Leichtathletik

Das Ausrasten muss Steinacker noch üben

Beim Nationenwettkampf im polnischen Chorzow trug Marike Steinacker Ende Mai bereits das deutsche Trikot. Neuland ist das bei den Olympischen Spielen für sie also nicht.
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Beim Nationenwettkampf im polnischen Chorzow trug Marike Steinacker Ende Mai bereits das deutsche Trikot. Neuland ist das bei den Olympischen Spielen für sie also nicht.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Die Wermelskirchener Diskuswerferin ist bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei.

Sie hatte von sich selbst erwartet, „so richtig auszurasten“. Oder „vielleicht ein paar Tränchen der Freude zu vergießen“. Nichts von dem ist passiert, als Marike Steinacker am Samstag eine E-Mail in ihrem Postfach vorfand, auf welche sie doch so sehnsüchtig gewartet hatte. Die Wermelskirchener Leichtathletin, die für den TSV Bayer 04 Leverkusen startet, in Neubrandenburg lebt und dort beim SC trainiert, bekam die offizielle Bestätigung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dass sie bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei ist. Sah Schwarz auf Weiß, dass sich ihre Mühen der vergangenen Jahre ausgezahlt haben.

Wirklich überraschend konnte das für die 29-Jährige nicht sein. Und doch: Obwohl sie die Norm in diesem Jahr zweimal geknackt hatte – einmal bei den Halleschen Werfertagen, einmal bei der DM in Braunschweig – hätte eine der vielen starken Konkurrentinnen noch an ihr vorbeirauschen können. Mit noch besseren Zahlen als denen, welche die Studentin vorgelegt hatte. Da war die persönliche Bestleistung von 64,03 Metern aus Halle gewesen, mehr als zwei Wochen später folgte bei den Deutschen Meisterschaft noch die Weite von 64,02 Metern. Damit war die Wermelskirchenerin zweimal deutlich über den erforderlichen 63,50 Metern geblieben.

„So richtig realisiert habe ich das immer noch nicht!“

Marike Steinacker, qualifiziert für die Olympischen Spiele

Inzwischen ist klar: Steinacker wird gemeinsam mit Kristin Pudenz und Claudine Vita die deutschen Farben beim Diskuswerfen der Frauen in Tokio vertreten. Niemand kann diesem Trio mehr in die Quere kommen. Wobei die Weitenjägerin ehrlich zugibt: „So richtig realisiert habe ich das immer noch nicht.“ Noch erlebt sie die Tage der Qualifikation und der Norm wie im Tunnel. Noch ist alles ein wenig unwirklich. Doch das wird sich ändern. Definitiv. Nachdem sie per WhatsApp einen Screenshot der DOSB-Zusage in die Familiengruppe und an die besten Freundinnen und Freunde weitergeleitet hatte, explodierte ihr Handy fast. Alle haben gratuliert oder einfach spontan bei ihr angerufen. Diesen Befreiungsschlag regelrecht gefeiert.

Wobei der einstigen Wermelskirchener Realschülerin, die später auf dem Leverkusener Landrat-Lucas-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat, überhaupt keine Zeit zum Feiern bleibt. Die Einkleidung der Athletinnen und Athleten liegt bereits hinter ihr. Wobei sie gewiss einen besonders neugierigen Blick auf die Kleidungsstücke geworfen hat („Alles supersportlich“). Denn: Sie schreibt ihre Bachelor-Arbeit über die Einkleidung der Sportlerinnen und Sportler für Olympische Sommerspiele. Dabei hat sie sich allerdings auf den Zeitraum zwischen 2000 und 2016 fokussiert. Nicht ahnend, dass sie bei den folgenden Titelkämpfen selbst dabei sein würde. Dinge gibt´s . . . Am Freitag geht es für Marike Steinacker in ein einwöchiges Trainingslager nach Kienbaum (bei Berlin), ehe am 16. Juli noch ein letzter Wettkampf in Thum (Erzgebirge) ansteht. Voraussichtlich vier Tage später hebt der Flieger gen Japan ab.

Jaaa, geschafft! Marike Steinacker ist in Tokio dabei.

Allerdings ist vor dem Einzug ins Athletendorf („Da dürfen wir erst zwei Tage vor unserem Wettkampf rein“) noch ein Aufenthalt in einem sogenannten Pre-Camp angesagt. Ja, und dann wird es ernst. Am frühen Morgen des 31. Juli (um 2 Uhr deutscher Zeit, um 9 Uhr japanischer Zeit) beginnt die Qualifikation fürs Finale. „Da muss es auf den Punkt passen“, sagt Steinacker, die, wie auch ihre Mitbewerberinnen, nur drei Würfe hat, um die erforderliche Weite zu schaffen. Sie geht von 63,50 Metern aus, die es zu überbieten gilt. „Ich möchte unbedingt ins Finale“, stellt sie klar. Um dort dann im Idealfall auf einem der ersten acht Plätze zu landen.

Ganz klar: Marike Steinacker hat so richtig Lust auf das, was da so kommt. Und wer weiß: Wenn sie noch einmal persönliche Bestweite wirft und dabei möglicherweise die für sie bislang magische 65-Meter-Marke knackt – vielleicht stößt sie dann doch mal laute Jubelschreie aus und vergießt ein paar Tränen. Das gesamte Bergische (Sport-)Land, ihre Familie, ihr Freund aus Wermelskirchen („Ihn habe ich vor knapp zwei Jahren auf der Kirmes kennengelernt“) und viele andere mehr werden früh aufstehen, um beim Qualifikationswettbewerb vor dem Fernseher zu sitzen. Daumen drückend natürlich.

Gelingt Steinacker der Einzug ins Finale, können es ihre vielen „Fans“ etwas entspannter angehen lassen. Das wird am 2. August um 12 Uhr deutscher Zeit ausgetragen. In Japan ist es dann 19 Uhr. Mit dem einem Heimatbesuch klappt es vor ihrem großen Tokio-Abenteuer leider nicht mehr: „Das wird zeitlich zu eng.“ Wobei Wermelskirchen für sie grundsätzlich eine Herzensangelegenheit ist: „Schließlich bin ich dort aufgewachsen, und meine Eltern, meine beiden Schwestern und mein Freund leben dort.“

Persönlich

Die am 3. April 1992 in Wermelskirchen geborene Marike Steinacker gehört zu den besten Diskuswerferinnen Deutschlands und hat sich für die Olympischen Spiele im japanischen Tokio qualifiziert. Dort erwarten sie coronabedingt strenge Hygienevorschriften – die Athletinnen und Athleten müssen sich täglich einem Schnelltest unterziehen. Ihre Impfungen hat sie beide hinter sich.

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