Statt Röntgenlauf

Zeitenwendelauf: Der Erste schafft die 105,5 Kilometer in 12:08:59 Stunden

Natur pur und partielle Einsamkeit beim Zeitenwendelauf: Solche herrlichen Bilder boten sich den Aktiven bei ihrem Laufvergnügen.
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Natur pur und partielle Einsamkeit beim Zeitenwendelauf: Solche herrlichen Bilder boten sich den Aktiven bei ihrem Laufvergnügen.
  • Andreas Dach
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Beim Zeitenwendelauf, der abgespeckten Variante des Röntgenlaufs, sind knapp 1000 Aktive unterwegs. Und es gibt viele tolle Erlebnisse an der Strecke.

Von Andreas Dach (Text und Fotos)

Remscheid. Ralf Rumpel ist Ultraläufer. Wie gerne hätte der Lenneper am Zeitenwendelauf teilgenommen, der abgespeckten Version des Röntgenlaufs. Weil Corona ein vernünftiges Training aber unmöglich gemacht hat, war er konsequent und verzichtete auf ein aktives Mitwirken. Trotzdem war er rund um die Uhr dabei. Als Ehrenamtler und Helfer. Eine von vielen schönen Geschichten, welche diese besondere Variante geschrieben hat. Dazu auch der „Einwurf“ von Andreas Dach.

Kurz vor Mitternacht am Samstagabend, die Alte Rader Straße. Rumpel und seine Ehefrau Elke „bewachen“ eine Straßenquerung. Immer wieder mal kreuzen Läuferinnen und Läufer die Straße auf Höhe der Härterei Turck. Fünfmal müssen die Aktiven an dieser Stelle vorbei, welche die 105,5 Kilometer unter die Sohlen genommen haben. Von Rumpels gibt es aufmunternde Worte und den Schein ihrer Taschenlampen. „In der Nacht und am Sonntag gibt es Verstärkung von der Familie und Freunden“, sagt Rumpel. Dann hat man auch mal die Möglichkeit, sich im eigenen Wohnmobil, das ein paar Meter weiter geparkt ist, für ein paar Minuten hinzulegen.

Die identische Stelle am späten Sonntagvormittag. Alles gut gegangen, liebe Rumpels? „Ja“, lautet die Antwort. „Nur der Autoverkehr ist deutlich mehr geworden.“ Höchste Konzentration ist Pflicht.

Zeitenwendelauf in Lennep: Verpflegungsstand ist auch mitten in der Nacht besetzt

Ein paar hundert Meter weiter, am Nagelsberg, hat die „Arbeit Remscheid“ einen der beiden offiziellen Verpflegungsstände unter ihre Fittiche genommen. Es ist Mitternacht, es regnet, es ist ungemütlich. Mineralwasser und Müsliriegel sind im Angebot. „Alles wird coronakonform serviert“, sagt Giuseppe Errera. Er ist Leiter der aktuellen Helferschicht. Sein Chef, Ralf Barsties, hat sich freiwillig für die Nachtschicht – ab 2 Uhr nach der Zeitumstellung – gemeldet. Gemeinsam ist man stark.

„Wenn die Sonne aufgeht, ist alles vergessen!“

Andreas Kräntzer, Läufer

Stark ist auch, was auf den unterschiedlichen Streckendistanzen abgeht. Dass keine Siegerinnen und Sieger gekürt werden, nimmt nichts von der Motivation. Als Erster nach den 105,5 Kilometern kommt der Franzose Jan Stephan ins Ziel. Der Mann aus der Remscheider Partnerstadt Quimper braucht 12:08:59 Stunden. „Es war teilweise sehr regnerisch“, lässt er übersetzen.

Die Quimper-Delegation beim Start zum Halbmarathon. Jan Stephan (mit Medaille) hatte seine 105,5 Kilometer da bereits absolviert.

„In der vorletzten Runde war es sogar ganz nebelig“, berichtet der Mettmanner Andreas Kräntzer, der kurz darauf ins Ziel kommt. „Wenn dann aber plötzlich die Sonne aufgeht, ist alles vergessen, was vorher anstrengend war.“ Kurz vor ihm läuft Rainer Großmann aus Aschaffenburg am Hackenberg durch den Zielbogen. Er sagt nur vier Worte: „Ich fand es gut.“

Düsseldorferin trainiert beim Zeitenwendelauf für Oslo

Damit spricht er Simone Durry aus der Seele. Die Düsseldorferin lobt die „technisch anspruchsvolle Strecke“ ihres Trainingslaufs. Trainingslaufs? „In drei Wochen nehme ich in Oslo am 24-Stunden-Lauf teil.“ Da sind solche 105,5 Kilometer doch ein Klacks . . .

Jubilar Christoph Hoffmann hatte unterwegs sogar noch die Muße, an der Wuppertalsperre Fotos vom tollen Sonnenaufgang zu schießen.

Sehr emotionale Momente durchlebt der Kölner Christoph Hoffmann. Der 60-Jährige macht nach 84 Kilometern, also vier Halbmarathon-Runden, vorzeitig Schluss: „Ehe es anfängt wehzutun . . .“ Traurig ist er nicht, hebt einen besonders emotionalen Bezug zum Röntgenlauf hervor, auch wenn der diesmal Zeitenwendelauf heißt: „2005 habe ich hier meinen ersten Ultra absolviert. Damals hat Sascha Velten gewonnen.“ Inzwischen sind es bei Hoffmann 100 – in Remscheid hat sich der Kreis nun geschlossen. Was für ein tolles Jubiläum.

Mit Peter Ickert zieht auch ein Vorstandsmitglied des Röntgensportclubs seine Runden. Er macht auch ein wenig den läuferischen Staubsauger, schaut, wo unterwegs spontan Hand angelegt und reagiert werden muss. Vor allem abgerissene Flatterbänder und gelöschte Markierungen sorgen für Riesenfrust beim Veranstalter. „So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie“, ist an vielen Stellen zu hören. Umso wichtiger, dass auch der RV Adler Lüttringhausen mit großem Team Tag und Nacht ehrenamtlich auf den Mountainbikes unterwegs ist. Der Zeitenwendelauf ist nicht der Röntgenlauf, aber einen gewissen Charme hat er doch.

Gut zu wissen: Auch das geschah beim Zeitenwendelauf

Viele Fäden liefen am sogenannten Troubledesk in der Sporthalle Hackenberg zusammen. Dort trug Dirk Pestlin die Verantwortung, lobte ausdrücklich das „disziplinierte Verhalten aller“. Von Trouble (Schwierigkeiten) also keine Spur. Die dürfte es auch nicht geben, wenn es im Internet darum geht, Laufergebnisse von 105,5 Kilometern, Ultra (63,3 km), Marathon (42,195 km) und Halbmarathon (21,1 km) zu erfahren: www.frielingsdorf-datenservice.de

Einwurf: Entscheidung war richtig

andreas.dach@rga.de

Die Meinung von Andreas Dach

Natürlich fehlten die aufgeregten Kinder. Die anfeuernden Eltern. Die Sportlerinnen und Sportler, die sich ausgelassen in den Armen liegen. Die vielen Zuschauer an der Strecke. Die Gruppenstarts. Röntgenlauf ist eben Röntgenlauf. Der wird mit seinen Besonder- und Schönheiten immer einen herausragenden Stellenwert im Remscheider Sport haben.

Dass es diesmal „nur“ der Zeitenwendelauf war – und damit eine Light-Version – mag durchaus vereinzelt für Enttäuschung gesorgt haben. Aber es war wichtig und richtig, dass der Röntgensportclub diesen Schritt gegangen ist. Um zu zeigen: Wir sind noch da. Uns gibt es noch.

Ein weiteres Jahr ohne große Laufveranstaltung am letzten Sonntag des Oktobers in Hackenberg hätte dem Röntgenlauf möglicherweise irreparable Kratzer zugefügt. So können sich alle auf 2022 freuen. Mit Kindern, Eltern, Umarmungen.

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