Handball

Ein Abend, der „Woody“ gefallen hätte

Bilder und Zeitungsausschnitte: Viele blieben im Eingangsbereich stehen, um sich an Jörg Weiss zu erinnern.
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Bilder und Zeitungsausschnitte: Viele blieben im Eingangsbereich stehen, um sich an Jörg Weiss zu erinnern.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Benefizspiele für Familie des verstorbenen Handballers locken mehr als 400 Zuschauer nach Neuenkamp.

Bjarne Weiss wirkte gerührt. Vielleicht war die Stimme sogar ein wenig brüchig, als er mit Blick auf die bestens besetzte Tribüne sagte: „Es ist schön zu sehen, wie viel mein Vater den Leuten bedeutet hat.“ Das Benefizspiel zugunsten der Angehörigen seines mit nur 54 Jahren verstorbenen Vaters und langjährigen Handballers Jörg „Woody“ Weiss hatte mehr als 400 Zuschauer in die Sporthalle Neuenkamp gelockt. Ehemalige hatten gegen Ehemalige gespielt – alle mit dem Namen Weiss und der Nummer 7 auf dem Rücken. Eine wunderbare Aktion, die vor allem eins verdeutlichte: den Zusammenhalt bei den Sportlern.

Das Ergebnis interessierte am Ende niemanden mehr. Stattdessen hatten Familie, Freunde, langjährige Mit- und Gegenspieler kollektiv Gänsehaut auf dem Buckel. Alle Sympathisanten von Weiss hatten sich erhoben und spendeten Beifall. Lang andauernd. Da kein Tränchen im Augenwinkel zu haben, war nahezu unmöglich. So viel Empathie und so viel Herzlichkeit hat es lange nicht in Neuenkamp gegeben.

„Dass so etwas passieren muss für ein Wiedersehen!“ Volkmar Harnischmacher sprach das aus, was viele dachten. Warum nur? Warum nur musste Jörg Weiss so früh sterben? Harnischmacher war aus Emsdetten angereist, wollte unbedingt dabei sein: „Ich habe vier Jahre mit Woody bei der LTG gespielt.“

Langjährige Mit- und Gegenspieler waren gekommen, um auf handballerische Weise die Erinnerung an Jörg Weiss hochzuhalten. Auch Bjarne Weiss, Sohn aus erster Ehe (stehend, 7. v.r.), warf für seinen Papa einige Tore.

Fast alle Anwesenden hatten einen Berührungspunkt zu Weiss und ihn sehr geschätzt. Beispiele gefällig? Gerne. Stephan „Steps“ Weber beschrieb seinen früheren Mitspieler: „Er hat auf dem Spielfeld die Ernsthaftigkeit gelebt, drumherum den Spaß.“ Hartwig Szyra, wie Weber einst mit Weiss bei der LTG, sagte: „Woody war ein Superkumpel und hat überall mit angepackt, wo es nötig war.“ Dem schloss sich Trainer Frank Alsdorf gerne an: „Jörg Weiss war ein Vorbild für alle, hat immer 101 Prozent gegeben.“

Ach, was hätte es dem so früh Verstorbenen für eine Freude bereitet, so viele Kumpels zu treffen. Die Familie, Herzensmenschen. „Wir lassen hier die gemeinsame Zeit hoch leben“, sagte Bodo Leckelt. Er hatte drei Jahre in Remscheid mit Weiss zusammengespielt. Dietmar Pistohl, Coach eines der Ehemaligen-Teams, beschrieb „Woody“ Weiss als „gradlinig“, als „Teamplayer“ und als jemanden, „der gönnen konnte“. Kein Wunder, dass sich so viele Besucher in das Kondolenzbuch eintrugen, das im Eingangsbereich lag. Direkt unter ganz vielen Zeitungsberichten und Fotos, die an Wänden an Weiss erinnerten.

Den ergreifendsten Moment gab es zwischen Benefizspiel eins und Benefizspiel zwei. Bevor Regionalligist HG Remscheid und Zweitligist VfL Eintracht Hagen ihre Form überprüften, ergriff Lutz Petri (Weiss war sein Trauzeuge) das Wort. Auch ein langjähriger Wegbegleiter, der zuvor noch beim Ehemaligenspiel mitgemacht hatte. Er erinnerte in sensiblen Worten an den Verstorbenen, fand genau die richtige Ansprache. Bevor eine Gedenkminute in der abgedunkelten Halle erneut für Gefühlswirbel bei manch einem sorgte, sagte er noch: „Handball ist mehr als lockere Sprüche und das Bierchen danach. Danke an die vielen Helfer für die große Unterstützung und an die rheinisch-bergische Handball-Familie.“

Das werden alle bestätigen, die gekommen waren. Dazu gehörten selbstverständlich auch Weiss´ Ehefrau Sabrina und seine Ex-Frau Iris.

Unter anderem imponierte die enge Verzahnung zwischen HG Remscheid und HC BSdL bei der Planung und Organisation. Das war klasse. Wobei HGR ein gutes Stichwort ist: Sie musste zu späterer Stunde noch ran, bestritt das zweite Benefizspiel. Gegner war der Zweitligist VfL Eintracht Hagen. Ein munteres, wenn auch ungleiches Duell, das die Gäste klar mit 49:23 (22:12) für sich entschieden. 72 Tore für Woody Weiss, zum Teil eins schöner als das andere.

Darauf kam es an, auch wenn HGR-Trainer Alexander Zapf bedauerte: „Aus sportlicher Sicht war das von uns nichts. Wir haben ohne Abwehr gespielt.“ Was ihm aber wichtiger war: „Dieser Abend war ein würdiger Rahmen für Woody.“ Vielleicht passt ja am besten, was Ex-Teamkollege Marcello Halbach sagte: „Einfach ein guter Typ.“

Einnahme

Wie viel Geld durch den Eintritt, das Catering und freiwillige Spenden eingenommen worden ist, wird sich erst in den kommenden Tagen präzise sagen lassen. Sicher ist aber: Jeweils ein Drittel der Summe wird an seine drei Kinder gehen – also an Bjarne (aus erster Ehe), an Lasse und an Greta.

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