Football

Der Footballer mit der zarten Feder

Die zwei Facetten des Lars Ramus in einem Bild: Der Amboss-Footballer lässt gerne seiner künstlerischen Ader freien Lauf.
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Die zwei Facetten des Lars Ramus in einem Bild: Der Amboss-Footballer lässt gerne seiner künstlerischen Ader freien Lauf.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Auf dem Spielfeld packt Lars Ramus immer heftig zu – zu Hause wird er zum Künstler.

Auf dem Spielfeld ist er wahrlich nicht für die Feinmotorik bekannt. Für das Einfühlsame, Gefühlvolle, Weiche. Wenn Lars Ramus im Trikot des Oberligisten AFC Remscheid Amboss anpackt, dann knallt´s. Dafür sprechen alleine schon die Gardemaße von 1,98 Meter Körpergröße und um die 135 Kilogramm (Kampf-) Gewicht. Der 30-Jährige ist eben Footballer durch und durch. Ein Kerl wie ein Baum, würde manch einer sagen.

Doch wenn Ramus abends für sich ist und abschalten möchte, zeigt er plötzlich eine ganz andere Seite seiner Persönlichkeit und beweist seine künstlerische Ader. Dann greift der Remscheider mit großer Begeisterung zum Bleistift und zeichnet. „Für mich ist das der perfekte Ausgleich“, sagt der Sozialarbeiter der Stadt Remscheid (mit dem Schwerpunkt Flüchtlinge), der sich in seinen eigenen vier Wänden dann gerne auch die passende Atmosphäre schafft: „Ich mache mir klassische Musik an und nehme mir alle Zeit der Welt.“

So sind schon einige Werke entstanden, die sich wahrlich sehen lassen können. „Ich hatte immer schon ein Riesenfaible fürs Malen“, erzählt Ramus. Was weniger auf seinen ursprünglich erlernten Beruf als Maler und Lackierer zurückzuführen ist, als vielmehr auf seine Kindheit. „Da habe ich schon immer gerne gemalt. Und zu jedem Bild gab es auch eine Geschichte“, erinnert er sich. Als ihn Corona bezüglich seiner sportlichen Leidenschaften ausbremste und weder das Footballspielen noch das Trainieren im Fitnessstudio zuließen, fand er zur Kunst zurück. „Ich habe mir ein Stifteset und ein paar Bücher bestellt und mich wieder ein bisschen dahintergeklemmt.“

Auch dank Videos auf Youtube brachte er sich selbst die Graphit-, Kohle- und Bleistiftzeichnerei bei. Talent war ja schon zweifellos vorhanden. Nach dem Motto „learning by doing“ entwickelte er dieses weiter und wurde immer besser. Mittlerweile zieren einige Kunstwerke sein Wohnzimmer, darunter auch ein Porträt seiner Tochter Romy (4). Sie ist sein Ein und Alles. Einige Bilder hat Ramus auch schon verschenkt. „Aber eigentlich mache ich das ja für mich“, sagt er. „Um runterzukommen.“ Einmal saß er an einem Werk drei Tage lang.

Noch ausdauernder ist Lars Ramus als Amboss-Footballer. Keiner seiner Teamkollegen ist schon so lange dabei wie er. Im Alter von zwölf Jahren trainierte er in der Albert-Einstein-Halle das erste Mal mit und war sofort Feuer und Flamme. Doch sofort gab´s den ersten Dämpfer: Damals durfte man erst mit 14 Jahren richtig einsteigen. „Da saß ich dann erst einmal zwei Jahre lang auf heißen Kohlen“, erzählt der Remscheider. Dann legte er aber – um im Bild zu bleiben – los wie die Feuerwehr und wurde nicht nur ein begeisterter, sondern auch ein richtig guter Footballer.

Mit dem Amboss-Nachwuchs wurde das Kraftpaket zweimal in Folge ungeschlagener NRW-Meister, durfte bald von der ganz großen Karriere träumen. Über die NRW-Auswahl lernte er Coach Kirk Heidelberg kennen, durch den er 2007 in die USA gelangte, wo er dank eines Stipendiums anderthalb Jahre an der Rockford Christian High School verbrachte. Der ganz große Sprung blieb zwar aus, die Erfahrung konnte und kann ihm aber niemand nehmen.

Ich mache mir klassische Musik an und nehme mir alle Zeit der Welt.

Lars Ramus, begeisterter Footballer und Zeichner

Sein größter Förderer und Fan war in dieser Zeit Vater Klaus Keil. „Ihm habe ich so viel zu verdanken“, schwärmt der Sohn. „Er ist mein Held.“ Quer durch Deutschland fuhren die beiden, um an Trainingscamps teilzunehmen. „Dafür hat sich mein Vater teilweise Urlaub genommen“, erzählt Ramus, der zu keiner Zeit Druck gespürt habe: „Alleine durch die Tatsache, ihn glücklich machen zu können, und seine liebevolle Art konnte ich das Beste aus mir rausholen.“

Zurück beim Amboss erlebte er anfangs deutlich mehr Höhen als Tiefen. Und reifte zur absoluten Identifikationsfigur. „Ich bin schon ein ziemlicher Lokalpatriot“, sagt der O-Liner mit der Nummer 50 – eine Hommage an sein früheres sportliches Vorbild und den heutigen Vorsitzenden Christian Müller – über sich selbst. Entsprechend hart traf ihn den Absturz seines Herzensvereins, der 2018 aus der Regional- und 2019 aus der Oberliga abstieg. „Das war sehr schmerzhaft.“ Den Amboss aber deswegen verlassen? Das wäre für Ramus nur in einem absoluten Ausnahmefall eine Option gewesen. „Wenn wir keine Saison hätten spielen können, hätte ich mir ernsthafte Gedanken machen müssen.“

Als O-Liner lässt es Ramus (Nummer 50) gerne krachen und hält Quarterback Tom Schröder den Rücken frei.

Cologne Centurions und die EFL als reizvolle Option – mehr aber nicht

An Möglichkeiten mangelte es wahrlich nicht. Unter anderem durch Kontakt zu seinem ehemaligen Trainer Kirk Heidelberg, der mittlerweile beim neuen EFL-Team Cologne Centurions als Headcoach tätig ist. Er wäre nach Patrick Poetsch und LeRoy Stryewski der dritte Ex-Amboss in der Domstadt gewesen.

Ramus blieb aber bei den Remscheidern, die bekanntermaßen doch nicht abgestiegen sind und in der Oberliga starten dürfen. Wann genau wo und gegen wen ist allerdings noch offen, weshalb er sich einige Urlaubstage extra zurückhält. Denn wegen eines Sonntagdienstes ein Spiel seiner Mannschaft zu verpassen, das kommt für den temperamentvollen Footballer nicht infrage. Er kann es kaum erwarten, endlich wieder ins Geschehen eingreifen zu können. „Das Blut kocht“, gibt Ramus zu. Bis es so weit ist, wird er sich noch gedulden müssen. Und sicherlich das eine oder andere Kunstwerk in Angriff nehmen.

Sport-Gene

Die Begeisterung für den Sport hat Lars Ramus quasi in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater Klaus Keil spielte Eishockey in der Jugend der Düsseldorfer EG und war durchaus ambitioniert. Eine Schulterverletzung stoppte ihn dann aber. Mutter Manuela Ramus war eine begeisterte Handball-Torhüterin, die in Vohwinkel, Gruiten, Haan, Wülfrath und zum Ende hin beim Goldenberger TV spielte. Ein Bandscheiben-Vorfall bremste sie 1998 aber aus.

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