An der frischen Luft mit...

Der Kämpfer hat sein Glück gefunden

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Bei frühlingshaftem Wetter genoss auch Bodo Monschau den Spaziergang um die Talsperre. 
  • Peter Kuhlendahl
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...Bodo Monschau – Der Remscheider Karatelehrer lässt sich nie unterkriegen.

In einem halben Jahr ist es soweit. „Dann bin ich Rentner“, sagt Bodo Monschau mit einem Lachen. Im August wird er 66 Jahre alt. Aber beinahe auf keinen anderen trifft der Kultsong von Udo Jürgens besser zu, als auf ihn. Oder ein wenig abgewandelt. Denn mit 66 Jahren, fängt das Leben von Monschau nicht nur richtig an, sondern nimmt noch weiter Fahrt auf. „Mich hat mal ein Freund gefragt, ob ich Angst vor dem Alter habe. Da habe ich mit einem Augenzwinkern geantwortet: Vor dem 70. Geburtstag, weil ich da bestimmt wieder etwas Neues anfange.“

Bei den ersten Schritten um die Talsperre und frühlingshaften Temperaturen denkt Monschau allerdings nicht an die Zukunft, sondern blickt zurück. „Früher bin ich hier gelaufen. Dabei hatte ich eine 20-Kilogramm-Bleiweste umgehängt“, erzählt er. Und schnell merkt man, dass Monschau ein Leben lang ein echter Kämpfer war. Bei allem, was er gemacht hat. „Aber wichtig ist, dass ich dabei nie den Humor verloren habe“, betont er.

„Ich war obdachlos, hatte nur noch eine Garage, um persönliche Sachen zu lagern.

Bodo Monschau über die härteste Zeit in seinem Leben

Wie auch in der Pandemiezeit. In der war seine Shotokan-Karate-Schule in der Remscheider Innenstadt in den vergangenen zwölf Monaten länger geschlossen als geöffnet. „Aber finanzielle Hilfe habe ich keine beantragt. Das will ich nicht. Meine Frau Heike und ich leben sparsam und hatten Rücklagen gebildet“, stellt er klar. Die freie Zeit nutzt er produktiv: „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt Monschau, der handwerklich fast alles selber macht.

Auf die Hilfe anderer hat Monschau nie gesetzt. Auch nicht, als er vor rund 30 Jahren am Tiefpunkt war. „Da war ich obdachlos. Hatte nur noch eine Garage, wo ich persönliche Sachen lagern konnte“, verschweigt der gebürtige Kölner nicht die schwierigste Zeit in seinem Leben. Seine zweite Ehe – Monschau ist zum vierten Mal verheiratet – war zu Bruch gegangen. Und im wahrsten Wortsinn auch die eigene Firma des gelernten Kunstglasers. „Das war ein echter Teufelskreis. Kein Job, da ich keine Wohnung hatte, keine Wohnung, da ich keinen Job hatte.“

In seiner Shotokan-Karate-Schule steht Bodo Monschau immer seinen Mann

Monschau kämpfte sich da aber wieder heraus. Übernahm alle Jobs, die ihm angeboten wurden. Und dann wurde sein Sport die Initialzündung: das Karate. Das wollte er schon immer beruflich machen. Aber es begann zunächst das Klinkenputzen. „In Remscheid gab es zwar einen Karateclub. Die wollten mich aber nicht.“ Dann lernte er Dirk Riemer kennen. Der Sportliche Leiter des Remscheider SV zeigte Interesse. Allerdings nicht am Karate. „Wir haben einen Selbstverteidigungskurs für Frauen angeboten. Und ich weiß noch wie heute, was dann passierte“, erinnert sich Monschau. Er rechnete mit zwei oder drei Teilnehmerinnen. „Aber dann stand ich plötzlich vor 30 Frauen und hatte ganz schön die Hosen voll.“

Der Zulauf ließ nicht nach. Schließlich machte Monschau in einem Hinterhof in der Elberfelder Straße in Remscheid eine erste eigene kleine Schule auf. Davon alleine leben konnte er da noch nicht, sondern arbeitete außerdem in Remscheider Firmen als Fensterbauer. Es folgten weitere Standorte der Schule. Bis er vor einigen Jahren eine Immobilie an der Ludwigstraße erwarb, die er mit großem Engagement umbaute und an der es bis heute handwerklich immer was zu tun gibt.

Da passte es um so besser, dass ihm die handwerklichen Fähigkeiten in der Domstadt in die Wiege gelegt wurden. Sein Vater hatte dort eine Glasbaufirma, die sein Bruder heute noch weiterführt. Bei seinem Vater ist Bodo Monschau nach der Schule auch in die Lehre gegangen. „Das war ganz schön hart“, erinnert er sich. Und schnell stellte sich heraus, dass es im elterlichen Betrieb mit Vater und Sohn nicht funktionierte. Dennoch brachte Monschau die Lehre zu Ende. Im Anschluss musste er zur Bundeswehr, landete in Wuppertal und damit zum ersten Mal im Bergischen Land. „In einer Disco habe ich dann eine Remscheiderin kennengelernt“, erzählt Monschau. Viel zu früh wurde geheiratet. Und nach acht Monaten war alles vorbei. „Ich glaube, dass das einfach für den Abnabelungsprozess zum Elternhaus wichtig war“, meint Monschau.

Was blieb, war aber die Liebe zu Remscheid. Hier fühlte er sich wohl und blieb. Bis auf eine zwischenzeitlich kurze Phase, in der er es doch noch einmal im väterlichen Betrieb probierte. „Das war aber dann der allerletzte Versuch“, sagt der 65-Jährige, der rückblickend aber immer wieder betont, nichts an seiner zum Teil außergewöhnlichen Vita bereut zu haben.

Die Hochzeit mit Heike fand natürlich in Weiß statt.

So blickt er auch relativ gelassen darauf zurück, dass er drei eheliche Anläufe brauchte, um sein privates Glück zu finden. Das war vor zehn Jahren in Dormagen. Dort, im Verein eines Karate-Freundes, gab er ein paar Unterrichtsstunden und lernte eine damalige Karateschülerin kennen. „Heike hat zwei Kinder aus ihrer ersten Ehe. Mir war wichtig, dass die ihr Okay gaben, dass wir heiraten können“, erzählt Monschau, der sich noch daran erinnert, wie er beim älteren Sohn nachfragte. „Seine Antwort war damals: Ja, natürlich. Du bist doch ein cooler Typ.“

Monschau ist sich nun sicher, endgültig die Richtige gefunden zu haben. Wahrscheinlich auch, weil er von Beginn an mit offenen Karten gespielt hat. „Ich habe Heike ganz klar gesagt, dass Karate bei mir immer an ersten Stelle stehen würde. Verbiegen lasse ich mich eben nicht mehr.“

Zum Karate hat ihn vor Jahrzehnten übrigens ein Zufall geführt. „Ich habe in einem Kölner Verein Judo gemacht. In dem wurde auch Karate angeboten. Mit ein paar anderen Jungs habe ich mich über die in unseren Augen komischen Bewegungen lustig gemacht. Dies hat der Karate-Trainer mitbekommen, mich in eine Unterrichtsstunde zitiert und mir großes Talent bescheinigt.“ Ein Mann mit Weitblick, wie sich herausstellen sollte. Monschau ist mittlerweile Träger des 7. Dan und hat in seinem Verband Edelmetall bei Weltmeisterschaften gewonnen.

Bei einem Autounfall verliert Monschau ein Auge

Dabei hat ihn auch nie behindert, dass er auf einem Auge blind ist. „Ich bin vor vielen Jahren bei einem Autounfall mit dem Kopf durch die Scheibe geflogen. Damals drohte sogar, dass ich beide Augen verliere.“ Doch Monschau wäre nicht Monschau, wenn er nicht auch aus diesem Handicap Vorteile ziehen würde: „Meine anderen Sinne sind danach viel mehr geschärft worden.“

Bodo Monschau und RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl beim obligatorischen Selfie auf der Staumauer.

Als die Staumauer der Talsperre nach dem Rundgang erreicht ist, berichtet Monschau dann doch noch von einem Plan, dem die Pandemie einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hatte. „Unsere große Rundreise durch Japan ist im vergangenen Frühjahr geplatzt. Die werden wir aber nachholen, sobald es wieder möglich ist.“ Und als wir die Staumauer hinter uns haben, wandert sein Blick den Berg runter Richtung Autobahn. „Von dort unten bin ich immer bei meinen damaligen Läufen um die Sperre hochgekommen. Nur der Lauf um die Sperre war mir damals zu wenig.“ Ganz der Kämpfer eben.

Serie

Seit Mitte November 2020 spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin um die Talsperre. Bislang mit: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Baus, Horst Mettler, Yannick Peinke/Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer – und eben jetzt Bodo Monschau.

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