Analyse

Die Ausbildung ist kein Hexenwerk

Der Spaß steht beim Training in den Sportvereinen immer mit ganz weit vorne auf der Agenda.
+
Der Spaß steht beim Training in den Sportvereinen immer mit ganz weit vorne auf der Agenda.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
    schließen

Darum ist es derzeit so schwierig für Vereine, Trainer und Übungsleiter zu finden.

Die Lenneper TG gehört mitgliedermäßig zu den größten Vereinen Remscheids. Entsprechend großzügig ist das Sportangebot, welches der Verein den Mitgliedern macht. Beziehungsweise gemacht hat. In jüngerer Vergangenheit mussten immer mal wieder Kurse ausfallen. Grund: Es fehlen zunehmend Trainer und Übungsleiter. Kein LTG-spezifisches Problem. „Wir erfahren in Schulungen, dass andere ähnliche Nöte haben“, sagen Ben Vieler (Sportmanager), Nelly Illinger-Jansen (Sportmanagerin) und Joleene Ressel (Auszubildende) unisono. Wir beleuchten, woran das liegt. Und welche Möglichkeiten Clubs haben, dem unschönen Trend entgegenzuwirken.

Welchen Einfluss hat die Coronapandemie auf diese personelle Entwicklung?

Gewiss einen enormen. Wer sich einmal von der sportlichen Aktivität zurückgezogen hat, kommt möglicherweise (so schnell) nicht mehr wieder. Das gilt nicht alleine für die Sporttreibenden, sondern genauso auch für das Unterrichtspersonal. Ach, was ist es herrlich, in der Woche keine festen Termine mehr zu haben . . . Oder so ähnlich. Nelly Illinger-Jansen hat beobachtet: „Es hat sich ein anderes Sportverhalten entwickelt. Die Masse tut nicht mehr so viel.“

Warum ist es schwierig, neue Trainer und Trainerinnen, Übungsleiter und Übungsleiterinnen zu gewinnen?

Das könnte durchaus etwas damit zu tun haben, dass viele ein völlig falsches Bild von diesem Tätigkeitsbereich haben. Sie glauben, dass man für eine Kursleitung eine monatelange Ausbildung machen muss. Oder sogar noch mehr. Das ist falsch. „Man muss nicht Sport studiert haben, um in einem Kurs Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Ben Vieler.

Was ist stattdessen die Grundvoraussetzung?

Mit der Übungsleiter-C-Ausbildung ist man bereits berechtigt, die entsprechende Verantwortung zu übernehmen. Das gilt zwar nicht für alle Kurse, aber doch schon für eine Vielzahl. Danach gibt es die Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Wer beispielsweise auch Stunden leiten möchte, die von Krankenkassen zertifiziert sind, muss weitere Qualifikationen hinzufügen.

Wie lange dauert eine solche C-Ausbildung?

Mit sechs bis acht Wochenenden ist man durch. Wie viele es genau sind, hängt auch davon ab, welche Online-Module man nutzt. Mit Gleichgesinnten zu lernen, macht jedenfalls Spaß. Alles endet in einer Lehrprobe. Gewiss kein Hexenwerk. Zu einer eigentlichen Prüfung kommt es nicht. Die Inhalte der Ausbildung sind sehr vielfältig. Von anatomischem Wissen über Rechts- und Versicherungsfragen bis hin zum Verhalten bei Sportverletzungen.

Was kostet die Ausbildung?

Joleene Ressel, Ben Vieler und Nelly Illinger-Jansen (v.l.) freuen sich über Verstärkung im Übungsleiterteam.

Sie kostet 400 Euro. Ob der Verein sie (zum Teil) übernimmt, ist von Club zu Club unterschiedlich. Bei der Lenneper TG ist die Übernahme an eine zweijährige Tätigkeit des neuen Übungsleiters geknüpft. Wird die Arbeit vorzeitig beendet – zum Beispiel nach einem Jahr – dann muss der neue C-Lizenzinhaber die Hälfte der Kosten selbst übernehmen. Für die Gültigkeit der Lizenz ist eine Auffrischung in vierjährigem Rhythmus Vorschrift. Das ist dann allerdings an schon einem Wochenende erledigt.

Wie alt sollten neue Trainer/Übungsleiter sein?

Ab einem Alter von 18 Jahren ist es möglich, Gruppen zu übernehmen. Hinten heraus sind kaum Grenzen gesetzt. Auch 65-Jährige, die vielleicht ihr Leben lang Sport getrieben und jetzt durch den Eintritt in die Rente plötzlich viel mehr Zeit haben, sind genauso geeignete Kandidaten. Wichtig sind eine Affinität zum Sport und eine Begeisterung für den Umgang mit Menschen wie auch kommunikative Fähigkeiten. Dabei darf man durchaus Wünsche äußern, was Inhalte (vom Schwimmen bis zum Kinderturnen, vom Reha- bis zum Gerätesport) angeht. Die Angebote richten sich auch an Firmen, Altenheime und alle Lenneper Grundschulen. Auch über die Intensität, wie und wie oft man einsteigen möchte, sind die Verantwortlichen der Vereine – in diesem Fall auch die LTG – immer gesprächsbereit.

Lernt man als Trainer auch andere Übungsleiter kennen? Gibt es vielleicht sogar einen Austausch?

Das ist nicht nur möglich, sondern auch gewollt. Bei den Lennepern gibt es beispielsweise auch gemeinsame Fortbildungen oder Ausflüge, meist mit sportlichem Charakter. Drachenbootfahren, Adventsfeiern oder Ähnliches. Das Beste: Jeder Übungsleiter kann die Angebote und Kurse kostenfrei nutzen. Bei der LTG mutmaßt man: „Einige müssen wahrscheinlich eine Hemmschwelle überschreiten.“

Gut zu wissen

Beim Bemühen um neue Trainer und Übungsleiter lassen sich viele Wege beschreiten. Unter anderem kann man sich in Trainersuchportalen registrieren. Auch Aushänge in Universitäten können erfolgversprechend sein. Das Sportangebot der LTG soll flächendeckend immer weiter ausgebaut werden.

müssen wir reden

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Amboss-Spiel fällt aus
Amboss-Spiel fällt aus
Amboss-Spiel fällt aus
Auch TuSpo schenkt ab
Auch TuSpo schenkt ab
Mundhenk rettet Sieg
Mundhenk rettet Sieg
Mundhenk rettet Sieg
Das Transferkarussell dreht sich rasant
Das Transferkarussell dreht sich rasant
Das Transferkarussell dreht sich rasant

Kommentare