Fußball

Ein Trio dreht neuen Club auf Links

Sascha Odina (Mitte) möchte zusammen mit Miguel (l.) und Antonio Lopez Torres den VfB Schwelm attraktiver machen.
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Sascha Odina (Mitte) möchte zusammen mit Miguel (l.) und Antonio Lopez Torres den VfB Schwelm attraktiver machen.
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Trainer Sascha Odina und die Lopez-Torres-Brüder haben in Schwelm viel vor.

Von Fabian Herzog

Er stand schon für die Abfahrt zum Treffpunkt bereit, als seine Frau Esther ihn fragte, ob er sich da nicht im Kleiderschrank vergriffen hätte. Sascha Odina schaute an sich herunter und musste lachen. Für das Testspiel mit dem VfB Schwelm gegen seinen Ex-Verein Bergisch Born vor wenigen Tagen hatte der Trainer doch tatsächlich das Polo-Shirt des SSV übergestreift. „Die fast sieben Jahre in Born bekommst du so schnell eben nicht raus“, kommentierte er lächelnd den Fauxpas, der sicherlich für viel Gelächter bei seinem neuen und auch alten Team gesorgt hätte.

Von Juli 2015 bis Ende Oktober 2021 war Odina Trainer in Bergisch Born. Erst bei der 2. Mannschaft, dann ab 2017 bei der Ersten. Eine prägende Zeit, was sich nicht nur am Polo-Shirt zeigte. Auch beim Wiedersehen rund um das Testspiel wurde noch einmal deutlich, wie eng die Bindung zwischen dem 42-Jährigen und dem SSV war und immer noch ist. Hier ein Plausch, da ein Plausch, hier eine Umarmung, da eine Umarmung – man versteht sich weiterhin noch prächtig.

Umso erstaunlicher, wie es im Herbst vergangenen Jahres zum Abschied aus Born kam. „Es hatte sich einfach irgendwie abgenutzt“, blickt Odina auf die ausbleibenden Ergebnisse zurück, die schließlich zur Trennung führten. Zur Erinnerung: Nach nur 14 Punkten aus zehn Spielen und auf Platz neun liegend, trat der Coach seinerzeit zurück. Anschließend lief es für den SSV wesentlich besser, am Ende stand Platz fünf zu Buche. „Ich hatte einfach auch keine Power mehr“, gibt Odina zu.

Ich kann mich hier verwirklichen.

Sascha Odina, neuer Trainer des VfB Schwelm

Ein halbes Jahr lang lud er den Akku auf, dann übernahm der Remscheider am 1. April den Bezirksligisten VfB Schwelm, bei dem es in den Monaten zuvor drunter und drüber gegangen war. Die Folge: Der Abstieg drohte. Doch Odina brachte das zu sinken drohende Schiff wieder auf Kurs und legte mit seinem neuen Team einen starken Schlussspurt hin. Direkt im ersten Spiel unter dem 42-Jährigen wurde der Tabellenzweite und spätere Vizemeister SF Hüingsen mit 3:2 geschlagen, eine Woche danach nur mit 0:1 bei Spitzenreiter und mittlerweile Landesliga-Aufsteiger Kiersper SC verloren. „Die Qualität war ja da“, sagt Odina, der trotz sieben Siegen aus zehn Spielen, darunter die letzten fünf in Folge, erst eine Woche vor dem Saisonende durchatmen und den Klassenerhalt feiern konnte.

Sascha Odina bei der Halbzeitansprache. Der Trainer sieht sein Team auf einem guten Weg, aber auch noch Verbesserungspotenzial.

Seine Mission in Schwelm ist aber längst nicht beendet. „Ich habe einen Drei-Jahres-Plan“, berichtet Sascha Odina. Dieser beinhalte beinahe eine Kernsanierung des Vereins, der trotz „überragender Möglichkeiten“ am Boden lag. „Der VfB ist unattraktiv geworden“, hat er festgestellt, ohne genaue Gründe zu kennen. Fakt ist: Es gibt keine einzige Jugendmannschaft mehr. Auch der Seniorenbereich ist extrem überschaubar. Neben der 1. Mannschaft existiert nur noch eine weitere Truppe in der Kreisliga C.

Die Außendarstellung sei ebenfalls verheerend und wohl ein Grund für die Entwicklung. Es gibt keine Social-Media-Aktivitäten, die Homepage befindet sich seit Monaten im Restaurationsmodus. „Ich musste alles auf Links drehen“, erzählt Odina. Wohlwissend, in seiner Borner Zeit, diesbezüglich einen hohen Standard erlebt zu haben. „Dadurch weiß ich aber, was es braucht.“ Der Remscheider lässt in Schwelm keinen Stein auf dem anderen, möchte wieder Identifikation schaffen, die Kabinen umgestalten, das Vereinsleben ankurbeln und den VfB wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen. „Ich kann mich hier verwirklichen“, sagt Odina, während er den Blick über den perfekt erscheinenden Naturrasen schweifen lässt.

Dieser war auch ein Argument, um Miguel und Antonio Lopez Torres einen Wechsel von den TS Struck nach Schwelm schmackhaft zu machen. Die beiden Brüder beendeten das Kapitel am Neuenhof und folgten Odina, den sie seit 20 Jahren kennen. „Der Platz ist wirklich geil“, sagt Miguel Lopez Torres, der sich auch von den neuen Teamkollegen begeistert zeigt: „Das ist eine gute Truppe.“ Mit fast 40 – am 20. August ist es so weit – will es der frühere FCR-Stürmer noch einmal wissen. Er sagt: „So lange der Körper mitmacht.“

Sein knapp zwei Jahre älterer Bruder ist auch als Spieler beim VfB angemeldet, möchte sich aber in erster Linie als Odinas Co-Trainer einbringen. „Ich spiele nur im Notfall“, sagt Antonio Lopez Torres. So lautete auch am Struck der Plan, sechs Mal kam er in der vergangenen Saison dann aber doch im TS-Trikot zum Einsatz. Ein Grund für den Wechsel war dies freilich nicht. „Wir brauchten nach vier Jahren aber einfach mal eine Veränderung.“

Odina ist froh um die doppelte Unterstützung aus Remscheid. „Sie gehen vorne weg“, lobt der Trainer die Brüder. In vielen Bereichen seien sie eine große Unterstützung. Nur bei der Klamottenauswahl, da bleibt er wohl auf die Hilfe seiner Frau angewiesen.

Rückspiel

Mit einem 3:3 endete vor wenigen Tagen das Testspiel zwischen Sascha Odinas neuem und altem Team. Für den 7. August haben sich die Verantwortlichen beider Teams auf ein „Rückspiel“ in Born geeinigt. „Damit wir uns noch mal Selbstvertrauen vor dem Saisonstart holen können“, flachst Odina.

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