Fußball

„Geh doch zurück in die Küche“: Wie Felicitas Mazur dumme Sprüche auf dem Fußballplatz abprallen lässt

Schon seit frühester Kindheit spielt Felicitas Mazur Fußball bei TuSpo Dahlhausen. Mittlerweile sind Trainerämter und die Tätigkeit als Schiedsrichterin dazugekommen.
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Schon seit frühester Kindheit spielt Felicitas Mazur Fußball bei TuSpo Dahlhausen. Mittlerweile sind Trainerämter und die Tätigkeit als Schiedsrichterin dazugekommen.

Die 16-Jährige spielt Fußball bei TuSpo Dahlhausen, aber nicht nur das . . .: Spielerin, Trainerin, Schiedsrichterin - das Porträt einer engagierten Sportlerin.

Von Cristina Segovia-Buendia

Radevormwald. Recht erinnern kann sich Felicitas Mazur nicht, wie sie ihre Leidenschaft für den Fußball entdeckte. „Wir waren keine klassische Fußballerfamilie“, sagt die 16-Jährige rückblickend.

Trotzdem hatte sie als Sechsjährige bereits ein ausreichendes Selbstbewusstsein, um sich in jungen Jahren mit einer Bitte vertrauensvoll an ihren Vater zu wenden. „Ich ging damals hier auf der Brede in Radevormwald zur Grundschule, und ich weiß nicht mehr, ob es einen Infostand von TuSpo gab oder ob ich irgendein Training mal gesehen habe. Ich weiß nur noch, dass ich meinem Vater sagte, dass ich gerne bei TuSpo Fußball spielen würde.“

Das versuchte der Vater seiner Tochter nicht auszureden und brachte sie zu ihrer ersten Trainingseinheit zum TuSpo.

Die Jungs spielen einen härteren Fußball. Da hat mich besser gemacht!

Felicitas Mazur

Dass sie gänzlich unter Jungs war, machte der Sechsjährigen nichts aus, auch wenn es im Laufe ihrer Fußballkarriere nie einfach war, sich als Mädchen und junge Frau unter Jungs zu behaupten. In einer klassischen Mädchenmannschaft hat Mazur nämlich nie gespielt. Dafür gab es schlichtweg nicht genug Spielerinnen in ihrem Jahrgang.

Heute, sagt die 16-Jährige, sei sie sehr froh darüber: „Die Jungs spielen einen härteren Fußball. Das hat auch mich besser gemacht.“

Gegnerische Teams unterschätzen sie meist

Mit ihren männlichen Mannschaftskameraden hatte Felicitas Mazur nie Probleme. Sie wussten, dass sie sportlich und fußballerisch nicht nur mithalten konnte, sondern auch das Zeug hatte, um auf dem Platz zu überragen. Die gegnerischen Mannschaften hingegen unterschätzen sie in der Regel bis heute.

Dumme Sprüche habe sie sich als Spielerin häufiger anhören müssen, meist von den Gegnern. „Ich musste mich immer auf dem Platz beweisen. Da braucht man schon ein dickes Fell.“ Vom Fußballspielen habe sie das aber nie abgehalten.

Aktuell spielt sie nicht im aktiven Betrieb, weil TuSpo Dahlhausen derzeit keine B-Jugend stellen kann. Die Möglichkeit, zu einem anderen Verein zu wechseln, gar in eine Frauenmannschaft zu gehen, schlug sie bislang immer aus. Sie wolle ihrem Herzensverein treu bleiben. Untätig ist sie dabei nicht.

Trainerin für die Minikicker und die Bambini

Statt selbst regelmäßig im Trainingsbetrieb zu kicken, kümmert sie sich seit nunmehr drei Jahren mit um den Nachwuchs im Verein, trainiert begleitend die Minikicker (drei bis fünf Jahre) sowie die Bambini (ab sechs Jahren). Über regelmäßige Fortbildungen qualifiziert sie sich für dieses in Sportvereinen so wichtige Ehrenamt.

„Wir sind mächtig stolz auf all unsere Ehrenamtler, denn ohne sie geht es einfach nicht“, betont Vereinschef Guido Musial. Die Fortbildungen, die immer kostspieliger werden, übernehme der Verein in solchen Fällen gerne, um die eigene Arbeit vor Ort zu stärken. Mazur sei dabei ein besonders positives Beispiel für die Vereinsarbeit bei TuSpo, das mittlerweile weit über ihr Trainer-Dasein reicht.
Tuspo und Guido Musial haben sich gerade klar gegen Rechts positioniert

Aktuell macht sie die Trainer C-Lizenz - und ist Schiedsrichterin

Den Junior-Coach und Teamleiter hat Felicitas Mazur bereits absolviert. Seit diesem Jahr macht sie auch die Trainer C-Lizenz, um in Zukunft auch ältere Kicker trainieren zu können.

Felicitas Mazur (Mitte) ist nicht die Einzige, die Fußball-Schiedsrichterin im Kreis Remscheid geworden ist. Das gilt auch für Mahta Omidi (l.) und Kim Dürholt.

Damit nicht genug, hat sie sich in diesem Jahr auch noch zusätzlich als Schiedsrichterin fortbilden lassen. Ihre Motivation? „Ich wollte eigentlich die Entscheidungen von Schiris auf dem Platz besser nachvollziehen können.“ Dass ihr das Schiri-Dasein aber fast schon mehr Spaß bereiten würde, als selber zu spielen, hätte Mazur nicht für möglich gehalten. „Ich war nach dem ersten Lehrgang so gefesselt, dass ich regelrecht daran hängengeblieben bin.“

Blöde Sprüche: Küche statt Fußballplatz

Ihre erste Begegnung, die sie als frisch ausgebildete Schiedsrichterin pfiff, erinnert sie sich gut, war ein E-Jugend-Spiel zwischen dem FC Remscheid und dem Hastener TV. „Es war ungewohnt und auch ein bisschen mit Angst und Respekt verbunden, denn als Schiri ist immer jemand sauer auf dich.“

Blöde Sprüche bekommt sie auch hier zu hören, etwa bei einem C-Jugendspiel. „Dort wurde mir hinterhergerufen, dass Frauen nicht auf den Fußballplatz gehören und dass ich doch zurück in die Küche gehen sollte, wo ich hingehöre.“

Dass solche Sprüche noch im 21. Jahrhundert verwendet werden, treffe sie nicht persönlich, aber ärgern sie. Sie würde sich wünschen, dass der Fußball keiner Geschlechterspaltung unterzogen wird. „Ich will zeigen, dass Fußball kein klassischer Männersport mehr ist, dass auch Mädchen und Frauen ihn gut ausüben, Trainerinnen und Schiedsrichterinnen werden können“, sagt die 16-Jährige selbstbewusst.

Dass die deutsche Frauen-Elf zuletzt so erfolgreich war und bei der Männer-WM in Katar in diesem Jahr auch ein Schiedsrichterinnengespann zum Einsatz kam, helfe dem Frauenfußball. Doch so groß will Felicitas Mazur gar nicht agieren, obwohl sie gerne auch mal ein Bundesligaspiel auf Schalke pfeifen würde, sagt sie und schmunzelt. Wichtiger sei es ihr, ihren Heimatverein voranzubringen, ein positives Beispiel für das Ehrenamt zu sein und mehr Mädchen für Fußball zu begeistern.

Hintergrund: Schiedsrichter-Mangel und Lehrgangsstart

Übungsleiter und Schiedsrichter sind in den Vereinen rar gesät. Der Mangel an Unparteiischen im Fußballkreis Remscheid sorgt dafür, dass in den Kreisligen B viele Partien nicht ausgetragen werden können. Der nächste Lehrgang für Neulinge ist vom 28.1. bis 4.2. als Hybrid-Seminar terminiert.

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