Radsport

Der Schweinehund hat keine Chance

Der Gipfelstürmer: Carsten Hausmann auf dem Mont Ventoux.
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Der Gipfelstürmer: Carsten Hausmann auf dem Mont Ventoux.
  • Andreas Dach
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Radsport: Der Lenneper Carsten Hausmann erfüllt sich einen sportlichen Lebenstraum.

Er ist neuerdings Mitglied im „Club der Verrückten“. Was erst einmal nicht unbedingt nach einer Auszeichnung klingt, ist in Wirklichkeit aber eine. Der Remscheider Radsportler Carsten Hausmann gehört seit Mai offiziell dem „Club des Cingles du Mont Ventoux“ an. Was gerne mal nicht ganz so detailgetreu übersetzt wird – siehe oben.

Das hat schon seinen Grund. Man muss wahrscheinlich ein wenig verrückt sein, um diese radsportliche Strapaze auf sich zu nehmen, die den Eintritt in den Club ermöglicht. Voraussetzung dafür ist, den Gipfel des Mont Ventoux (1910 Meter über NN) von drei Seiten aus innerhalb eines Tages hochzuradeln. In Summe sind 4400 Höhenmeter und 137 Streckenkilometer in 24 Stunden zu meistern. Genau das hat Hausmann geschafft und sich damit einen über „viele, viele Jahre gereiften Traum“ erfüllt. Was umso bemerkenswerter ist, als dass der Lenneper 74 Jahre alt ist.

Die gefahrenen Zeiten spielen dabei keine Rolle, weil es sich nicht um einen herkömmlichen Wettkampf handelt. Wichtig ist die Gesamtleistung. Und natürlich, dass regulär gefinisht wurde. Um die Richtigkeit nachweisen zu können, muss eine clubeigene Karte mitgeführt werden, die an vorgegebenen Stellen abgestempelt oder abgezeichnet werden muss. Zudem wird eine Startnummer mitgeführt, die sichtbar am Rad angebracht werden muss.

Schon lange hatte sich der begeisterte Radsportler Carsten Hausmann mit dem Gedanken getragen, den Mont Ventoux zu bezwingen. Er macht gerne mit seiner Frau Urlaub in der Provence, schaute von dort immer wieder auf den Berg mit seiner magischen Anziehungskraft. Dem können sich auch die Radprofis der Tour de France nicht entziehen, die den Mont Ventoux schon oft befahren haben. Mal als Bergankunft am Ende einer Etappe, mal als Überfahrt. Wie zuletzt im Jahr 2021.

„Es stellte sich eine physische und psychische Leere ein!“

Carsten Hausmann, Radsportler

Hausmann hatte sich vor der Herausforderung von seinem Internisten durchchecken lassen und empfiehlt das allen älteren Ausdauersportlern: „Lasst euch regelmäßig untersuchen, um geplante sportliche Leistungen in Angriff zu nehmen.“

Die Bedingungen für die drei Anstiege waren perfekt. Die Temperaturen akzeptabel, Regen gab es nicht, und – ganz wichtig – der Wind blies mäßig. Nebel im baumlosen Gipfelbereich war auch nicht angesagt. Und so legte Hausmann los. Mit dem Wissen, dass Ehefrau Gisela mit dem Auto immer in der Nähe und die Versorgung mit frischem Trinkwasser, Wechselkleidung und einigen Bananen garantiert war. Nachfolgend die drei Anstiege kompakt zusammengefasst.

Erster Anstieg, ab Bedoin: Er gilt als der Schwierigste, weshalb geraten wird, diese 21 Kilometer als Erste in Angriff zu nehmen. Hausmann erreichte den Gipfel nach zwei Stunden, seine Beine fühlten sich nach 1620 Höhenmetern fit an. Trotz guter Bekleidung kam ihm die Abfahrt dann sehr frisch vor.

Zweiter Anstieg, ab Maulaucene: Wieder waren es rund 21 Kilometer, bei diesmal 1570 Höhenmetern. Grad um Grad wurde es wärmer, auf den letzten ambitionierten Steigungen traten erste muskuläre Ermüdungserscheinungen auf. Ohne große Pause ging es wieder hinunter.

Dritter Anstieg, ab Sault: Bevor Hausmann Teil drei der sportlichen Herausforderung anging, gönnte er sich eine Portion Spaghetti. Leider mit zu viel Sahnesoße. Für die 26 Kilometer (1219 Höhenmeter), die nun anstanden, zog er sich noch einmal frische Kleidung an und trug reichlich Sonnencreme auf. Sechs Kilometer vor dem Ende kam dann der Mann mit dem Hammer, wie man in solchen Fällen sagt. Hausmann: „Es stellte sich eine physische und psychische Leere ein.“

Doch er besiegte den inneren Schweinehund, der ihm mehrfach empfohlen hatte, doch einfach aufzugeben. Die mentale Stärke, die er sich über Jahre im Ausdauersport (Marathonläufe, Ultras) angeeignet hatte, kam zu Tragen. Er erreichte den Gipfel. „Körperlich völlig ausgepowert, aber glücklich ohne Ende“, wie er es beschrieb. Ein wahnsinniger Moment. Es war 18 Uhr und der Remscheider nahezu alleine oben auf dem Berg.

Unten, im Ferienort Bedoin, wartete Ehefrau Gisela schon mit leckerem Essen. Doch sein Appetit hielt sich in Grenzen, was sich in den darauffolgenden Tagen ändern sollte. Und die Nacht nach der Tour auf den Mont Ventoux? „Ich habe nicht gut geschlafen. Gefühlt bin ich meinen Berg noch mehrfach hochgeradelt.“ Sein Fazit: „Ich bin stolz und dankbar, so etwas im betagten Sportleralter noch gemacht zu haben. Vielen ist das leider nicht mehr vergönnt."

Noch mehr

Zwei Wochen vor dem dreimaligen Bezwingen des Mont Ventoux hat Carsten Hausmann auf Mallorca am berühmten Radklassiker „Mallorca 312“ teilgenommen. Er hatte kurzfristig einen Startplatz für die kürzeste Distanz (167 km) bekommen und nutzte sie als Generalprobe. Tage danach fuhr er den Calobra-Pass auf Mallorca noch zweimal hintereinander rauf und runter. Auf dem Rückweg vom Mont Ventoux gönnte er sich in den französischen Nordalpen noch den L´Alpe d´Huez. Derzeit hält sich Hausmann mit seinen Kumpels von den Bergischen Jungs zu einem einwöchigen Trainingslager in der Rhön auf.

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