Laufen

Durry „trainiert“ die Nacht hindurch

Das ist ihre (Lauf-)Welt: Simone Durry im Gelände, sich hochkonzentriert fortbewegend über Stock und Stein. Ganz so anspruchsvoll wird der Röntgenlauf aber nicht.
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Das ist ihre (Lauf-)Welt: Simone Durry im Gelände, sich hochkonzentriert fortbewegend über Stock und Stein. Ganz so anspruchsvoll wird der Röntgenlauf aber nicht.
  • Andreas Dach
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20. Röntgenlauf: Nicht alle wissen, was für Größen seit Jahren an der Veranstaltung teilnehmen.

Von Andreas Dach

Sie ist eine Wiederholungstäterin. Wenn man das in diesem Fall ausnahmsweise so sagen und schreiben darf. Simone Durry nimmt wieder am Röntgenlauf teil. Dreimal ist sie bereits den Ultra in Remscheid gelaufen, einmal den Marathon, im vergangenen Jahr den Zeitenwendelauf. Diesmal ist sie für die 100 Kilometer gemeldet. Was treibt die 47-jährige Frau an, die in Gerolstein (Eifel) geboren wurde, in Düsseldorf lebt und arbeitet und für die TG Neuss startet? Oder noch genauer gefragt: Warum ist es immer wieder der Röntgenlauf?

Die Technische Assistentin in der Neurobiologie in der Uniklinik Düsseldorf zögert nicht lange: „Ich finde die Strecke und die Gegend toll. Dazu ist die Organisation super.“ Dass es aus der Landeshauptstadt ins Bergische Land nicht sonderlich weit ist, sei ein zusätzlicher Aspekt. Und: „Man muss solche Veranstaltungen unterstützen. Ich bin froh, dass es Leute gibt, die solche Läufe auf die Beine stellen.“

Ich liebe es, durch die Nacht zu laufen und dann die Sonnenaufgänge zu erleben!

Simone Durry, Extremläuferin

Diese Simone Durry ist eine Laufverrückte. Anders kann man es nicht ausdrücken. Je länger die Distanzen sind, desto lieber ist ihr das. Zehn oder zwölf Marathons hatte sie auf der Sammelliste, als ihr das zu langweilig wurde. „Ich wurde einfach nicht schneller“, erinnert sie sich. „Deshalb habe ich die Strecken dann verlängert.“

Verlängert? Das ist eher bescheiden ausgedrückt. Was die Rheinländerin seitdem in schöner Regelmäßigkeit absolviert, ist beeindruckend. „Am liebsten sind mir 100-Meilen-Läufe“, sagt sie. „Die liegen mir am besten.“ Wer mit dieser Angabe nichts anfangen kann: Es handelt sich um 160 Kilometer. „Ich liebe es, durch die Nacht zu laufen“, schildert sie, „und morgens dann Sonnenaufgänge zu erleben.“

An solche Distanzen und auch noch deutlich längere hat sie sich langsam herangetastet. Zwölf-Stunden-Lauf in Brühl, dann erstmals die 100 Kilometer von Biel (Durry: „Das muss so um 2010 gewesen sein“) – der Startschuss für eine irre Läuferkarriere. Schottland ist dazugekommen. 400 Kilometer mit 11 000 Höhenmetern, verteilt auf mehrere Etappen. „Das war ein super Abenteuer“, berichtet. „Da musste man richtig navigieren, ist über 100 Flüsse gelaufen.“ Oder Südengland. Mit 120 Meilen und dieser „Superaussicht“.

Und da war Holland, die Küste. Simone Durry läuft gerne alleine, genauso gerne aber auch mit anderen zusammen. Die Niederlande – da wählte sie den Solo-Weg. „Ich wollte das Meer und den Wind hören“, begründet sie, „und die Stille genießen.“ Die 47-Jährige läuft ihre Strecken nicht, sie genießt sie. Das mag noch so schwierig vorstellbar sein, doch es ist genau so. Gerade erst hat sie in Verona an der Europameisterschaft im 24-Stunden-Lauf teilgenommen. 221,7 Kilometer hat sie dabei unter die Laufschuhe bekommen. „Das war perfekt“, sagt sie.

Beinahe monatlich gönnt sie sich eine Strecke von mindestens 100 Kilometern. Was jeden Orthopäden wahrscheinlich zusammenzucken lassen würde. „Ich habe ein ziemlich gutes Körpergefühl“, sagt Simone Durry, „und das Glück, einen sauberen Laufstil zu haben.“ So ist sie all den Jahren von einer bösen Verletzung verschont gewesen. Mal hat die Achillessehne sich gemeldet, mal hat das Knie gezwickt – aber das war es dann auch.

Zu Peter Ickert, dem Geschäftsführer des Röntgensportclubs, hält sie regelmäßig Kontakt, seitdem sie ihn beim „Jurassic Coast“ in Südengland zufällig kennengelernt hat. „Er hatte eine Röntgenlauftasche umhängen“, weiß sie noch. „Da sind wir ins Gespräch und haben uns im Bus auf dem Weg zum Start zwei Stunden lang unsere Laufgeschichten erzählt.“

Eine weitere Episode kommt am 30. Oktober 2022 dazu. Durry will die 100 Kilometer beim Röntgenlauf „entspannt angehen“. Grund: „Für mich ist das eher ein Trainingslauf. Deshalb habe ich mir auch die Starterliste noch gar nicht näher angeguckt.“ Für sie gilt es erst in etwa einem Monat. Dann wird sie in Oslo am 24-Stunden-Lauf teilnehmen. Da kann so ein kleines 100-Kilometer-Training in Remscheid und drumherum ja nicht schaden . . .

Planung

Ein paar Stunden Schlaf wird sich die Zweite der Ultralauf–DM und WM-Teilnehmerin vor dem Startschuss um 4 Uhr schon gönnen. Mit einem Freund bezieht sie Quartier in einem Remscheider Hotel, will dann ausgeschlafen loslaufen.

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