An der frischen Luft mit . . .

Die Kraft holt sich Klaus Kreutzer bei der Familie

Der tägliche Radsport hat ihn jung gehalten. Jedenfalls sieht man Klaus Kreutzer nicht an, dass er im November dieses Jahres bereits 71 wird. Fotos (3): Andreas Dach
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Der tägliche Radsport hat ihn jung gehalten. Jedenfalls sieht man Klaus Kreutzer nicht an, dass er im November dieses Jahres bereits 71 wird.
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Der Radsportler hält dem RV Adler seit 57 Jahren die Treue.

Von Andreas Dach

Das Lächeln danach: RGA-Sportredakteur Andreas Dach und Radsportler Klaus Kreutzer (v.l.) hatten sich viel zu erzählen.

Wie kennen ihn als kreativen Kopf des Oktoberfests in Lennep. Als Mann, der das Meckern zu seinen Hobbys zählt. Als knallharten Geschäftsmann (Inhaber zweier Sanitätshäuser), als herzensguten Familienmenschen, als nicht immer diplomatisch, als Ehrenamtler, als Lennep-Liebhaber. Klaus Kreutzer scheut sich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen und bei seinen Vorhaben auch gerne schon einmal anzuecken. So ist der 70-Jährige, und so will er sein. Doch der in der Remscheider Fabricius-Klinik geborene Vorsitzende des Verkehrs- und Fördervereins ist noch mehr – er ist Radsportler. Hat Rennen gewonnen, ist seit 57 Jahren Mitglied des RV Adler Lüttringhausen und sitzt täglich 60 Kilometer im Sattel. Meist nach Feierabend.

Das wussten Sie nicht? Na, dann ist es ja gut, dass wir uns mit Klaus Kreutzer zu einem Spaziergang an der Remscheider Talsperre verabredet haben. Um in Ruhe über sein Leben zu plaudern. Über das, was ihn antreibt und über das, was ihn ärgert. „KK“ ist mit dem Radl da. Und bereit, seinen fahrbaren Untersatz drei Kilometer weit neben sich her zu rollen. Motto: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt . . .

Jaaaaaa! Klaus Kreutzer siegt 1967 beim Straßenrennen in Lüttringhausen mit dem Zieleinlauf in der Klausener Straße.

Zu gerne hätte er uns zu einer Mountainbiketour überredet. „Sollen wir nicht an der Wuppertalsperre fahren“, hatte er nach unserer Anfrage geantwortet. Den Gefallen können wir ihm nicht tun. Schließlich muss die Unterhaltung ja aufgezeichnet werden. Was bei zwölf Kilometer über Stock und Stein nahezug unmöglich ist. Als gehen wir lieber schön gemütlich um die Eschbachtalsperre. Mit Radsportler Kreutzer auf Schusters Rappen.

Was auffällt: Unser Begleiter wirkt entspannt, ausgeglichen. Was der Sport so alles möglich macht . . . Der gelernte Medizintechniker hat den Puls runtergefahren. Anders als sonst, wenn er als streitbarer Vorkämpfer für Lenneper Belange gerne schon mal auf 180 ist, wie man so schön sagt. Jetzt ist Natur angesagt, Talsperre, Entspannung.

Dass die Familie ihm den Halt für sein tägliches Schaffen gibt, wird schon auf den ersten Metern klar. Ehefrau Elke, die Töchter Kathrin und Kristina, die Enkel Karlo und Oskar – wenn von ihnen die Rede ist, strahlt er über das ganze Gesicht. Dann wird er der weiche Klaus Kreutzer, der gerne erzählt, wie er seine Elke erobert hat: „Das war eine kuriose Geschichte.“ Beim Stammtisch in einer Lenneper Kneipe stellte ihm ein Kumpel seine Schwester vor, die spätere Frau Kreutzer. „Sie passte in mein Beuteschema“, gibt er grinsend zu, der seine spätere Liebste als „blitzgescheit“ und versehen mit einer „ruhigen und besonnenen Art“ beschreibt. Es dauerte, bis er sie erobert hatte. „Ich musste hart kämpfen“, sagt er. „Sie war damals erfolgreich als Frontsängerin in einer Band unterwegs und hatte wenig Zeit.“

Kleiner Mann und großes Fahrrad: Kreutzer an der Schreverheide.

Doch Kreutzer ist ausdauernd. Nicht nur auf dem Rad. Wenn er etwas will, dann tut er etwas dafür. Im August 1978 wird geheiratet. Nicht viele Paare schaffen es heutzutage noch, einen solch langen Zeitraum gemeinsam zu gestalten und zu genießen. Kreutzer schwärmt: „Wir sind in unserer gesamten Ehe Tandem gefahren, obwohl meine Frau weder mit dem Rad noch mit dem Motorrad unterwegs ist.“

Womit wir endgültig bei der sportlichen Leidenschaft angekommen sind. Dem Radsport. Schon als Kind zeigt Klaus Kreutzer die Ausdauer, die im Sattel unerlässlich ist. Sein Vater möchte nicht, dass er diesen Sport betreibt. Doch der Ur-Lenneper, wie er sich gerne bezeichnet, ist hartnäckig. Bleibt am Ball. Oder, um ein anderes Bild zu bedienen, am Rad. Inzwischen ist er seit bald 60 Jahren Mitglied des RV Adler Lüttringhausen. „Meines Wissens sind nur Horst Lepperhoff und Hermann Klein noch länger dabei“, sagt er. Sein erstes Rad hält er stolz in der Schreverheide in den Händen. Es sollen noch einige folgen. Die Altigs, Junkermanns und Wolfshohls, Radsportstars früherer Tage, faszinieren ihn. Um die Tour de France im Fernsehen zu schauen, muss er zu Kumpels nach Lüttringhausen gehen: „Dort hatte man einen besseren Empfang als bei uns im historischen Stadtkern in der Pastoratstraße.“

Schon im Alter von 16 Jahren bringt er ein Querfeldeinrennen im Lenneper Stadtwald auf den Weg, ärgert sich aber, dass er dort nur Vierter wird. Es folgen noch einige Veranstaltungen, bei denen er sich beweisen kann. „Zwischen 1964 und 1971 war ich am erfolgreichsten“, erinnert er sich. Er siegt bei einigen Querfeldeinrennen, 1967 bei einem Straßenrennen der Jugend A in Lüttringhausen. „Ich war nie der Sprinter, immer eher der Bergfahrer“, stellt er heraus. Ein Höhepunkt ist Platz sieben bei der DM im Mannschaftsfahren mit Herbert Grothe, Hans-Georg Laumert und Rudolf Hahn.

„Beim Radfahren kommen mir die besten Ideen!“

Klaus Kreutzer, Adler-Radler

So sind auch heute die täglichen 60 Kilometer über die Trasse nach Marienheide und zurück für ihn kein Problem. „Beim Radfahren“, merkt Kreutzer an, „kommen mir die besten Ideen.“ Zu denen gehört es, sich unbedingt noch einen Traum erfüllen zu wollen. Der leidenschaftliche Motorradfahrer möchte mit seiner BMW 1200 GS die jugoslawische Adriaküste runter und die italienische Adriaküste wieder rauf fahren. Doch dazu braucht er Zeit, welche er offenbar (noch) nicht hat: „Im vergangenen Jahr bin ich genau zwei Kilometer gefahren. Zum TÜV und wieder zurück.“ Fürs Motorradfahren begeistert hat er sich erst relativ spät. „Mit 50 Jahren war ich in der Midlife-Crisis“, sagt er. „Da habe ich meine Frau gefragt, ob ich mir eine Freundin suchen oder ein Motorrad holen soll.“ Seine Elke fand die Idee mit der BMW besser . . .

Wer sein Fahrrad liebt . . . Klaus Kreutzer an der Talsperre.

Normalerweise gehören auch Schäferhunde zu den großen Hobbys des Klaus Kreutzer. Der letzte, Kalle, musste im März dieses Jahres eingeschläfert werden. Seitdem ist die Familie ohne Vierbeiner. Auf Dauer? „Es wird sich zeigen, ob wir es ohne Hund aushalten werden“, mag sich der 70-Jährige nicht festlegen.

Hingegen legt er sich gegen Ende unserer Runde fest: „Das hat Spaß gemacht.“ Uns auch. Erfahren wird doch noch, dass er durchaus stolz darauf ist, ein Dickkopf zu sein: „Ich verstehe darunter, dass ich beharrlich an meinen Prinzipien festhalte.“ Und dass er gerne den Finger in die Wunde legt: „Aber nicht um eine Wunde aufzureißen, sondern um die Blutung zu stillen.“

Klaus Kreutzer, manchmal grenzüberschreitend, aber dabei irgendwie immer auch berechenbar, schwingt sich auf sein Rad. Endlich wieder ab an den Lieblingsort – in den Fahrradsattel. Den Helm hat er ohnehin während des kompletten Spaziergangs nicht abgelegt. Ein kurzer Antritt, dann ist er verschwunden. Zurück nach Lennep in sein Geschäft in der Kölner Straße. Dorthin, wo er gebraucht wird. Mit dem guten Gefühl, dass seine Töchter irgendwann in seine Fußstapfen treten werden. Aber nicht als Radsportlerinnen . . .

Serie

Seit November des vergangenen Jahres spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler, einer Sportlerin oder Funktionären um die Remscheider Talsperre. Bislang dabei: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Bauss, Horst Mettler, Yannick Peinke und Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke, Tiberius Jeck, Lothar Steinhauer, Jürgen Schmitz, Anne Ueberholz, Henning Weber, Jörg Musset, Lena Henning, Stephanie Probst, Ralf Hesse, Arnd Bader, Caro Reinert, „Howie“ Paasch, André Berger, Andrew Lux und nun Klaus Kreutzer.

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