeln und kriechen konnten“, wie es Emde beschreibt.

Er hatte spätestens ab Kilometer 65 arg zu kämpfen und war wenig später nah dran an der Aufgabe. „Bei Kilometer 70, gegen 5 Uhr am Morgen, kurz bevor es hell wurde, sind mir die Beine weggeknickt. Plötzlich lag ich da und wusste nicht, wie ich wieder hochkommen sollte.“ Sollte es das gewesen sein? Emde wusste, dass er weitere sieben Stunden würde wandern müssen, was in diesem Moment unvorstellbar erschien. Zwei Dinge halfen ihm aber wieder auf die Beine: Eine aufmunternde Nachricht seiner Ehefrau Nina und eine vorbeikommende Gruppe von drei Jungs, die ihn noch einmal motivierten weiterzumachen.

Emde beendet Mammutmarsch nach fast 23 Stunden

Kilometer für Kilometer, Viertelstunde für Viertelstunde kämpfte sich der 35-Jährige zurück in seinen Rhythmus. Bei Kilometer 80 ging die Sonne auf und sorgte für einen letzten Energieschub. Danach wurde es immer härter. „Mir ging es nicht gut“, berichtet Alexander Emde. „Mir wurden Grenzen aufgezeigt, die ich noch gar nicht kannte.“ Irgendwie erreichte er trotzdem das Ziel. Nach 22 Stunden und 45 Minuten erblickte er seinen Bruder Heiko, seine Mutter, seine Frau und die beiden Kinder Greta (4) und Maximilian (1), die ihn in Empfang nahmen. Da war seine Welt wieder in Ordnung.

Aber warum diese Strapazen, die er selbst als „Kampf gegen sich selbst“ beschreibt? „An so einen mentalen Sieg werde ich mich mein Leben lang erinnern.“ Also einmal und nie wieder? Emde: „Im Ziel habe ich so gedacht. Meine Arbeitskollegen haben aber schon gesagt, dass sie es nächstes Jahr noch einmal probieren möchten und ich mitkommen muss. Und was soll ich sagen? Ausschließen kann ich das tatsächlich nicht.“

Jamaika

Apropos besondere Ausdauerevents: Kurz vor der Geburt ihrer Tochter Greta haben sich Alexander Emde und seine Frau Nina, die ebenfalls gebürtig aus Remscheid kommt, vor einigen Jahren den Traum vom Reggae-Marathon auf Jamaika erfüllt. „Das war eine Erfahrung wert“, sagt Erstgenannter. „Landschaftlich wurden unsere Erwartungen leider nicht erfüllt, aber das Erholen am Strand hat das wettgemacht.“

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