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Corona legt den Sport komplett lahm

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Absagen: Nichts geht mehr. Auch Fußballer, Handballer und Co. müssen dem Virus Tribut zollen.

Von Andreas Dach und Fabian Herzog

Die Meldungen gingen beinahe im Minutentakt ein. Absage hier, Absage dort – was vor einer Stunde noch aktuell war, wurde wenig später über den Haufen geworfen. Unter dem Strich bleibt: Der lokale Sport kommt für die nächsten Wochen durch die zunehmende Verbreitung des Coronavirus zum Erliegen. Wir fassen die Entwicklungen zusammen.

Fußball: Am Freitag, passenderweise dem 13., gab der Verband Niederrhein in Abstimmung mit den 13 Kreisen bekannt, dass nun auch die Fußballer bis in die untersten Klassen eine Pause einlegen. „Diese Regelung betrifft sämtliche Meisterschafts- und Pokalspiele und gilt bis zum Sonntag, 19. April“, heißt es in einer Mitteilung des FVN.

Zweikämpfe auf dem grünen Rasen – auf diesen Anblick werden Fußballfans für einen langen Zeitraum verzichten müssen.

Die Vorsitzenden aller Kreise waren am Donnerstagabend in Duisburg zusammengekommen, um über die Zukunft zu beraten. „Wir waren uns ganz schnell einig“, berichtet Remscheids Oberster Frank Tammschick. Er sagt: „Die Entscheidung erachte ich als absolut sinnvoll. Denn es geht darum, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.“ Deswegen haben sich Vereine wie der SV 09/35 auch schon dazu entschieden, den Trainingsbetrieb – übrigens sportartenübergreifend – bis zum 19. April ruhen zu lassen.

Handball: Nichts geht in den kommenden Wochen. Der DHB war der Vorreiter gewesen: 1. und 2. Liga setzen bis vorerst einschließlich dem 26. April aus, die 3. Liga bis inklusive dem 19. April. Am Nordrhein, am Niederrhein, im Bergischen Handballkreis – überall wurde mit sofortiger Wirkung das Stoppschild aufgestellt. Auswahlmaßnahmen und Trainerlehrgänge werden zudem auf unbestimmte Zeit nicht stattfinden. Wie lange diese Maßnahmen bestehen bleiben, ist noch nicht geklärt. Für den Fall, dass die Spielzeit nicht zu Ende gespielt werden kann, will man sich zeitnah mit einer Auf- und Abstiegsregelung auseinandersetzen.

Schon das Landesliga-Nachholspiel der HSG Radevormwald/Herbeck bei der HSG Velbert/Heiligenhaus konnte am Donnerstagabend nicht mehr ausgetragen werden. Spielertrainer Romand Warland berichtete: „Wir waren gerade in Velbert vorgefahren, als der Verband die Nachricht öffentlich machte.“

Rollhockey: Eigentlich sollten die letzten Partien bis zu den Play-offs noch ausgetragen werden. Bei den Männern und den Frauen. So jedenfalls sah der Plan von Thomas Ullrich noch am Freitagvormittag vor. Wenig später dann gab es beim Vorstand der Sportkommission Rollhockey und seinen Mitstreitern ein Umdenken. Der Spielbetrieb des DRIV wird mit sofortiger Wirkung bis einschließlich dem 30. April eingestellt. Diese Maßnahme betrifft alle Ligen, alle Wettbewerbe und sämtliche Trainingsmaßnahmen auf Bundesebene.

Rollhockey-Bundesligist IGR Remscheid pausiert bis 30. April.

Football: Auch beim Amboss zollt man der Entwicklung Tribut. Das für dieses Wochenende geplante Trainingslager in Ober-Seemen wurde kurzfristig doch noch abgesagt. Auch das Testspiel in Bonn kann am 21. März nicht stattfinden – der Verband schob jeglichen Aktivitäten bis zum 15. April einen Riegel vor. Bei den Remscheidern geht man davon aus, dass der Saisonstart – für Ende April in Brilon vorgesehen – weit in den Mai verlegt wird.

Laufen: Der Reinshagener TB hat die für den 21. März vorgesehene offizielle Lauferöffnung im Stadion Reinshagen komplett abgesagt. „Zuerst hatten wir überlegt, nur das Laufen stattfinden zu lassen und auf das anschließende Kaffeetrinken zu verzichten.“, sagt Udo Stollwerk. „Aber das wäre dann nur eine halbe Sache, und das gemütliche Zusammensein der Läuferfamilie hätte gefehlt.“ Deshalb wird der RTB die Veranstaltung in 2021 nachholen. Der Ausrichter fürs kommende Jahr steht damit bereits fest.

Volleyball: Das Präsidium des Westdeutschen Volleyball-Verbandes hat entschieden, dass der komplette Spielbetrieb von der Jugend bis zu den Senioren im WVV umgehend ausgesetzt wird. Bezüglich der weiteren Planungen versuche man, so schnell wie möglich Klarheit zu bekommen. Die Ausschüsse beraten sich über den Umgang mit möglichen auf- und Absteigern sowie den Relegationsteilnehmern.

Tennis: Für die Niederrheinligisten stellte sich die Situation zunächst unterschiedlich dar. „Der Verband hat die Austragung der Spiele den Vereinen überlassen“, berichtete Frank Piesker von den Herren 55 des SC RW Remscheid. Doch am Freitagnachmittag machte der Verband einen Rückzieher und beendete die Hallensaison. Wie mit Auf- und Abstieg umgegangen wird, entscheidet sich noch.

Judo: Der Deutsche Judo-Bund hat sich dazu entschlossen, „den Wettkampfbetrieb vorläufig und bis auf Weiteres ohne zeitliche Begrenzung auszusetzen“. Betroffen ist davon auch Zweitliga-Aufsteiger Remscheider TV, der am 28. März in Braunschweig erstmals in Geschehen eingreifen wollte. Wie es im Anschluss weitergeht, darüber lässt sich nur spekulieren. Laut Plan würde die Saison am 30. Mai in Mönchengladbach und dann am 13. Juni zu Hause fortgesetzt. „Das ist zu weit weg, um es zu beurteilen“, sagt RTV-Manager Cedric Pick.

Auch Handball wird vorerst nicht mehr gespielt.

Hockey: Vorzeitig beendet ist die Saison im Bereich des Westdeutschen Hockey-Verbandes. Bedeutet: Die Männer des Reinshagener TB steigen aus der 1. Verbandsliga ab, die Frauen belegen einen Mittelplatz in der 2. Verbandsliga. An diesem Wochenende hätte der letzte Spieltag stattgefunden. Auch das Hobbyturnier des RTB („Sensen-Cup“) findet an diesem Samstag nicht statt.

Darts: Der Spielbetrieb der Remscheider Dart-Liga wurde am Freitag ebenfalls bis zum 8. April gestoppt. „Wir werden niemanden zwingen, dass gespielt werden muss“, sagt Ligachef Rüdiger Lesnik.

Tischtennis: Der Westdeutsche Tischtennis-Verband hat sich dazu entschieden, den gesamten Spielbetrieb in sämtlichen Bezirken und Kreisen bis zum 17. April einzustellen.

BETRIEBSSPORT

REMSCHEID Der BKV schloss sich am Freitag an und sagte „alle Wettbewerbe auf ganzer Ebene bis auf Weiteres“ ab. Dies gelte für den gesamten Breitensport. Ob die Pandemie sich auch auf den Kreistag der Betriebssportler auswirkt, der für Samstag, 21. März, geplant ist, darüber ist bislang noch keine Entscheidung gefallen.

Unser Bericht vom 12.03.20: Coronavirus wirkt sich massiv auf den lokalen Sport aus

Von Andreas Dach

Das Coronavirus und seine Folge. Zum ersten Mal hat es auch den bergischen Sport so richtig erwischt. Wir geben einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge.

Rollkunstlauf: Das Magic Team NRW, zu welchem diverse Athletinnen des Remscheider TV gehören, ist nach eigenen Angaben gerade „sehr bestürzt“. Eigentlich hätte man an diesem Wochenende an den Deutschen Meisterschaften für Show & Precision teilgenommen. Auf den Start der Wettkampfsaison, gleichzeitig Qualifikationswettbewerb für die nächste Europameisterschaft, hat man sich intensiv vorbereitet. Zumal es im

Dem Magic Team ist das Lachen zunächst einmal vergangen. Deutsche Meisterschaft und Europameisterschaft sind abgesagt.

Vorfeld neue Richtlinien gab, die man zu beachten hatte.

Am Montag nun ging bei den Verantwortlichen die Mitteilung des Verbandes ein, dass die DM wegen der Corona-Problematik abgesetzt wird. Tags drauf erfuhr man, dass auch die EM in Holland Ende April nicht stattfinden wird. Ob es dafür noch einen Ausweichtermin geben wird, ist noch unklar. Sprecherin Stefanie Franz sagt: „Wir können die Funktionäre verstehen, bedauern jedoch, dass die ganze Arbeit und das Training keine Anerkennung finden.“ Dazu kommen enorme Kosten, auf welchen die Mannschaft wegen der Kurzfristigkeit der DM-Absage – sie hätte in Kiel stattgefunden – hängen bleibt. Franz blickt stellvertretend für das Team bereits nach vorne: „Wir lassen uns die Motivation nicht nehmen und hoffen, dass zumindest die zweite Saisonhälfte mit regionalen und nationalen Meisterschaften planmäßig stattfinden kann.“

Halbmarathon: Eine bunt gemischte Gruppe von Remscheider Ausdauersportlern musste sehr kurzfristig entscheiden. Fahren wir? Oder lassen wir es? Einen Tag, bevor ihre Reise nach Quimper in die französische Partnerstadt anstand, wurde der Hauptgrund für ihren Trip abgesagt. Der Halbmarathon von Locronan nach Quimper, der am Sonntag stattfinden sollte, wurde angesichts von über 3000 gemeldeten Startern gestrichen. Auch in Frankreich gibt es die Empfehlung, Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern abzusagen.

Fotopause am Meer: Von dem gemeinsamen Lauf am Wasser schwärmen alle Teilnehmer der Quimper-Reise noch heute.

Man war sich schnell einig: Wir fahren trotzdem. Und das sollte sich lohnen. Außer Michael Scholz, den kurz vor Reisebeginn noch eine Grippe erwischte, machten sich alle auf den Weg. Unter anderem ermuntert durch die Gastgeber, trotzdem nach Quimper zu kommen. „Man hat sich wieder sehr um uns bemüht“, sagte Gunnar Müller als Sprecher der zehn bergischen Sportler. Statt einen offiziellen Lauf zu absolvieren, ging es gemeinsam mit einer großen Gruppe des befreundeten Laufclubs Quimper Footing Loisirs am Strand entlang. Ein tolles Erlebnis. Schon jetzt freut man sich auf den Gegenbesuch der Franzosen beim Röntgenlauf. Der möglichst nicht unter dem Coronavirus leiden soll.

Handball: Infolge der Eindämmungsmaßnahmen des Coronavirus wurde sowohl der Spielbetrieb der 1. Bundesliga als auch der der 2. Bundesliga am Donnerstagnachmittag für knapp sechs Wochen also bis Ende April ausgesetzt. Davon betroffen: Erstligist Bergischer HC und Zweitligist VfL Gummersbach. Letztgenannter hatte vorsorglich schon für das ursprünglich angesetzte Heimspiel gegen den TSV Bayer Dormagen (Sonntag, 29. März) eine Verlegung beantragt. Alle bereits erworbenen Tickets für das Spiel gegen den TV Emsdetten sowie alle weiteren noch ausstehenden Heimspiele des VfL Gummersbach behalten vorerst ihre Gültigkeit. Der laufende Ticketverkauf wurde eingestellt. 

Nicht spielen werden an diesem Wochenende die Frauen des HSV Gräfrath in der 2. Bundesliga beim HC Rödertal und die des TV Beyeröhde daheim gegen die TG Nürtingen. Wie und wann es für sie weitergehen soll, ist derzeit noch offen. 

Fallschirmspringen: Nichts wird es mit der Verbandssitzung, die an diesem Samstag in Paderborn stattfinden sollte. Auch der FSC Remscheid in Person des Präsidenten Klaus Mathies hätte daran teilgenommen. Er sagt: „Das ist die richtige Entscheidung. Bereits früh im Februar hatte ich vor dem Virus gewarnt. Da wurden wir noch belächelt. Nun erleben wir das gewaltige Ausmaß. Auch das Trainingslager im April in Italien fällt aus.“ 

Handball: Die Partie zwischen der HSG Bergische Panther II und der Cronenberger TG in der Verbandsliga ist abgesetzt worden. Die ursprünglich für Sonntag in der Schwanen-Halle angesetzte Begegnung wurde nach Absprache mit dem Handball-Verband Niederrhein auf einen noch nicht bestimmten Zeitpunkt verlegt.

Hintergrund: Ein Spieler der Panther II hatte kürzlich Kontakt zu einem Corona-Infizierten. Ob er möglicherweise nun auch von dem Virus betroffen ist, werden entsprechende Untersuchungen zeigen. „Alle haben sehr besonnen reagiert“, sagte Spielertrainer Alexander Zapf angesichts der neuen Entwicklung. Es ist wichtig, der bei vielen in diesen Tagen aufkommenden Panik mit Rationalität zu begegnen.“ Nach Absprache mit einem Mediziner trainiert die HSG II ganz normal weiter. Der betroffene Spieler wird vorerst von der Mannschaft ferngehalten.

BOGENSCHIESSEN

ABSAGE Mit Timo Heydasch (Blankbogen), Lutz Murawsky (Recurve, Masters) und Iris Jantzen (Recurve, Seniorinnen) hatten sich drei Bogenschützen des Remscheider TV über die Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften mühsam für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Diese sollte an diesem Wochenende im bayerischen Hof stattfinden und für das Trio einen Höhepunkt in ihrer Sportlerkarriere darstellen. Doch auch daraus wird nichts. Die DM wurde wegen der Pandemie abgesagt.

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