Interview der Woche

BHC-Chef kann Auftakt kaum erwarten

Bergischer HC, Spielerportraits, offizielle Fotos, BHC20212022, BHC, Jörg Föste
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Bergischer HC, Spielerportraits, offizielle Fotos, BHC20212022, BHC, Jörg Föste
  • Jürgen König
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Jörg Föste spricht über den Start in der Handball-Bundesliga und seine Arbeit als DHB-Vizepräsident.

Mittlerweile ist es schon wieder zehn Monate her, dass Sie Ihr Amt als Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes angetreten haben. Wie fällt Ihr Blick auf diese Zeit aus?

Jörg Föste: Drei Phasen waren bisher besonders prägend. Zum einen das Einarbeiten in die Aufgabenstellung und das Kennenlernen der Strukturen und handelnden Personen. Die Kollegen haben es mir sehr leicht gemacht. Hilfreich war, dass ich mit dem Vorstandsvorsitzenden Mark Schober, dem Vorstand Finanzen Benjamin Chatton sowie den beiden Ligavertretern Uwe Schwenker (HBL) und Andreas Thiel (HBF) vier Protagonisten bereits gut kannte. Den Präsidenten Andreas Michelmann und den Vorstand Sport Axel Kromer habe ich mittlerweile ebenfalls schätzen gelernt. Das gilt auch für die Vertreter der Landesverbände im Präsidium. Wir pflegen ein offenes und zielorientiertes Miteinander. Zum Zweiten ist die Europameisterschaft der Männer im Januar in Bratislava zu nennen. Sie wird als die Corona-EM in die Historie eingehen. Zum Schluss hatten wir inklusive zahlreicher Nachnominierungen 40 Personen in der Slowakei. Das wird Allzeit-Rekord bleiben. Für alle Beteiligten hieß das: 14 Tage Stress pur. Das sportliche Abschneiden mit Rang 7 geriet völlig in den Hintergrund. Zum Dritten: Die Neubesetzung des Bundestrainers Frauen. Ich bin davon überzeugt, dass wir nach der Demission Henk Groeners mit Markus Gaugisch exakt die richtige Entscheidung getroffen haben.


Als Vereinschef und DHB-Offizieller blicken Sie sicherlich gleichermaßen dem Jahrzehnt des Handballs mit hochkarätigen Entscheidungen bis 2027 entgegen. Wie wichtig sind die kommenden Jahre für die Sportart?

Föste: Sehr wichtig. Die U21-WM 2023, Männer-EM 2024, Frauen-EM 2025 und Männer-WM 2027 werden allesamt in Deutschland ausgetragen. Das birgt ein ausgesprochen hohes Potenzial zur weiteren Attraktivierung des Handballs. Medial und emotional sehe ich Chancen über Chancen.

Die TV-Berichterstattung über die Bundesliga war in den vergangenen Jahren bei Sky in guten Händen. Eine Einigung zur Fortsetzung der Arbeit über 2023 hinaus wurde nicht erreicht, droht ein Rückschritt?

Föste: Veto: Ich möchte „nicht erreicht“ nicht stehen lassen. Wir haben uns bewusst für eine Neuorientierung entschieden. Das Konsortium mit Christian Seifert an der Spitze hat uns in allen Belangen überzeugt. Die lange Laufzeit bis 2029 belegt, dass beide Partner es ernst meinen. Meine Prognose: Wir werden in vielerlei Hinsicht ein neues, höheres Level erreichen. Mediale Verbreitung, Digitalisierung, Wertsteigerung der Markenrechte sowohl der Clubs als auch der Liga sind die Stichworte.

Buzzer statt Grüner Karte, größerer Anwurfkreis, im Zeitspiel nur noch vier statt sechs Pässe erlaubt – wohin rückt der Handball?

Föste: Das Spiel wird noch attraktiver, denn die schnelle Mitte wird nun zur sehr schnellen Mitte. Der Buzzer sorgt hoffentlich für ein Ende der unleidigen TTO-Diskussion (Team-Timeout = Auszeiten, d. Red.) zwischen Trainern und Kampfgericht. Und die Reduktion der erlaubten Pässe verringert die Behäbigkeit im Aufbauspiel. Die Schiedsrichter werden zudem darauf geschult, passives Spiel zeitig zu erkennen. Es ist einfach unzumutbar, dass manche Teams bis zur Auslösehandlung 30 Sekunden benötigen. Das soll es nicht mehr geben.

Was steht beim DHB-Vizepräsidenten Jörg Föste für seine weitere Amtszeit weit oben auf der Agenda?

Föste: Weiterhin Akzente setzen und im Team dazu beitragen, Erfolg zu steuern. Meine Tätigkeit ist mit Hintergrundarbeit wohl passend beschrieben. Sie möge effektiv sein.

Zum Bergischen HC: Vor zehn Tagen hat der neue Trainer Jamal Naji im Leistungszentrum an der Solinger Kanalstraße mit der Vorbereitung losgelegt, es wird ein Umbruch vollzogen. Bewirkt das bei Ihnen auch Skepsis?

Föste: Primär herrscht Vorfreude, denn es ist ein großer Rückenwind sehr deutlich spürbar. Sicherlich präsentieren wir uns neu formiert, aber wir verfügen auch über eine Basis von elf Spielern, die bereits durch das Stahlbad Bundesliga gegangen sind. Von daher müssen wir im Ausblick nicht zaghaft, sondern dürfen zuversichtlich sein – wohl wissend, dass es Zeit bis zur vollen Entfaltung brauchen kann. Wir können es kaum erwarten, dass es los geht!

Sie konnten mit Rekordzahlen für die kommende Saison aufwarten. Mit 3,7 Millionen Euro für den Erstliga-Betrieb. Besteht gegebenenfalls für Nachbesserungen im Kader Raum?

Föste: Daran ist nicht gedacht. Wir gehen mit einem 20-Mann-Kader in die Saison. Zunächst wird es darum gehen, dass jeder seine Rolle findet. Besonders im Deckungsbereich wird das zu einer Schlüsselaufgabe.

Der BHC nimmt im deutschen Spitzenhandball in vielen Dingen – Beispiel digitale Jahreskarte – eine Vorreiterrolle ein, aber er ist auch der einzige Club, der in nunmehr vier Hallen seine Heimspiele austrägt. Wie schwer wiegt dieser ungewöhnliche Umstand?

Föste: Diese Frage stellen mir die Kollegen aus der Liga auch hin und wieder. Neben den üblichen Floskeln wie „Wir nehmen es, wie es kommt“ stelle ich den Vorteil der Flexibilität heraus. Gegen Kiel und Flensburg im Dome, gegen Hannover und Lemgo in der Klingenhalle – das kann passen. Ich bin gespannt auf das erste Spiel in der Mitsubishi Electric Halle. Es ist keineswegs auszuschließen, dass das ungemein stimmungsvoll wird. Am langen Ende aber brauchen wir eine feste Austragungsstätte, eine sportliche Heimat.

Drei Jahre gesicherte Mittelfeld-Ränge der Bundesliga-Profi-Mannschaft, nunmehr zwei Jugend-Teams in der höchsten Spielklasse, der nächste Aufstieg der Frauen – Ihr Dank galt auch den Trainern. Was kann und soll am Ende der Saison 2022/23 stehen?

Föste: Sportlich hat der Bergische HC ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich. Alle haben einen Super-Job gemacht. Auch die U23 hat den Aufstieg geschafft, und die B-Jugend hat die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft erreicht. Dennoch blickt im Zweifel jeder auf die Liqui Moly-Handball-Bundesliga. Das Abschneiden dort hat für den BHC Priorität. Mit neuem Team und neuer sportlicher Leitung harte Arbeit und Spaß vereinen. Und dann die Belohnung für unsere Fans und uns einstreichen. Man merkt wohl: Wir sind sehr fokussiert!

Zur Person

Jörg Föste wurde am 29. November 1960 in Solingen geboren. Der selbstständige Kaufmann hat in der Klingenstadt die Firma Conceptum gegründet und ist im Marketing tätig. Föste ist in zweiter Ehe verheiratet und hat aus erster Ehe zwei Söhne. 2006 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Bergischen HC, der aus der Fusion der SG Solingen und des LTV Wuppertal entstand. Seit 2013 ist er, mittlerweile gemeinsam mit Philipp Tychy, BHC-Geschäftsführer. Im Oktober vergangenen Jahres ist er außerdem in das Amt des Vizepräsidenten des Deutschen Handball-Bundes gewählt worden.

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