Wasserball

Die ganz großen Zeiten des Wasserballs sind vorbei

Der Remscheider Wasserballtrainer Peter Backes ist Realist, wie um die Zukunft seiner Sportart bestellt ist. Archivfoto: Holger Battefeld
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Der Remscheider Wasserballtrainer Peter Backes ist Realist, wie um die Zukunft seiner Sportart bestellt ist. Archivfoto: Holger Battefeld
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Peter Backes, der Trainer der SG RSV/LTV, möchte in Remscheid bald wieder am Beckenrand stehen.

Von Peter Kuhlendahl

Herr Backes, wir nähern uns einem denkwürdigen Datum. Anfang März 2020 haben Sie mit Ihrem Team das letzte Meisterschaftsspiel in der Bezirksliga bestritten. Wie sehen Sie die Situation ein Jahr später?

Peter Backes: Es ist sehr schade, dass ein so langer Zeitraum ohne Spiele verstrichen ist. Aber es gibt in unserer Gesellschaft ganz andere Probleme, die durch die Pandemie und den monatelangen Lockdown entstanden sind. Fragen Sie beispielsweise mal bei Geschäftsinhabern, Gastronomen oder bei Mitarbeitern in der Reisebranche nach. Da haben wir Wasserballer überhaupt keinen Grund zur Klage.

Was ist in den letzten zwölf Monaten aus sportlicher Sicht bei der SG RSV/LTV passiert oder eben auch nicht?

Backes: Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr letzten Jahres wurde natürlich auch das Sportbad am Park in Remscheid geschlossen. Bis zwei Wochen vor den Sommerferien ging da nichts. Dann öffnete es wieder, und wir konnten trainieren. 14 Tage. Aufgrund der Ferien ist es dann erneut geschlossen worden. Mitte August ging es schließlich richtig los.

Aber nur mit dem Training, oder?

Backes: Richtig. Unsere Meisterschaftsrunde beginnt immer im November. Darauf wollten wir uns vorbereiten. Und im Oktober die ersten Testspiele bestreiten. Aber dazu ist es dann ja gar nicht mehr gekommen.

Haben Sie mit Ihren Schützlingen in den vergangenen Monaten dann wie Teams anderer Sportarten auch Trainingseinheiten per Videokonferenzen abgehalten?

Backes (lacht): Sagen wir es mal so. Es ist ja eine sehr erfahrene Mannschaft. Natürlich hatten wir untereinander Kontakt. Aber fit hält sich jeder individuell.

Sie sprachen gerade indirekt über das Alter Ihrer Schützlinge. Droht die Gefahr, dass der eine oder andere seine sportliche Karriere nun beendet?

Backes: Nein. Wenn wir wieder ins Bad dürfen, werde ich mit Sicherheit alle Aktiven begrüßen dürfen.

Einen Blick in die Glaskugel kann keiner werfen. Aber gibt es bereits irgendwelche Szenarien, wie es weitergehen könnte?

Backes: Das ist und bleibt natürlich schwierig. Sicher bin ich mir, dass in diesem Jahr die Meisterschaftsrunde im November losgehen könnte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Überlegungen gibt, die nun vorzuziehen. Darauf werden wir uns dann in aller Ruhe vorbereiten. Wenn wir wieder dürfen. Da das Wasserballspiel sehr anspruchsvoll ist, brauchen wir auch alle eine entsprechende Anlaufzeit.

Wer mal ein Wasserballspiel live gesehen hat, bekommt oft nicht mit, was im oder gerade auch unter Wasser passiert. Da geht es ordentlich zur Sache. Ist dies auch ein Grund, warum es kaum Nachwuchs gibt?

Backes: Nachwuchsprobleme hat bekanntlich doch jede Sportart. Wasserball aber ganz besonders. Vor einigen Jahren gab es im Remscheid zum Beispiel vier Vereine, in denen auch mit einigen Nachwuchsteams gespielt wurde: beim Remscheider SV, bei den Waspo, beim Lüttringhauser TV und beim Lenneper SV. Übrig geblieben sind nur wir als Spielgemeinschaft.

Haben Sie Hoffnung, dass sich daran noch einmal etwas ändert?

Backes: Ich bin auch da Realist. Die großen Zeiten des Wasserballs in Deutschland sind vorbei und kommen auch nicht wieder. 1981 waren wir zum letzten Mal Europameister. Vor einiger Zeit habe ich das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele verfolgt. Die Nationalmannschaft hat jedes Spiel sang- und klanglos verloren. Und das nicht einmal gegen große Wasserballnationen. Deutschland fehlt damit wieder bei dem Ereignis, das für die Randsportarten am wichtigsten ist.

Sie sind dem Wasserball seit vielen Jahrzehnten eng verbunden. Zunächst selbst als Bundesligaspieler, dann als Trainer. Hat es in den vergangenen Monaten des Lockdowns Überlegungen gegeben, Ihr Engagement zu beenden?

Backes: Nein. Zu keinem Zeitpunkt. Ich bin jetzt seit 40 Jahren Trainer. Und es sollen, solange ich fit bleibe, noch einige dazukommen. Allerdings nur in Remscheid. Ich war ja auch 23 Jahre Auswahltrainer im Nachwuchsbereich und auch Fachwart. Aber das ist Geschichte.

Es würde Ihnen also einfach etwas fehlen.

Backes: Allerdings. Und wie sich das anfüllt, weiß ich ja auch seit letztem Jahr. Ich bin zum 1. April in den beruflichen Ruhestand gegangen. Nach mehr als 30 Jahren als Diplom-Ingenieur bei der Firma Thyssen. Es war übrigens, so schmerzlich es sich auch für meine damaligen Kollegen anhört, zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben in erster Linie für die Luftfahrtindustrie produziert. Das ist ja dann alles weggebrochen und ab Mai waren fast alle in Kurzarbeit.

Haben Sie sich schon an Ihren neuen Lebensabschnitt gewöhnt?

Backes: Das macht es in den Zeiten des Lockdowns natürlich nicht leichter. Es war schwierig, eine Struktur in den Alltag zu bekommen. Außerdem hatten meine Frau und ich uns vorgenommen, viel zu reisen. Keine langen und großen Touren. Fünf oder sechs Mal im Jahr für eine Woche. Aber das ging bisher bis auf einen kleinen Zeitraum im letzten Jahr auch nicht. Aus sportlicher Sicht vermisse ich außerdem das Fitness-Studio des Remscheider SV am Fürberg. Dort war ich regelmäßig bis zum Lockdown. Jetzt unternehmen meine Ehefrau und ich halt sehr viele Spaziergänge.

Zur Person

Peter Backes wurde am 17. Dezember 1954 in Remscheid geboren und lebt dort. Er ist seit 42 Jahren mit Ehefrau Charlotte verheiratet. Die gemeinsamen Söhne Markus und Michael sind sportlich in die Fußstapfen des Vaters getreten. Backes hat als Diplom-Ingenieur bis zu seinem Ruhestand im April letzten Jahres die Großschmiede für Turbinenschaufeln bei der Firma Thyssen geleitet. Er hat beim SC Solingen in der Bundesliga gespielt. Dort in Wuppertal und dann in Remscheid ist er seit Jahrzehnten als Trainer im Einsatz.

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