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Der Körper sagt ihr genau, was möglich ist

Knackig kalt, aber ein wunderbarer Tag: RGA-Sportredakteur Andreas Dach und Ines Neumann auf der Sperrmauer. Foto: Andreas Dach
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Knackig kalt, aber ein wunderbarer Tag: RGA-Sportredakteur Andreas Dach und Ines Neumann auf der Sperrmauer.
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An der frischen Luft mit Ines Neumann – Die Wermelskirchenerin hat sich dem Triathlon verschrieben.

Kaiserwetter nennt man das. Der Boden ist schneebedeckt und gefroren, die Sonne scheint, es herrschen Temperaturen von minus 10 Grad. Ein Wintertag vom Feinsten. Ines Neumann schützt sich mit einer Mütze und einem dicken Schal vor der klirrenden Kälte. Dazu setzt sie ein Lächeln auf, das jede Eisfläche schmelzen lässt. Beste Voraussetzungen, um mit einer außergewöhnlichen Sportlerin eine Runde um die Talsperre zu spazieren.

Die 54-Jährige ist im Jahr 1990 nach Wermelskirchen gekommen. Der Liebe wegen. In einem Urlaub am ungarischen Plattensee hatte die Frau aus Friedland (Mecklenburg-Vorpommern) ihr Herz verloren und deshalb die geliebte Heimat verlassen. In Person ihrer Eltern, ihrer Zwillingsschwester Gritta, des großen Bruders Egbert. Was sie nicht wissen konnte: Die Beziehung sollte nicht halten. Nach zehn Jahren trennte man sich, das gemeinsame Haus wurde verkauft.

Dass Ines Neumann danach nicht wieder zu ihrer Familie in den Osten zurückgekehrt ist, hat viel mit ihrem Beruf zu tun. Und wahrscheinlich noch mehr mit dem Sport. Die gelernte Physiotherapeutin hat sich an ihren Arbeitsplätzen stets wohlgefühlt. Erst neun Jahre bei Hermann Rieke („Seine Praxis gibt es nicht mehr“), dann 16 Jahre bei Myriam Schütte-Noll, inzwischen seit vier Jahren bei Thomas Nägel.

Der Kontakt zu Menschen ist ihr Ding. Das Helfen. Das Unterstützen. Das Begleiten. Kurz: Ines Neumann geht in ihrem Beruf auf, arbeitet jeden Tag gerne. Tja, und dann ist da der Sport. Er begleitet sie seit frühesten Kindesbeinen. Der Vater, im Jahr 2016 verstorben, war der Wegbereiter. Er war Handball-Trainer und Funktionär, hat die Kinder überall hin mitgenommen, wo Sport stattfand. So eignete sich Ines Neumann schnell den sogenannten Stallgeruch an.

„Die Basis war das Turnen“, erinnert sie sich an ihre Kindheit. Davon sollte sie in ihrer weiteren sportlichen Laufbahn profitieren. Hat das Geräteturnen doch etwas mit Disziplin zu tun. Und mit Beweglichkeit. Auch heute ist Ines Neumann noch beweglich wie ein junges Mädchen. Wie sie auf dem Rundweg um die Talsperre elegant den paar wenigen Eisplatten unter dem Schnee ausweicht – die Frau scheint nicht zu altern.

Auf das Turnen folgten das Laufen, das Rennradfahren, das Schwimmen. Die Frau aus „Meck-Pomm“ beherrscht alle Facetten des Ausdauersports. So verwundert es nicht, dass sie nach ihrem ersten Triathlon Anfang der 90er-Jahre am Müritzsee Blut leckte. Im Westen war Hückeswagen 1994 ihr Einstieg. Sie erinnert sich noch genau: „Mit einem geliehenen Rad, bei dem der Sattel sich immer löste.“ Trotzdem reichte es für eine gute Platzierung.

Strahlefrau: Ines Neumann hält sich gerne in der Natur auf – in diesem Fall beim Spaziergang um die Talsperre.

Es haben sich Freundschaften gebildet, reichlich sogar. „Der Sport ist wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb ich hier hängengeblieben bin“, sagt Ines Neumann. Ihr offizielles Wochenprogramm erklärt viel: Dienstags und donnerstags geht sie mit Freunden eine Stunde laufen. Montags unterrichtet sie in der VHS („Schon seit 30 Jahren“) Wirbelsäulengymnastik. Wie auch freitags im Fit Inn. In dem Wermelskirchener Fitness-Studio fällt zudem auch Spinning in ihren Verantwortungsbereich. Dass Corona die beiden letztgenannten Sportangebote momentan nicht möglich machen, nimmt ihr nicht ihre Lust auf den Sport. „Heute Abend zum Beispiel“, sagt sie, „treffe ich mich mit Freunden zum Langlauf auf der Trasse.“ Schnee und Frost machen es möglich. Schon vor zwei Wochen ist man von Wermelskirchen mit den Skiern bis nach Lennep gelaufen: „Abends – mit Stirnleuchten!“ Diesmal will man in Löh in die Trasse einsteigen und sich in Richtung Hilgen bewegen.

„Einen weiteren Ironman könnte ich mir noch vorstellen.“

Ines Neumann, Triathletin

Ihre größte sportliche Leidenschaft ist und bleibt der Triathlon. 2011 war ein besonders verrücktes Jahr. Da hat sie sechs Wochen nach dem Ironman in Roth an der Deutschen Meisterschaft über die Langdistanz in Köln teilgenommen. Ihre Zeit: 11:17 Stunden. Wahnsinn. Dass sie zwischen diesen beiden Großereignissen auch noch mit dem Rad am 24-Stunden-Rennen am Nürburgring teilgenommen hat und so nebenbei auch noch den Triathlon in Hückeswagen absolviert hat – Fachleute dürften nur fassungslos mit dem Kopf schütteln. „Ich finde“, sagt Ines Neumann, „man muss immer das tun, womit man sich wohlfühlt. Der Körper sagt dir, was geht und was nicht.“

In ihrer Karriere hat sie erfolgreich bei 13 Ironman-Veranstaltungen gefinished. Das muss es noch nicht gewesen sein: „Einen könnte ich mir noch vorstellen.“ Wahrscheinlich wieder gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Gritta. Sie ist ebenfalls ein Multitalent. Wann immer es möglich ist, nehmen die beiden gemeinsam an Veranstaltungen teil. Im Mai ist die Mecklenburger Seenrunde geplant – knackige 300 Kilometer auf dem Rad. Neumann („Ich bin zehn Minuten älter“) sieht sich nicht als Konkurrentin ihrer Schwester. Ganz im Gegenteil. Man gönnt der anderen den Erfolg. Ines Neumann: „Beim Röntgenlauf hatte ich mal einen schlechten Tag. Da habe ich Gritta gesagt, sie soll alleine weiterlaufen.“

Zweimal hat die Wermelskirchenerin den Marathon beim Röntgenlauf gewonnen. Inzwischen gehört sie meist dem Team der Adler-Radler an, welche die Läufer begleiten: „Das macht auch großen Spaß.“

Ines Neumann lacht viel, lacht gerne. So ist es auch an der Talsperre. Beim Thema Karneval zum Beispiel: „Ich habe schon unsere Physiotherapie-Praxis geschmückt, und der Chef sagt, dass es ihm gefällt.“ Noch mehr entspannen die Gesichtszüge Ines Neumanns, als die Rede von drei Nachbarkindern ist. Die Mädchen sind fünf, acht und neun Jahre alt. „Sie lieben mich“, sagt Neumann, die an der Unterstraße wohnt: „Von dort habe ich einen herrlichen Blick auf die Sengbachtalsperre.“ Mit ihnen treibt sie manchmal Sport („Im vergangenen Jahr waren wir zum Schlittschuhlaufen im Ittertal in Solingen“) oder kocht für sie. Sogar übernachtet hat das Trio schon bei ihr. Für den Abend unseres Spaziergangs lag schon wieder die Anfrage vor: „Hast du Zeit für uns?“ Diesmal muss Neumann nein sagen – sie ist schon zum Langlauf verabredet.

Einen Heimatbesuch mit Abstecher auf die Insel Usedom verbunden

Die Wermelskirchenerin Ines Neumann beim Ironman in Roth. Das Bild ist im Jahr 2017 entstanden.

Die alleine lebende Ines Neumann muss auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Weshalb sie auch jede Möglichkeit nutzt, ihrer Familie einen Besuch abzustatten. Von dort aus geht es dann meist auch für ein paar Tage auf die Insel Usedom – dort ist sie besonders gerne. Dann müssen die vielen Freunde in Wermelskirchen halt mal auf sie verzichten. Auch die vom RV Adler, mit denen sie liebend gerne den Eifel-Marathon per Rad absolviert. Diesmal ist er ausgefallen. Sehr zu ihrem Bedauern.

Das wird noch größer, als sie am Ende des Spaziergangs an der Talsperre das lange Gesicht des begleitenden RGA-Sportredakteurs registriert. Der hat gerade bemerkt, dass er unterwegs einen seiner beiden Handschuhe verloren hat. „Sollen wir noch einmal zurückgehen?“, fragt sie. Nein, nein, ein bisschen Schwund ist immer.

Denkste. . . Am nächsten Tag nutzt Ines Neumann die Mittagspause für eine neuerliche Runde – und findet den Handschuh im Schnee: „Es hat mir keine Ruhe gelassen.“ Danke, Ines Neumann.

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Seit dem 16.11.2020 spazieren wir in jeder Woche mit einem Sportler oder einer Sportlerin um die Talsperre. Wir hatten das Vergnügen mit: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Baus, Horst Mettler, Yannick Peinke/Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff und Ines Neumann.

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