Fußball

Die Klausener nehmen den Kampf an

Nach seinem Einsatz als Nikolaus stand Gerd Kirchhoff am Montagabend der RGA-Sportredaktion im Vereinsheim des 1. FC Klausen Rede und Antwort. Foto: Peter Kuhlendahl
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Nach seinem Einsatz als Nikolaus stand Gerd Kirchhoff am Montagabend der RGA-Sportredaktion im Vereinsheim des 1. FC Klausen Rede und Antwort.
  • Peter Kuhlendahl
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Gerd Kirchhoff, der 1. Vorsitzende, hofft, dass der Kunstrasen am Blaffertsberg doch Realität wird.

In der Adventszeit sind Sie gerne als Nikolaus unterwegs, der bekanntlich auch Wünsche erfüllt. Was wäre Ihr größter Wunsch für Ihren Verein?
Gerd Kirchhoff: Allerdings. Das mache ich ja seit vielen Jahren bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen. Und mein Wunsch für unsere Anlage ist, dass sie endlich grün wird. Bedeutet, dass wir doch einen Kunstrasenplatz bekommen müssen.
Weil der 1. FC Klausen sonst von der Bildfläche verschwinden würde?
Kirchhoff: Das wird er nicht. Wer uns Klausener kennt, weiß, dass wir mit allen Mitteln dafür kämpfen werden.
Vor einiger Zeit wurde der Sportentwicklungsplan für die Stadt Remscheid vorgestellt. Der Gutachter sah da keinen Bedarf, die Anlage am Blaffertsberg mit einem Kunstrasen zu versehen.
Kirchhoff: Dieser Professor von der Uni-Wuppertal, der nie einen Fuß auf irgendeine Anlage gesetzt hat. Meine Vorstandskollegen und ich sind da zum ersten Mal richtig böse geworden. Mittlerweile musste der Gutachter auch wieder zurückrudern. Jetzt haben wir im Sportausschuss einen Begleitantrag gestellt und sind so wieder im Gespräch und quasi in der Verlosung.
Schildern Sie doch noch einmal, warum ein Kunstrasen für die weitere Existenz so wichtig ist.
Kirchhoff: Dafür eignet sich eine Situation, die sich vor kurzem ereignet hat. Eine Mutter kommt mit ihrem Sohn, der gerne bei uns spielen würde. Sie sieht unseren Aschenplatz und macht auf dem Absatz kehrt. Ihr Kind könnte sich ja auf dem Platz verletzen. So ist die Generation nun einmal. Das war früher natürlich anders.
Sie ist dann also zur Konkurrenz gegangen.
Kirchhoff: Mit unserer Lage an der Stadtgrenze zu Wuppertal sind wir quasi umzingelt. Der erste Platz, der zum Kunstrasen wurde, war der des TSV Ronsdorf. Also sind da alle hin. Dann gab es auch einen in Linde. Und schließlich der Jahnplatz. Wobei es mir bis heute ein Rätsel ist, wie das so schnell und überhaupt gehen konnte, weil die Anlage ja unter Denkmalschutz steht.
Gibt es einen Zeitplan, um den großen Wunsch des Vereins umzusetzen?
Kirchhoff: Der 1. FC Klausen wird 2024 75 Jahre alt. Es wäre ein schönes Geschenk für dieses besondere Jubiläum.
Was kann der Verein selbst tun, um das zu realisieren?
Kirchhoff: Eines vorab: Wir sind absolut schuldenfrei und werden das auch bleiben. Entsprechend wird sich der finanzielle Eigenanteil in Grenzen halten. Wir setzen bei der Realisierung auf Muskelkraft. Wie ja jetzt auch auf der Anlage, die 1974 in das Eigentum der Stadt übergegangen ist. Seit Mitte der 80er-Jahre betreiben wir sie nun in Eigenverantwortung.
Was muss der Verein denn bis zu einer möglichen Realisierung tun?
Kirchhoff: Wir haben in der Vergangenheit einfach den Fehler gemacht, dass wir viele Aktionen, die wir ins Leben gerufen und umgesetzt haben, zu wenig beworben haben.
Können Sie da Beispiele nennen?
Kirchhoff: Wir sehen uns als wichtige soziale Komponente in der Quartiersarbeit vor Ort. Dazu gehören Kooperationen mit Kitas und Schulen. Außerdem kicken bei uns viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Und bei uns sind alle die willkommen, die bei anderen Vereinen den sportlichen Ansprüchen nicht genügen. Außerdem haben wir uns beim Sportbund für die mobile Sportbox 2022 beworben. Damit wollen wir ein Angebot an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der benachbarten Firmen im Industriegebiet Großhülsberg richten, sich sportlich auf unserer Anlage zu betätigen. Zudem wollen wir eine Walking-Fußball-Abteilung aufbauen.
In erster Linie ist der 1. FC Klausen ein Fußball-Club. Da spielen Sie mit der 1. Mannschaft nur in der Kreisliga B.
Kirchhoff: Unser sportliches Ziel ist ganz klar der Aufstieg in die Kreisliga A. Allerdings setzen wir da überhaupt keinen unter Druck. Die Saison ist bisher zwar noch nicht so gelaufen, wie wir es uns erhofft haben. In meinen Augen können wir es aber in der Rückrunde noch schaffen. Und wenn es nicht klappt, versuchen wir es in der neuen Saison eben wieder. Auch im sportlichen Bereich sind wir Klausener Kämpfer.
Sie selbst sind wieder beziehungsweise weiter als Schiedsrichter aktiv. Obwohl Sie die Pfeife 2017 eigentlich an den Nagel gehängt hatten. Wie kam der Sinneswandel?
Kirchhoff: Mein Arzt hat mir damals quasi geraten, weiter zu machen. Ich hatte aufgehört, weil ich mich 2016 mit meiner Firma für Bauelemente selbstständig gemacht habe. Da konnte ich mir einfach nicht leisten, wegen einer Verletzung auszufallen. Also habe ich das Spielen bei den Alten Herren und mein Schiedsrichteramt aufgegeben. Ein halbes Jahr später habe ich dann einen Bandscheibenvorfall gehabt, weil ich nach Jahrzehnten keinen Sport mehr gemacht hatte. Die Aufgabe als Schiedsrichter hat mir immer Freude und Spaß gemacht, und ich bewege mich dabei auf den Plätzen.
Sie haben am vergangenen Sonntag das Spitzenspiel in der Kreisliga A zwischen Struck und Hackenberg gepfiffen. Die Strucker waren wegen der in ihren Augen langen Nachspielzeit, in der der Ausgleich fiel, stinksauer. Da hält sich der Spaß in Grenzen, oder?
Kirchhoff: Der Ärger perlt nach den vielen Jahren einfach ab. Und zur Nachspielzeit. Es hat auf beiden Seiten insgesamt sieben Wechsel gegeben. Alleine dafür kommen schon fast vier Minuten Nachspielzeit zusammen. Und dann gab es noch die üblichen Spielverzögerungen.
Sie sind außerdem als Mitglied des Bezirkssportgerichts aktiv. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?
Kirchhoff: Das mache ich jetzt bereits seit neun Jahren. Mein damaliger Schiedsrichterkollege Jürgen Koppka hatte mich gefragt, ob ich seine Nachfolge antreten möchte. Mich hat das immer interessiert. Ich habe es zunächst kommissarisch gemacht und bin später dann vom Verband bestätigt worden.
Kommt Ihnen da gelegen, dass Sie ein Mann der deutlichen Worte sind und immer eine klare Kante zeigen?
Kirchhoff: Wer mich kennt, weiß, dass ich mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg halte und, wenn mir etwas nicht passt, das auch deutlich zur Sprache bringe. Meine Kollegen im Sportgericht meinen mit einem Augenzwinkern auch, dass ich so etwas wie ein Scharfrichter sei.
Und sind Sie es?
Kirchhoff: Ich lasse mir da von keinem was vormachen. Und die Strafen muss man schon spüren.
Wie jüngst ein Spieler des Bezirksligisten SSV Bergisch Born, der rückwirkend für eine Tätlichkeit an seinem Gegenspieler für insgesamt 20 Spiele gesperrt wurde.
Kirchhoff: Grundsätzlich sprechen wir nur Spiel- und keine Zeitstrafen aus. Eine monatelange Sperre beispielsweise in einer dreimonatigen Winterpause abzusitzen, macht ja nun gar keinen Sinn. Der Borner war zudem kein unbeschriebenes Blatt. Und die Aussagen des Gegenspielers und auch des Schiedsrichters waren eindeutig und sehr glaubhaft.

Zur Person

Gerd Kirchhoff wurde am 10. November 1962 in Remscheid geboren und hat immer in Lüttringhausen gelebt. Der Inhaber einer Firma für Bauelemente ist seit 35 Jahren verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn. Seit seinem sechsten Lebensjahr ist er Mitglied des 1. FC Klausen, für den er – mit einem Jahr Unterbrechung bei der 1. Spvg. Remscheid – bis vor einigen Jahren selbst aktiv war und dessen Vorsitzender er ist.

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