Fechten

Der Stolz hat in Jörg Thomés Leben keinen Platz

In seinem Element: Jörg Thomé hat viele Fechterinnen und Fechter gefördert und gefordert. Mit großem Erfolg. Archiv-Foto: batte
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In seinem Element: Jörg Thomé hat viele Fechterinnen und Fechter gefördert und gefordert. Mit großem Erfolg.
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Im Gespräch: Jörg Thomé ist seit 50 Jahren als Fechttrainer in Remscheid tätig.

Von Andreas Dach

50 Jahre Fechttrainer in Remscheid, Herr Thomé. Herzlichen Glückwunsch zu einem halben Jahrhundert im Dienste des Sports in dieser Stadt.

Jörg Thomé: Ich weiß noch genau, wie alles begonnen hat. Am 1. November 1971 wurde auf mein Wirken hin beim Remscheider TV eine Fechtabteilung gegründet. Wir wollten das so machen wie die großen Vorbilder in Tauberbischofsheim. Mit Kinderbetreuung und allem drum und dran. Sieben Jahre lang war ich beim RTV tätig, dann bin ich zum RSV gewechselt, wo ich bis heute bin.

Das darf Sie schon ein wenig mit Stolz erfüllen.

Thomé: Mit dem Stolz – das habe ich mir abgewöhnt. Dass es so eine lange Zeit werden würde, konnte man damals beim besten Willen nicht ahnen. Ich habe mit fünf Kindern angefangen, nach einem Jahr waren es schon 18, die ihre ersten Prüfungen absolviert haben und zu Turnieren gefahren sind.

Auch wenn Sie es schon häufig erzählt haben: Wie und warum ist der Ur-Bayer seinerzeit aus den Bergen ins Bergische Land gekommen?

Thomé: Das hatte berufliche Gründe, ich war Ingenieur. Das Fechten habe ich in Landshut gelernt. Der tschechische Nationaltrainer hat mir beigebracht, dass es nicht um Sprüche, sondern um Leistung geht.

Diesen Gedanken haben Sie in Remscheid konsequent verfolgt.

Thomé: Als unglaublich wichtig hat sich das Wohnzimmerfechten entpuppt. Ich bin teilweise fast täglich bei unseren stärksten Fechtern gewesen. Wichtig war, immer dranzubleiben. Und natürlich, dass die Eltern der Sportler mitgezogen haben.

Welches war die erfolgreichste Zeit?

Thomé: Ich würde mal sagen, die war zwischen 1993 und 2005. Wir wurden immer populärer. Auch, was die mediale Wahrnehmung anging.

Nennen Sie doch mal ein paar Namen.

Thomé: Ich denke an die Heuser-Geschwister, Sven und Nadine. An Gudrun Somborn, die es bis zur Teilnahme an der WM geschafft hat. An Sven-Niclas Rick, der Deutscher Meister geworden ist. An Volker Dröse. Und in jüngerer Zeit an Maximilian Mirbach. Es war mir eine Freude, sie alle für eine längere Phase als Trainer zu begleiten. Und damit habe ich längst noch nicht alle genannt. Der viel zu früh verstorbene Peter Prasse und Ralf Wegerhoff – sie fallen mir auch gerade ein.

Was hat den Trainer Jörg Thomé immer ausgemacht?

Thomé: Du musst besessen sein, musst Vorurteile abbauen. Viele wollten Sport, ich immer Leistungssport.

Sie haben überwiegend mit jungen Athleten zusammengearbeitet. Wie haben Sie immer wieder Nachwuchs begeistert?

Thomé: Zum Beispiel mit den Ferienlehrgängen der Stadt. Die haben 25 Jahre im Sommer stattgefunden. Dann mit unseren Turnieren. Mir war es wichtig, dass wir Verantwortung übernehmen. So sind wir mit der Zeit bekannter geworden. Die Aktiven sind aus dem Ruhrgebiet und aus dem Rheinland zu uns gekommen, nicht zuletzt auch aus Belgien. Man kannte Remscheid, man kannte uns, den RSV.

Und heute? Die Zeiten haben sich geändert.

Thomé: Insgesamt ist die Lage durch Corona sehr angespannt. Wenn bundesweit keine Erfolge zu feiern sind und damit keine Wahrnehmung des Fechtsports vorhanden ist, macht sich das auch bei den kleineren Vereinen bemerkbar. Das ist ganz natürlich.

Hinzu kommt, dass Sie gesundheitlich eingeschränkt sind.

Thomé: Meinen Schlaganfall von vor elf Jahren habe ich ganz gut verpackt, habe bereits kurze Zeit später wieder in der Halle gestanden. Aber jetzt quält mich die Hüfte. Ich mache fleißig Physiotherapie, aber ich kann nicht mehr so wie ich will. De facto bin ich seit dem 1. November kein Abteilungsleiter mehr. Ich hoffe sehr, dass Ulrike Sigismund und Götz Koch Verantwortung übernehmen. Mit ihnen laufen Gespräche. Hin und wieder würde ich schon noch in die Halle gehen und ihnen beistehen.

Was macht eigentlich ihr geliebtes Bier?

Thomé: Das ist so wenig geworden, mein Magen ist schon fast pulverisiert.

Aber die Urlaube in Ihrem geliebten Bayern finden noch regelmäßig statt?

Thomé: Aber ja, daran halte ich fest. Früher ging es immer in die Nähe von Berchtesgaden, inzwischen nach Übersee am Chiemsee. Dort treffe ich meine Schwester, die dann aus Wien dorthin kommt.

Und dort plaudert man entspannt über das Leben.

Thomé: Mein Leben ist das Fechten. Wissen Sie, als Sven-Niclas Rick seinerzeit ins DM-Finale eingezogen ist, da hätte ich die ganze Welt umarmen können. Man braucht Idealismus und Visionen. Manchmal schließen sich sogar Kreise. Olympiasieger Benjamin Kleibrink hat als Jugendlicher eins unserer Turniere gewonnen. Inzwischen trainiert er Maximilian Mirbach in Bonn.

Zur Person

Jörg Thomé wurde 4. Juni 1939 in Deutsch Krone (Westpommern) geboren. Schon früh kam er nach Berchtesgaden in Bayern, ehe es weiter ging ins Bergische Land. Mit seiner früheren Frau hat er zwei Kinder und arbeitet seit 50 Jahren als Fechttrainer in Remscheid.

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