An der frischen Luft mit . . . Ralf „Howie“ Paasch

Die Kugeln sollen bald wieder rollen

Auch an der Eschbach-Talsperre ist Ralf „Howie“ Paasch ein perfekter Gastgeber.
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Auch an der Eschbach-Talsperre ist Ralf „Howie“ Paasch ein perfekter Gastgeber.
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Der Remscheider Ralf „Howie“ Paasch liebt Football und Fußball.

Von Peter Kuhlendahl

Auch das Abschlussselfie durft beim Spaziergang von Ralf „Howie“ Paasch (l.) und RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl nicht fehlen.

Es sollte doch nur ein Spaziergang um die Eschbach-Talsperre werden. Braucht man da einen Rucksack, um sich auf den knapp drei Kilometer langen Weg zu machen? Nachdem Ralf „Howie“ Paasch auf dem Parkplatz aus dem Auto gestiegen ist, schnallt er sich einen auf den Rücken. Und auf den fragenden Blick antwortet er mit einem Grinsen: „Wir müssen schließlich auch mal eine Kaffeepause machen. Da kommt doch gleich ein netter Platz mit Tischen und Bänken.“

Der 61-jährige Remscheider kennt sich aus an der Talsperre. Hier ist er auch oft mit Lebensgefährtin Annette Stursberg, mit der er seit 20 Jahren zusammen ist, unterwegs. Er genießt einfach die Ruhe in der Natur. Kann abschalten von dem Spektakel, das ihn sonst tagtäglich umgibt.

Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die Pandemie über uns hereinbrach. Denn in seinem Bowl Inn an der Haddenbacher Straße in Remscheid rollt seit Monaten keine Bowling-Kugel und fliegen keine Pins. Und auch die Gastronomie inklusive Biergarten waren verwaist. „Das ist natürlich alles sehr bitter. Irgendwie muss man über die Runden kommen“, sagt Paasch, der aber nicht klagt. Auch wenn die finanziellen Überbrückungshilfen auf sich warten ließen. „Aber es gibt Hilfe. Und den Job der Politiker will ich auch nicht machen.“ In der Gastronomie ist der Remscheider seit mehr als 35 Jahren zu Hause. Kennt die Höhen und Tiefen der Branche. Deshalb weiß er nur zu gut, dass seine treuen Kunden bereits mit den Hufen scharren. Wie Dirk Frantzen, der Sohn der Remscheider Fußball-Legende Klaus Frantzen, dem wir auf dem Spaziergang begegnen. „Howie, es wird Zeit, dass du wieder aufmachst“, ruft er ihm im Vorbeigehen zu.

Derweil steht die Kaffeepause bereits nach wenigen hundert Metern an. Bei Temperaturen um 20 Grad und einem herrlichen Blick auf Wasser und Staumauer wie ein kleiner Urlaub. Paasch hat alles dabei. Kaffeekanne, Tassen, Milch und Zucker. Und erzählt aus seinem Leben.

Aufgewachsen ist er in Honsberg. Dort betrieben die Eltern eine Bäckerei. Paasch spielte bei der 1. Spvg. Remscheid Fußball. „Und nur da. Ich konnte doch nirgendwo anders hinwechseln. Mein Vater wäre sonst auf seinen Brötchen sitzengeblieben. So war das damals“, sagt er mit einem Lachen.

Klar war damals dann auch, dass Paasch im väterlichen Betrieb in die Lehre ging. Und ein paar Jahre später hatte er bereits den Meisterbrief in der Tasche. „Leider passten Alt und Jung aber im Betrieb nicht zusammen“, erzählt er nachdenklich. Der Bruch war da, und Paasch hängte alles an den Nagel und wandte sich der Gastronomie zu. „Viele Jahre später haben wir uns dann ausgesprochen.“

Anfang der 1980er-Jahre entdeckte der Fußballer dann den American Football für sich. „In Düsseldorf und Köln gab es ja die ersten Teams.“ Und dann auch in der Nachbarstadt Solingen. Dahin begleitete er einen Kumpel zum Training und wurde gleich „verhaftet“, mitzumachen. Mit den Solingen Steelers spielte er dann in der 2. Bundesliga. „Irgendwann war mir und auch einigen anderen Spielern die Fahrerei nach Solingen bei Wind und Wetter einfach zu lästig.“

Die Idee eines Football-Teams in Remscheid war geboren, die Bergischen Löwen wurden aus der Taufe gehoben. Paasch war eines der Gründungsmitglieder. Die erste große Zeit der uramerikanischen Sportart in Remscheid war angebrochen. Das Team spielte in der 90er-Jahren in der 2. Bundesliga, klopfte immer mal wieder in der 1. Liga an und zog die Massen ins Stadion Reinshagen. „Bis Unstimmigkeiten zum Ende des Vereins führten. Die Streitigkeiten um den Clubnamen wurden sogar vor Gericht ausgetragen“, erinnert sich Paasch kopfschüttelnd.

Als ehemalige Löwen dann Ende der 90er-Jahre den AFC Remscheid Amboss gründeten, engagierte sich auch Paasch. Und blieb dem Verein bis heute eng verbunden. Das Bowl Inn ist längst zum Anlaufpunkt der Footballer geworden, die dort nicht nur den Super Bowl zelebrieren. So ist Paasch auch eng am Team dabei. Und vor nicht allzu langer Zeit sorgten motivierende Worte während der Halbzeitpause eines Spiels des Amboss in der Kabine für einen positiven Effekt.

Neben dem Football ist aber auch der Fußball seine große Leidenschaft. Und da insbesondere Borussia Mönchengladbach. Zwar schafft er es so gut wie nie, Spiele der Gladbacher am Wochenende im Borussia-Park zu verfolgen, da dann im Bowl Inn Hochbetrieb herrscht. „Aber manchmal klappt es zumindest in der Woche bei den Europapokalspielen.“

„Wer Schmähgesänge gegen andere Clubs anstimmt, fliegt sofort raus.“

Ralf „Howie“ Paasch
Howie Paasch genießt immer wieder gerne die Ruhe an der frischen Luft.

Nach dem jüngsten Abschneiden der Borussia in der neuen Saison zwar nicht, aber der Fußball spielt auch in seinem gastronomischen Betrieb eine große Rolle. Auf der Bowling-Bahn richtet er Meisterschaften für Fan-Clubs aus. Dabei gibt es aber eine eiserne Spielregel: „Wer Schmähgesänge gegen andere Vereine anstimmt, fliegt sofort raus.“ Dass dies keine leeren Worte sind, haben schon einige erfahren, die dann auch nicht mehr wiederkommen dürfen. Die schönsten Momente gibt es bei diesen Turnieren dann für den Gladbach-Fan am späten Abend. „Dann liegen sich alle in den Armen, singen kölsche Lieder und lassen den FC hochleben“, erzählt er lachend.

Konsequent ist er auch bei anderen Dingen. „Howie“ Paasch hatte noch nie ein Handy oder Smartphone und will auch nie eins haben. Auch von den sozialen Medien hält er nichts. „Wer zu mir zum Bowling kommt, kann sein Handy freiwillig bei mir abgeben. Dafür gibt es dann einen Schnaps aufs Haus.“ So hat er schon Weihnachtsfeiern von Gruppen erlebt, die zunächst völlig verunsichert waren, nachdem sie alle Geräte abgeben haben. „Dann haben sie die Zeit genossen.“

Fast am Ende der Runde kommt Paasch noch auf eine Sache zu sprechen, die ihm sehr am Herzen liegt. Vor einigen Jahren hatte er Schülerinnen und Schüler mit Handicap der Hilda-Heinemann-Schule aus Lennep auf der Bowling-Bahn zu Gast. „Es war eine Freude zu sehen, welchen Spaß die Kinder hatten.“ Als eine Einladung dann aber an bürokratischen Hürden scheiterten, gründete er einen Förderverein. Jetzt bowlen sie regelmäßig auf seine Einladung bei ihm. „Es ist unglaublich, welche positive Entwicklung sie nehmen.“

Auch darauf freut sich Paasch, wenn sich das Leben wieder in halbwegs normalen Bahnen bewegt. Und wieder auf ordentlich Remmidemmi in seinem Betrieb. Ab diesem Dienstag kann er seinen Bowl Inn endlich wieder öffnen. Zum Entspannen geht es dann auch wieder an die Talsperre.

Serie

Seit Mitte November des vergangenen Jahres spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin und auch Funktionären um die Eschbach-Talsperre in Remscheid. Bislang waren dabei Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Baus, Horst Mettler, Yannick Peinke und Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke, Tiberius Jeck, Lothar Steinhauer, Jürgen Schmitz Anne Ueberholz, Henning Weber, Jörg Musset, Lena Henning, Stephanie Probst Ralf Hesse, Arnd Bader, Caro Reinert und nun Ralf „Howie“ Paasch.

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