American Football

Ein Leben ohne Football ist unvorstellbar

LeRoy Stryewski ist froh, auf seine „alten Tage“ das Abenteuer in der ELF noch einmal gewagt zu haben. Foto: LS
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LeRoy Stryewski ist froh, auf seine „alten Tage“ das Abenteuer in der ELF noch einmal gewagt zu haben.
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Der gebürtige Wermelskirchener LeRoy Stryewski hat seine aktive Karriere nach 17 Jahren beendet.

Von Fabian Herzog

Vor wenigen Tagen und nach einer Saison mit den Cologne Centurions in der European League of Football haben Sie Ihre aktive Karriere für beendet erklärt. Wie kam es dazu?

LeRoy Stryewski: Prinzipiell hatte ich schon 2020 mit dem Gedanken gespielt aufzuhören. Weil mir die 16 Jahre Football dann doch in den Knochen steckten. Außerdem muss ich sagen, dass ich die Leidenschaft fürs selber Spielen ein bisschen verloren habe, weil der Zeitaufwand schon extrem groß ist. Das darf man nicht unterschätzen. Ich bin jetzt 31 und möchte auch mal etwas anderes machen.

Zum Beispiel?

Stryewski: Ich habe jetzt nur zum Spaß angefangen, Basketballball zu spielen. In Köln, wo ich lebe, bei der DJK Löwe. Die Halle ist für mich keine zwei Minuten zu Fuß entfernt. Komplett ohne Druck, einfach nur, um nach dem Training ein Bierchen zusammen zu trinken. Da kann ich hingehen, wann ich möchte. Im Football war ich da immer anders. Da tat es mir schon sehr weh, ein Training ausfallen zu lassen.

Aber ist der Entschluss, mit dem Football aufzuhören, jetzt wirklich endgültig?

Stryewski: Naja, ich kann nicht in die Zukunft schauen. Aber jetzt gerade ist es für mich endgültig. Wobei ich mich letzte Woche wieder dabei ertappt habe, schwach zu werden. Da wurde in der Whatsapp-Gruppe gefragt, wer im Training noch aushelfen könnte. Ich Idiot habe direkt zugesagt (lacht).

Ist für einen LeRoy Stryewski nach dieser intensiven Footballzeit ein Leben ohne den Sport denn überhaupt denk- beziehungsweise vorstellbar?

Stryewski: Ganz ehrlich? Ich glaube nicht. Es ist wirklich verrückt. Zuletzt hatten wir ja nur Gym-Training (die Saison ging bis Mitte September, Anmerkung der Redaktion). Aber das war die beste Off-Season, die ich je miterlebt habe. Das macht es mir natürlich umso schwerer. Genau wie Tatsache, dass ich die Leute alle extrem gerne mag. Deswegen glaube ich schon, dass mir das sehr, sehr fehlen wird.

Die Saison in der neuen europäischen Liga endete für Sie und Ihre Mannschaft im Halbfinale. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Stryewski: Es verlief so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war klar, dass ich die Rolle als Backup einnehmen werde. Und die habe ich meiner Meinung nach gut ausgefüllt. Das habe ich auch an der Kommunikation gemerkt, wie die jüngeren Spieler mit mir umgegangen sind. Ich habe an den Spieltagen definitiv keine große Rolle auf dem Feld gespielt, aber dafür im Training. Durch meine Erfahrung konnte ich dem einen oder anderen jüngeren Spieler helfen, in kritischen Situationen die Ruhe zu bewahren.

Wenn Sie zurückblicken: Was waren die Höhepunkte der Saison?

Stryewski: Die Heimspiele waren immer toll. Unsere Fans sind teilweise in Römer-Helmen ins Stadion gekommen, haben uns extrem gefeiert und für eine mega Stimmung gesorgt. Es sind sogar zwei Fanclubs entstanden. Mein persönliches Highlight war aber auswärts. Am dritten Spieltag, als wir in Leipzig gespielt haben, war ich erstmals im Kader. Da waren 5000 Zuschauer – und ich plötzlich Teil des Spiels. Ich habe sogar einen Ball gefangen und tatsächlich ein Return-Yard gemacht (lacht). Dass wir am Ende 48:47 gewonnen haben, war die Krönung. Einfach genial.

In Ihrer langen Karriere haben Sie insgesamt wahnsinnig viel erlebt. Was wird da in erster Linie hängenbleiben?

Stryewski: Auf jeden Fall das Revivalspiel damals im Jahr 2011 zwischen den Bergischen Löwen und dem Amboss, als ich mit meinem Vater Hans auf dem Platz stehen konnte. Da träumt doch jeder von. Das sehe ich auf jeden Fall ziemlich weit oben. Unvergessen ist auch das Endspiel 2009 mit dem Amboss gegen Dortmund, als wir vor über 2000 Zuschauern mit dem Hubschrauber ins Stadion eingeflogen sind. Und die gesamte Saison auf Mallorca. Beziehungsweise da vor allem das erste Spiel, als ich mit auslaufender Uhr den Touchdown zum Sieg gefangen habe. Und das vor den Augen meines Vaters, der im Stadion war an dem Tag.

So viel zur Vergangenheit. Lassen Sie uns aber auch noch einen Blick in die Zukunft werfen. Sie wollen und werden den Centurions ja erhalten bleiben. In welcher Rolle?

Stryewski: Ich mache quasi die Webshow, die über die Plattform Twitch im Internet gestreamt wird. Wir nutzen diesen Kanal, um einmal in der Woche, immer mittwochs um 19 Uhr, nah am Team dran zu sein. Da führe ich Interviews mit Spielern und Coaches. Während der Saison werde ich dann auch so eine Art Sideline-Reporter sein. Wir wollen eine noch größere mediale Präsenz aufbauen.

Das klingt so, als würde Ihnen das großen Spaß bereiten.

Stryewski: Definitiv. Ich mag es ja zu quatschen.

Zur Person

Am 20. August 1990 in Wermelskirchen geboren, wuchs LeRoy Stryewski zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Josephyne in Reinshagen auf und kam über seinen Vater Hans, der selbst Spieler und ein Jahr Vorsitzender war, 2004 zum Amboss. Es folgten Stationen bei den Troisdorf Jets, Mallorca Voltors sowie in seiner Wahlheimat Köln bei Falcons, Crocodiles und seit 2021 Centurions. Beruflich: Nach dem Abitur am EMA-Gymnasium arbeitet Stryewski im digitalen Autohandel beim Unternehmen Cazoo.

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