Fußball

Eine Karriere voller Tore und Schmerzen

Basti Schulte in Jubelpose: Unter anderem für die SG Hackenberg schoss er Tore wie am Fließband und war – wenn der Körper mitmachte – nur schwer zu stoppen. Foto: Holger Battefeld
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Basti Schulte in Jubelpose: Unter anderem für die SG Hackenberg schoss er Tore wie am Fließband und war – wenn der Körper mitmachte – nur schwer zu stoppen.
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Basti Schulte musste mit 35 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel hängen.

Von Fabian Herzog

Beinahe hätte er einen ganz wichtigen Bestandteil unerwähnt gelassen. Beim Rückblick auf seine Zeit als Fußballer, die Basti Schulte vor wenigen Monaten auf beinahe tragische Art wegen anhaltender Knieprobleme beenden musste, erinnerte sich der langjährige Klasse-Stürmer an unzählige besondere Momente. Neben, vor allem aber auf dem Platz. „Was jedoch auch immer geil war, waren die Mallorca-Touren“, schob der gebürtige Remscheider, der seit 16 Jahren in Wermelskirchen lebt, schnell noch hinterher.

Mit Michael Bagusch verbindet Schulte eine besondere Freundschaft, die auch auf Mallorca gelebt wurde.

Ja, dieser Basti Schulte ist ein Typ. Einer, der die Fußballplätze mit seiner Art bereichert hat und auf diesen nun nicht mehr auf Torejagd gehen wird. Im vergangenen November lag er zum fünften Mal unter dem Messer. Drei Operationen hatte das linke Knie schon hinter sich gehabt, eine das rechte. Nun war das linke wieder dran. „Ich hätte lieber selber entschieden, wann es vorbei ist“, sagt Schulte, der mit seinen Knieblessuren gar Generationen von Ärzten erlebt hat. Zuerst war er bei Dr. Lothar Ulatowski in Lennep in Behandlung, danach bei dessen Sohn Dr. Martin Ulatowski in Radevormwald.

Mitten in der Vorbereitung auf die aktuelle Saison, in der er beim Bezirksligisten SSV Dhünn noch einmal als Backup zur Verfügung stehen und seine Karriere ausklingen lassen wollte, erlebte er das böse Erwachen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Als ich morgens nach einem Training aufgewacht bin, war mein Knie wieder dick. Da wusste ich, das war´s“, erinnert sich der Familienvater, der mit seiner Ehefrau Nina einen Sohn und eine Tochter hat. Lenn ist fünf Jahre alt, Malou vergangenes Jahr eins geworden. „Mit ihnen möchte ich ja noch spielen können“, begründet Schulte, warum er mit 35 Jahren die Schuhe an den Nagel gehängt und einen Schlussstrich unter seine Karriere gezogen hat.

„Er war mein Wegbegleiter und Ziehvater.“

Basti Schulte über Michael Bagusch

Diese begann beim VfL Lennep. Klar – der schon früh begeisterte Fußballer wuchs in unmittelbarer Nähe zum Röntgenstadion auf. Mit 14 Jahren ging es dann weiter zur SG Hackenberg, wo er den zweiten Teil seiner Jugendzeit erlebte. Dort lernte Schulte auch einen Trainer kennen, zu dem er über die Jahre eine ganz besondere Beziehung aufbaute: Michael Bagusch. „Er war mein Wegbegleiter und Ziehvater“, sagt Schulte. Immer wieder kreuzten sich ihre Wege, sodass längst eine Freundschaft entstanden ist.

Letzte Senioren-Station: Basti Schulte beim SSV Dhünn.

Unter Bagusch und Frank Fuchs durfte der Angreifer noch als A-Jugendlicher in der 1. Mannschaft ran – und schoss in der Kreisliga-B-Saison 2003/04 sagenhafte 48 Tore. Klar, dass sich das herumsprach. So landete Schulte in seiner ersten Seniorensaison beim Landesligisten FC Remscheid, wo er aber kaum zum Zuge kam. „Das war vielleicht zu früh“, sinniert er. Und obwohl diese eine Spielzeit mal nicht von Erfolg geprägt war: „Es hat Bock gemacht.“

Die Erfahrung konnte ihm schließlich keiner mehr nehmen. Wie er als Jungspund mit den Ansagen eines Lothar Steinhauer umzugehen lernte. Wie der Trainer bei Laufeinheiten mit dem Auto nebenherfuhr. Wie es war, ein Trainingslager in der Türkei mitzumachen. All das blieb ihm für immer.

Zur nächsten Saison schloss sich Schulte der 1. Spvg. Remscheid an. Klar: Dort war Michael Bagusch mittlerweile gelandet. Sieben Jahre lang ging er in Honsberg auf Torejagd und traf fast nach Belieben. „20 bis 25 Tore waren es pro Saison immer“, sagt der Vollblutstürmer, der mit Maurizio Aprile ein in der Kreisliga A kaum zu stoppendes Angriffsduo bildete. „Einen besseren Sturmpartner konnte ich mir nicht vorstellen“, schwärmt er.

Erste Senioren-Station: Basti Schulte beim FCR.

2012 wagte er den Sprung in die Bezirksliga. Mit der TG Hilgen stieg er nicht nur zum ersten und einzigen Mal ab, dort begann auch seine Leidensgeschichte. Mal war es der Knorpel, mal der Schleimbeutel, mal die Patellasehne, die ihn aus dem Tritt brachte. Zwischendurch kämpfte er sich immer wieder zurück. Wie in der Rückrunde der Saison 2013/14, als er unter Marcus Banken und Christian Hausmann sein Comeback feierte und 17 Buden in 16 Spielen machte. „Insgesamt war es in Hilgen auch eine geile Zeit“, sagt Schulte, der 2016 ein weiteres Mal zu Bagusch wechselte, der längst wieder in Hackenberg gelandet war.

Aufstieg 2020 mit dem SSV Dhünn in die Bezirksliga

Zwei Jahre später, von denen der Angreifer wieder nur einen Bruchteil auf dem Platz erlebt hatte, wollte er schon Schluss machen. Doch dann fragten Andreas Böge und André Markovic, das Trainerduo des SSV Dhünn, ob er nicht zur Staelsmühle kommen wollte. Nach reiflicher Überlegung und unter der Bedingung, dass das Knie hält, sagte er zu. „Das ist halt einfach auch eine coole Truppe da“, sagt der Wermelskirchener, der noch einmal aufstieg und dazu – neben seiner Rolle als erfahrene Führungsfigur – auch drei Tore beisteuerte. Bis es dann das böse Erwachen gab. . .

Auch mit ein paar mehr Kilos auf den Knochen, wie hier in Hilgen, schoss Schulte seine Tore.

Dem Fußball wird Schulte aber weiterhin bestimmt treu bleiben. Als Fan („Ich gucke jedes Bundesligaspiel“) von Borussia Dortmund, Manchester United – und seiner Kinder. Sohn Lenn spielt bei der TS Struck, wo der Papa auch mal hilft, den Trainingsparcour aufzubauen. Ihn wird er nun bei seiner Karriere als Förderer, Trainer und Ratgeber begleiten. Und wer weiß, vielleicht gibt Schulte ihm ja auch mal Tipps bei der Planung einer Mannschaftstour.

Goldener Schuh

Eine seiner Sternstunden erlebte Basti Schulte 2011, als er den Goldenen Schuh, die Torjägerkanone des RGA, gewann. 32 Treffer schoss er damals für die 1. Spvg. – genau so viele wie Serkan Cetin für Türkgücü. Vier mal traf Schulte dabei am letzten Spieltag in Dabringhausen, drei mal alleine in den letzten fünf Minuten.

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