Interview

Der Fußball lässt sich nicht planen

Isa Hacisalihoglu feierte die türkische Meisterschaft mit Trabzonspor in Duisburg. Die Anspannung war ihm kurz vor Schluss der entscheidenden Partie anzusehen.
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Isa Hacisalihoglu feierte die türkische Meisterschaft mit Trabzonspor in Duisburg. Die Anspannung war ihm kurz vor Schluss der entscheidenden Partie anzusehen.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Gespräch: Isa Hacisalihoglu feiert die türkische Meisterschaft in Duisburg statt in Trabzon.

In den vergangenen Tagen waren Sie in sozialen Netzwerken vermehrt in interessanten Kostümierungen unterwegs. Karneval ist aber doch längst vorbei.
Isa Hacisalihoglu: Nach 38 Jahren ist mein Heimatclub Trabzonspor wieder türkischer Meister geworden und hat erst den siebten Titel überhaupt geholt. Da ist es doch klar, dass in den Vereinsfarben ordentlich gefeiert wurde. Ich habe mich riesig gefreut.
Sie sind eigens in die Türkei gereist, um dabei zu sein, wenn die Meisterschaft eingetütet wird. Hat nicht ganz geklappt.
Hacisalihoglu: Ich war eine Woche zu früh dort. Trabzon brauchte noch zwei Punkte, hat gegen Karagümrük aber nur 1:1 gespielt. Dabei hatte ich mir den Urlaub extra so gelegt, war zunächst drei Tage in Istanbul und dann noch fünf Tage in Trabzon.
Irgendwann war der Urlaub zu Ende und Ihr Lieblingsclub noch kein Meister.
Hacisalihoglu: Trabszon hat den Titel dann eine Woche später gefeiert. Wieder daheim – durch ein 2:2 gegen Antalyaspor.
Da waren Sie längst wieder daheim. Wie und wo haben Sie dieses entscheidende Spiel dann erlebt?
Hacisalihoglu: Wir waren in Duisburg auf dem Vereinsgelände von Genc Osman Duisburg. Der Verein spielt mit dem FC Remscheid und mit dem SV 09/35 Wermelskirchen in der Landesliga und hatte seinen Aschenplatz zur Verfügung gestellt. Mehr als 5000 Menschen haben die Partie gegen die Mannschaft des früheren Dortmunders Nuri Sahin auf einer riesigen Leinwand gesehen und mussten in den letzten zehn Minuten für den entscheidenden Punkt noch ganz schön zittern.
Sie sprachen von Wir. Mit wem haben Sie sich in Duisburg ins Getümmel gestürzt?
Hacisalihoglu: Mit meinem Bruder Ertugrul und meinem Cousin Hakan. Es war unglaublich was los während dieser 90 Minuten und danach. Ganze Familien sind nach Duisburg gekommen, die meisten mit Fahnen, Trikots oder Perücken. Beim Stand von 1:1 hat Antalyaspor einen Elfmeter verschossen, zehn Minuten vor dem Ende zum 2:2 ausgeglichen. Es war so spannend, wir brauchten diesen einen Punkt.
Dann ertönte der Abpfiff.
Hacisalihoglu: Mein Bruder und mein Schwager standen weiter vorne, sie waren zu weit weg. Ich habe einfach irgendjemanden umarmt, der in meiner Nähe stand und den ich nicht kannte. Wir haben beide geweint.
Was hat dieser Titel für die Stadt für eine Bedeutung?
Hacisalihoglu: Eine riesengroße. Wir mussten so lange darauf warten. Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Trabzon ist eine Hafenstadt im Nordosten der Türkei – mit 900 000 Einwohnern. Wenn Trabzonspor gewinnt, geht es dort allen gut.
Jetzt wartet die Champions League.
Hacisalihoglu: Wir müssen zuerst noch in die Quali. Das wird in Hin- und Rückspiel schwierig. Mal schauen.
Welche Spieler kennt man eigentlich von Trabzonspor?
Hacisalihoglu: Marek Hamsik ist sehr bekannt. Er hat viele Jahre beim SSC Neapel gespielt. Und Yunus Malli dürfte man aus seiner Zeit beim FSV Mainz 05, dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Union Berlin noch gut kennen.
Hat Ihnen das Mitfiebern mit Trabzonspor geholfen, eine große Enttäuschung zu verarbeiten?
Hacisalihoglu: Das kann man so sagen. Ich konnte es besser verkraften, dass der Kreistag im Kreis Remscheid so verlaufen ist, wie er verlaufen ist. Im Nachhinein muss ich sagen – ich habe die Wahl nicht verloren, sondern bin nicht dafür vorgeschlagen worden. Das war eine riesige Enttäuschung.
Sind damit Ihre Ambitionen, ein Funktionärsamt ausüben zu wollen, ad acta gelegt?
Hacisalihoglu: Nach jetzigem Stand werde ich in drei Jahren noch einmal antreten, um den Vorsitz des Kreis-Fußballausschusses zu übernehmen.
Aus Trotz oder Überzeugung?
Hacisalihoglu: Aus Überzeugung. Für jetzt ist es vorbei. Aylin Caliskan hat gewonnen, und ich wünsche ihr viel Glück. Hoffentlich kommt es in drei Jahren zu einer richtigen Wahl. Viele Vereine habe inzwischen Kontakt zu mir aufgenommen und gefragt, warum es so gelaufen ist wie es gelaufen ist.

Zur Person

Isa Hacisalihoglu wurde am 24. April 1985 im türkischen Trabzon geboren. Mit Ehefrau Suna hat er einen Sohn (Mert, 6). Der Kundenberater in einem Mobilfunkshop hat in vielen Vereinen der Region Fußball gespielt und ist seit vier Jahren Schiri.

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