Motorsport

Ehepaar Bauss lässt sich nicht ausbremsen

Hans-Werner Bauss hat vor wenigen Wochen mit seiner Ehefrau Christiane seinen 35. DM-Titel geholt. Die Runde an der frischen Luft an der Talsperre konnten sie kürzlich genießen.
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Hans-Werner Bauss hat vor wenigen Wochen mit seiner Ehefrau Christiane seinen 35. DM-Titel geholt. Die Runde an der frischen Luft an der Talsperre konnten sie kürzlich genießen.
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An der frischen Luft mit den Wermelskirchener Motorsportlern Christiane und Hans-Werner Bauss.

Von Peter Kuhlendahl

Einen Tag vor dem meteorologischen Winteranfang gab Väterchen Frost Anfang der vergangenen Woche einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Monate. Aber durchaus positiv. Temperaturen etwas unter dem Gefrierpunkt hatten dafür gesorgt, dass der Weg rund um die Remscheider Talsperre leicht angefroren war. Der Raureif und die Sonne, welche ab und zu durch die Wolken lugte, sorgten zudem für Hingucker und ideale Bedingungen, um sich für den vierten Teil der Serie „Eine Runde um die Talsperre“ auf den Weg zu machen.

Mit dabei ist das Wermelskirchener Motorsport-Ehepaar Bauss. Und Hans-Werner Bauss bringt gleich auf den ersten Metern der kleinen Wanderung Motorsport und Kälte in einen Zusammenhang: „So richtig kalt war es damals bei einem Motocross-Marathon in Finnland.“ Das war im Jahr 1998. „1000 Kilometer in zweieinhalb Tagen. Bei bis zu 30 Grad unter Null. Das war kalt“, meint er lachend.

Solche Erinnerungen dürfte der 66-Jährige jede Menge haben. Seit seinem zehnten Lebensjahr ist er dem Motorradsport verbunden. „Mein Vater war Gespannfahrer.“ Bauss trat in seine Fußstapfen und startete eine beispiellose sportliche Karriere, die in diesem Herbst im 35. Titel bei einer Deutschen Meisterschaft mündete. Aktuell im Trial-Gespann. Das betreibt er seit vielen Jahren mit seiner Ehefrau Christiane. Viele Erfolge gab es zuvor auch in den anderen Disziplinen im Motorrad-Geländesport.

Dass sich das Ehepaar dabei, wenn auch indirekt, kennenlernte, liegt auf der Hand. „Ich bin damals Enduro gefahren und habe bei Hans-Werner ein Wohnmobil gemietet. Darauf entdeckte ich einen Enduro-Aufkleber. Ich war auf der Suche nach einer neuen Maschine und habe ihn für einen Rat angesprochen“, erzählt Christiane Bauss. Mit einem neuen Motorrad wurde es nichts. Aber sie fand einen Ehemann. Das war vor 30 Jahren.

Bis das Duo sich dann gemeinsam auf die Strecke machte, dauerte es allerdings noch einige Jahre. Christiane Bauss war zunächst noch selbst aktiv. „Bis mich ein Bandscheibenvorfall stoppte.“ Seit vielen Jahren ist das Ehepaar Bauss im Trial aber eine Klasse für sich. Daran ändert sich bis heute nichts, obwohl die Konkurrenz im Durchschnitt rund 40 Jahre jünger ist.

Gibt es ein Geheimnis des Erfolges? „Das Vertrauen muss einfach stimmen. Und man muss in der Lage sein, auch Fehler einzugestehen“, meint sie. Was auch im Eheleben wichtig sei. Dass es bei Meisterschaften im Gelände, wenn etwas schief geht, schon mal laut wird, steht außer Frage. „Aber sämtlicher Ärger bleibt auf den Strecken. Wenn wir von einem Wettbewerb auf der Rückfahrt im Auto sitzen, ist es schon kein Thema mehr“, betont Hans-Werner Bauss.

„Man muss in der Lage sein, auch Fehler einzugestehen.“

Christiane Bauss

Als ungefähr die Hälfte der Strecke um die Talsperre geschafft ist, blickt Hans-Werner Bauss einen Hang hoch. „Wenn ich in der Natur unterwegs bin, sehe ich sie mir immer aus dem Blickwinkel des Trialsports an. An diesen Hängen hier könnte man auch tolle Sektionen fahren. Das Bergische Land wäre da super für geeignet.“

Wäre. Allerdings geht in der Region – natürlich auch aus Naturschutzgründen – nichts mehr. Eine Motocross-Strecke gibt es noch. In Hahnenberg in Radevormwald. Wenn das Ehepaar Bauss trainieren möchte, muss es bis in die Nähe von Aachen fahren.

Was allerdings aktuell auch nicht geht. Und bei der Runde um die Talsperre thematisch unweigerlich zu der unsäglichen Geschichte führt, die uns alle seit Monaten im Griff hat. „Dass man aufgrund der hohen Infektionszahlen viele Dinge nicht machen darf, ist natürlich verständlich. Aber warum wir mit unserem Gespann dort auf dem Gelände nicht trainieren dürfen, ist mir ein Rätsel“, meint Hans-Werner Bauss.

Dass in dieser Motorsportsaison nur ein Teil der Rennen in Deutschland absolviert werden konnte, sei derweil verständlich gewesen. Und in Frankreich, Belgien und England sei gar nichts gegangen. Derweil nagt am Ehepaar Bauss die Ungewissheit, wie es im kommenden Jahr weitergehen kann. Bei Hans-Werner Bauss laufen bei der Organisation der Deutschen Meisterschaften die Fäden zusammen. Die Planungen für 2021 sind bereits im Gange. Auf die Frage, ob die Trial-Szene eine weitere Saison mit ähnlich großen Einschränkungen überleben würde, zuckt Hans-Werner Bauss vielsagend mit den Schultern.

Das obligatorische Abschlussfoto nach dem Gang um die Talsperre: RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl und das Ehepaar Bauss.

Die Corona-Pandemie hat dem Wermelskirchener Ehepaar zudem durch eine weitere gemeinsame große Leidenschaft in diesem Jahr einen ganz dicken Strich gemacht: das Reisen. Aber nicht etwa als normaler Pauschaltourist. „Wir sind weltweit als Rucksacktouristen unterwegs“, berichtet Hans-Werner Bauss. „Nur so kann man Land und Leute richtig kennenlernen“, ergänzt seine Ehefrau. Dass dies in manchen Ecken der Welt wie in Südamerika, Asien oder Afrika nicht ganz ungefährlich ist, ist dem Duo durchaus bewusst. Aber auch hier gilt wie beim Motorsport, dass das Risiko berechenbar sein muss.

Ein weiteres großes Hobby von Christiane Bauss ist das Segeln. Dabei hat sie auch eine gewisse Professionalität erlangt. Die 62-Jährige ist oft als Skipperin unterwegs. Geplante Turns in Griechenland sind in diesem Jahr auch ausgefallen.

Bedeutete also, dass die beiden in den vergangenen Monaten auch ungewohnt viel freie Zeit hatten, die sonst mit dem Motorsport oder Reisen gefüllt waren. Langeweile ist allerdings keine aufgekommen. Und sportlich hat man sich mit den Mountainbikes fitgehalten. Christiane Bauss wurde dabei allerdings im Frühjahr jäh ausgebremst. „Ich bin an einer Wurzel hängengeblieben, gestürzt und habe mir den Knöchel gebrochen.“

Die Zielsetzung ändert sich ein wenig in der Zukunft

Apropos Verletzungen: Als die Runde um die Talsperre mit dem Gang über die Sperrmauer beendet ist, wird das Motorsport-Ehepaar auf den letzten Metern zum Parkplatz ein wenig nachdenklich. „Außenstehende sehen oft nur die Erfolge, die wir eingefahren haben. Wie viele Verletzungen und auch damit verbundene Schmerzen dahinter stecken, sieht keiner“, meint Hans-Werner Bauss.

Weiterfahren, solange wie es geht, wird das Motorsport-Ehepaar aus Wermelskirchen aber dennoch. Nur die Zielsetzung wird in Zukunft ein wenig anders sein. „Für uns sind dann eben nicht mehr weitere Titel das Entscheidende, sondern dass wir uns immer noch mit der viel jüngeren Konkurrenz messen können“, betont Christiane Bauss.

Persönlich

Das Ehepaar Bauss ist seit 30 Jahren verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Wermelskirchen. Hans-Werner Bauss ist Maschinenbau-Ingenieur. Im Jahr 2003 ist er aber in den Schuldienst gewechselt und hat an der Nelson-Mandela-Schule in Remscheid Mathematik, Physik und Technik unterrichtet. Dies macht er stundenweise nun auch nach seiner Pensionierung. Christiane Bauss ist im technischen Vertrieb in einer Firma tätig.

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