Serie

Das Kämpferherz schlägt linksliberal

An der frischen Luft ist Arnd Bader sehr viel unterwegs. Für einen Spaziergang aber sehr selten. Foto: Peter Kuhlendahl
+
An der frischen Luft ist Arnd Bader sehr viel unterwegs. Für einen Spaziergang aber sehr selten.
  • Peter Kuhlendahl
    VonPeter Kuhlendahl
    schließen

An der frischen Luft mit Arnd Bader – Der Remscheider Ausnahmeläufer hat noch viele Ziele.

Von Peter Kuhlendahl

Als Arnd Bader auf dem Parkplatz an der Eschbachtalsperre in Remscheid aus dem Auto steigt, muss er erst mal herzhaft lachen und sagt: „Ich hätte eben fast meine Laufklamotten angezogen, als ich mich auf den Weg gemacht habe.“ Wanderungen oder Spaziergänge sind eigentlich überhaupt nicht das Ding des 55-Jährigen. „Nein. Damit habe ich gar nichts am Hut“, betont Bader, der nach der Umrundung der Sperre im Schlenderschritt allerdings einräumt: „Wenn man sich so nett unterhält, macht das aber auch Spaß.“

Auf den rund drei Kilometern um die Sperre gibt es so einiges, über das ausgiebig geplaudert wird. Der Laufsport, mit dem man den Remscheider Ausnahmeläufer seit Jahrzehnten eng verbindet, ist im Grunde nur eines von vielen Themen. Aber natürlich kommt man um den Sport erst mal nicht herum. „Ich bin ein Extremsportler“, sagt Bader, dem es allerdings nicht mehr so sehr auf Zeiten ankommt. „Mir ist es in erster Linie wichtig, dass ich in meinem Alter meine Form halte.“

Dafür nimmt er einiges in Kauf. Rund 100 Kilometer läuft Bader in der Woche. Und oft sogar noch mehr. Seit Beginn der Pandemie hat Bader rund 5500 Laufkilometer auf dem „Tacho“. Bedeutet also auch, dass ihm als Läufer der sportliche Lockdown insgesamt nichts anhaben kann. Oder? „Ich vermisse aktuell unglaublich das Schwimmen“, sagt Bader und erzählt dann von seiner ganz großen sportlichen Leidenschaft, die er vor einigen Jahren für sich entdeckt hat. Das sogenannte „Swim & Run“. „Im Neopren-Anzug schwimmen und laufen ist scheinbar genau mein Ding.“ Was noch untertrieben ist, da Bader auf nationaler, aber auch auf internationaler Ebene kaum zu schlagen ist.

„Mit meiner Meinung halte ich nie hinter dem Berg.“

Arnd Bader

Als Schwimmer startete Bader seine sportliche Karriere. Im Remscheider SV. „Da war ich übrigens von meinen Eltern schon vor der Geburt angemeldet.“ Dem RSV ist er auch heute noch treu und tritt bei offiziellen Meisterschaften auch wieder für seinen Club an. Seine Zeit bei TriForce Vital Remscheid ist Geschichte. „Wenn mir etwas nicht passt, bin ich konsequent. Mit meiner Meinung halte ich nicht hinter dem Berg und reagiere“, betont Bader.

Dabei hat er aktuell auch eine ganz klare Meinung zum sportlichen Lockdown ob der Pandemie: „Das ist völlig kontraproduktiv. Gerade der Sport ist als Prävention für die aktuelle Situation unglaublich wichtig. Die größten gesundheitlichen Probleme haben oft die, die einfach nicht fit sind.“ Und außerdem würden gerade die Kinder und die Jugendlichen darunter leiden, dass sie nicht aktiv sein können.

Konsequent ist Bader. Auch was seine berufliche Tätigkeit angeht. Der studierte Sozialwissenschaftler arbeitet seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in Vollzeit. Auch weil er sonst sein umfangreiches sportliches Training nicht ausüben könnte. Im Regionalbüro „Alter, Pflege und Demenz“ in Solingen ist er als fachliche Leitung fest angestellt. Das Büro ist eine gemeinsame Initiative der Strukturentwicklung der Landesregierung und der Träger der NRW-Pflegeversicherung.

Nicht ganz so direkt war Baders Weg in den Beruf. Nach dem Abschluss an der Alexander-von-Humboldt-Realschule beuchte er zunächst das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg und dann auch noch die Höhere Handelsschule in Remscheid. „Diese beiden Abschlüsse haben nicht viele in der Tasche“, sagt Bader mit einem Augenzwinkern, der dann – ganz anders als erwartet – den Wehrdienst bei der Bundeswehr ableistete.

Auf die Frage, dass in seinem Lebenslauf doch eher der Zivildienst gepasst hätte, meint er lachend: „Nein. Ich bin eben ein Krieger.“ Da seine Vorgesetzten bei der Bundeswehr dann natürlich schnell erkannten, was für ein Lauf-Ass sie da plötzlich in ihren Reihen hatten, stand der Sport für ihn im Mittelpunkt.

Arnd Bader läuft bei seinen Auftritten meist immer vorne weg.

So konnte Bader während seines Wehrdienstes auch nicht anecken, da er sich selbst als politischen Menschen mit klaren Ansichten sieht. „Ich bin linksliberal.“ Allerdings konnte ihn keine Partie überzeugen, politisch aktiv zu werden. „Es gab mal eine Anfrage des damaligen Remscheider SPD-Bundestagsabgeordneten Jürgen Kucharczyk. Aber ich fühle mich in keiner Partei zu Hause.“ Große Sympathie hegt er derweil für die Fridays-for-Future-Bewegung, die sich, von Schülern und Studenten ausgehend, für den Klimaschutz einsetzt.

Beim RGA-Talentwettbewerb lernt Bader seine Ehefrau kennen

An der Uni Wuppertal schlug er damals dann zunächst eine wissenschaftliche Karriere ein. Da die Stellen dort aber immer nur zeitlich begrenzt waren, kehrte er der Universität den Rücken. Zumal Bader dann auch Verantwortung für eine Familie hatte.

Anfang der 1990er-Jahre veranstaltete der Remscheider General-Anzeiger einen Talentwettbewerb. Mit seiner damaligen Schauspielertruppe räumte er zwar nicht den ersten Platz ab (der ging an die Artistic Jumpers), sondern lernte seine spätere Frau Maria kennen, die mit Freundinnen als Sängerinnen in einer Band auftraten.

Arnd Bader teilt sich mit seinem Sohn Noah die sportliche Leidenschaft.

Das künstlerische Talent hat Arnd Bader an Sohn Joshua weitergegeben. Der ist an der Schauspielschule in Wien und dreht in Österreich aktuell seinen ersten Kinofilm. „Für mich war immer klar, dass er diesen Weg einschlägt. Ich hätte mich gewundert, wenn er zum Beispiel BWL studieren würde.“

Derweil schlägt Sohn Noah eher den Weg des Vaters ein. Er absolviert zum einen bald eine Ausbildung zum Erzieher, zum anderen tritt er auch in die Laufschuhe Arnd Baders. Und ist ebenfalls für extreme sportliche Aktivitäten zu haben. „Nachdem ich beim Röntgenlauf den Ultra gelaufen bin, hatte ich mir damals geschworen, dass ich mir das nie wieder antue“, sagt Bader. Doch mit Noah ging es am vorletzten Tag des vergangenen Jahres in genau auf diese Strecke. „Wir wollten so das unerträgliche Coronajahr 2020 verabschieden.“

Die Strecke wurde prima gemeistert. Aber Corona blieb und schränkt Bader weiter ein. Auch beim Reisen. Er wünscht sich, bald wieder auf seiner Lieblingsinsel Elba (Italien) zu sein. Und dann hat er noch ein ganz besonderes Ziel. Arnd Baders Vater ist bereits früh verstorben. „Ich habe noch eine Haarlocke von ihm. Und es gibt das Versprechen, die auf den höchsten Berg Irlands zu bringen.“

Das Abschlussselfie mit Arnd Bader und RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl auf der Staumauer.

Dass sich er sich dort in den urigen Pubs auch das eine oder Guinness gönnen wird, liegt für ihn auf der Hand. Denn eine Sache ist Bader sehr wichtig. Ein Asket ist der Extremsportler nicht: „Ich liebe das Leben und alles, was dazu gehört.“

Die Runde um die Sperre neigt sich dem Ende. Kurz vor der Staumauer kommt uns nun zum dritten Mal Hermann Utzat entgegengelaufen, der selbst auch einige Triathlons absolviert hat. Anstatt eines dritten „Hallo“ heißt es nun „Hawaii“. Hawaii? Da gibt es bekanntlich den berühmt-berüchtigten Ironman. „Den möchte und werde ich auch noch meistern“, betont Bader,

Auf die lange Bank wird er dies nicht schieben. Was ihm auch durch den Tod seines Vaters bewusst geworden ist. „Sonst kann es schnell zu spät sein.“

Serie

Seit Mitte November des vergangenen Jahres spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin und auch Funktionären um die Eschbach-Talsperre in Remscheid. Bislang waren dabei Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Baus, Horst Mettler, Yannick Peinke und Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke, Tiberius Jeck, Lothar Steinhauer, Jürgen Schmitz Anne Ueberholz, Henning Weber, Jörg Musset, Lena Henning, Stephanie Probst Ralf Hesse und nun Arnd Bader.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Das steht in der Handball-Landesliga an.
Das steht in der Handball-Landesliga an.
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Fußball: Pokaltermine stehen fest
Fußball: Pokaltermine stehen fest

Kommentare