Blick über den Zaun

Bergische erleben Wechselbad der Gefühle

Der Weg von BHC-Coach Sebastian Hinze (l.) führt 2022 zu den Rhein-Neckar Löwen. Und der Weg seines Remscheider Co-Trainers Markus Pütz?        Foto: Christian                          Beier
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Der Weg von BHC-Coach Sebastian Hinze (l.) führt 2022 zu den Rhein-Neckar Löwen. Und der Weg seines Remscheider Co-Trainers Markus Pütz?
  • Peter Kuhlendahl
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Analyse: So planen der Bergische HC, der VfL Gummersbach und der Wuppertaler SV für die neue Saison

Die einen haben die Urlaubskoffer gerade erst gepackt. Die anderen haben die Erholung am Strand oder in den Bergen schon hinter sich und steigen bereits wieder ins Training ein. Bei den drei bergischen Topclubs ist die Situation aktuell unterschiedlich. Zwischen der alten und der neuen Saison befassen wir uns mit den Handballern des Bergischen HC und des VfL Gummersbach sowie den Fußballern des Wuppertaler SV. Blicken auf ihre Spielzeiten 2020/21 zurück und wagen einen Ausblick auf die Meisterschaftsrunden 2021/22.

Wie haben die Teams sich in der vergangenen Saison geschlagen?

Für die drei Teams galt es, in ihren jeweiligen Ligen ein Mammutprogramm zu absolvieren. 40 Partien musste der WSV in der Regionalliga spielen. Der BHC in der Bundesliga 38 und der VfL in der 2. Liga 36. Der Bergische HC belegte am Ende den 12. Rang. Bitter enttäuscht waren die Gummersbacher. Der Aufstieg wurde wieder verpasst. Die Wuppertaler legten einen grandiosen Endspurt hin und landeten auf einem Mittelfeldplatz (12.).

Beim BHC schien zwischenzeitlich viel mehr möglich zu sein.

Nach einem tollen Saisonstart mit drei Siegen hatten die Löwen ihren ersten Hänger (1:11-Punkte). In der Folge startete das Team richtig durch und sammelte 20:6-Zähler. Dann wurden alle Ende März jäh ausgebremst. Nach Coronafällen im Team nach dem Spiel in Erlangen folgte bereits die zweite Quarantäne. Von den folgenden 16 Partien konnten nur noch vier gewonnen werden.

Gab es weitere Gründe, warum es am Ende nicht mehr rund lief?

Der BHC hatte zudem auch immer wieder mit großen personellen Problemen zu kämpfen. So musste Kristian Nippes noch einmal reaktiviert werden, der seine Karriere am Ende der vergangenen Saison bereits beendet hatte. Dazu kam die Nachricht, dass Trainer Sebastian Hinze den Verein im Sommer 2022 verlässt und zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt. Vom negativen Effekt dieser Personalie – ähnlich wie bei den Beispielen in der Fußball-Bundesliga – wollten die Verantwortlichen zwar nichts wissen, aber ganz unbeeindruckt dürfte keiner davon gewesen sein.

Könnte dies auch Auswirkungen auf die neue Saison haben?

Das Gegenteil werde eintreten. Da ist sich BHC-Geschäftsführer Jörg Föste sicher: „Sebastian ist BHCer durch und durch. Und ich bin der Überzeugung, dass das nächste Jahr ein ganz großes für uns werden wird.“ Und noch aus einem anderen Grund ist Föste derzeit sehr positiv gestimmt. So soll es im Herbst dieses Jahres eine Entscheidung gegen, ob die für den BHC überlebenswichtige Arena in Wuppertal oder in Solingen gebaut wird. „Die Oberbürgermeister beider Städte sind sich einig, dass es zeitnah eine Lösung geben muss“, sagt der BHC-Geschäftsführer.

In Gummersbach steht eine erstklassige Arena. Aber der VfL steckt in der Zweitklassigkeit fest.

Im Frühjahr 2020 sorgten die Gummersbacher für einen Coup und verkündeten, dass der Isländer Gudjon Valur Sigurdsson das Traineramt übernimmt. Aber auch einer der weltbesten Handballer der letzten 20 Jahre schaffte es nicht, die Oberbergischen zurück in das Oberhaus zu führen. Das selbstgesteckte Ziel Aufstieg wurde um einen Zähler verpasst.

VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler (r.) präsentierte im Frühjahr 2020 Gudjon Valur Sigurdsson als neuen Trainer.

Was waren die Gründe für den geplatzten Traum?

Wer Pleiten beim am Ende abgeschlagenen Tabellenletzten Fürstenfeldbruck kassiert oder daheim gegen Aufsteiger Großwallstadt verliert, muss sich nicht wundern. Doch dies wäre zu einfach für eine Erklärung. In der Spielpause im Januar wegen der Weltmeisterschaft ist in der Vorbereitung auf den Re-Start scheinbar nicht alles glatt gelaufen. In den Spielen im Februar wurden die entscheidenden Punkte liegengelassen.

In der Saison 2021/22 gibt es also den nächsten Anlauf.

Was auch sonst. Den Verantwortlichen im Oberbergischen ist klar, dass das Team auch aus wirtschaftlichen Gründen dringend zurück in die 1. Liga muss. Von den vielen Fans, die der VfL immer noch hat, ganz zu schweigen. Eine Reihe von Neuzugängen, die zum Großteil bereits für die Bundesliga verpflichtet wurden, ist gekommen. Sie müssen bei ihrer individuellen Klasse zu einem Team geformt werden. Das ist die große Aufgabe für den Coach, der übrigens noch einen Vertrag bis 2022 hat. Derweil ist die Konkurrenz um die beiden Aufstiegsplätze noch größer geworden. Dafür sorgen alleine schon die vier Bundesliga-Absteiger Ludwigshafen, Nordhorn-Lingen, Essen und Coburg.

Aus sportlicher Sicht kann der Wuppertaler SV auf eine tolle Saison zurückblicken.

Im Dezember des vergangenen Jahres zogen die WSV-Verantwortlichen die Reißleine. Das Team steckte tief im Abstiegskampf. Der glücklose Trainer Alexander Voigt musste gehen. Sein Nachfolger Björn Mehnert schaffte in der Liga eine starke Rückrunde. Allerdings sei nicht unerwähnt, dass der Abstiegskampf im Grunde zur Farce wurde. Da es aus den unteren Klassen keine Aufsteiger gab, mussten am Ende nicht – wie geplant fünf – sondern nur ein Team runter. Dennoch hat der WSV groß aufgespielt. Und gerade im Pokal etwas für sein Image getan. Drittligist MSV Duisburg wurde im Halbfinale aus dem Stadion gefegt. Im Endspiel schließlich der Ligakonkurrent aus Straelen besiegt. Der Lohn ist nun das Spiel in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Bundesliga-Aufsteiger VfL Bochum, welches zwischen dem 6. und 8. August stattfinden wird. „Das ist ein tolles Los“, erklärte Stephan Küsters, der Sportliche Leiter des WSV.

Also alles im Lot beim WSV?

Der WSV wäre nicht der WSV, wenn es hinter den Kulissen nicht immer wieder Wirbel geben würde. Weniger, weil der Ex-Bundesligatrainer Peter Neururer seit Frühjahr Mitglied im WSV-Vorstand ist. Vor einigen Monaten hatte sich der Förderverein „Wir.WSV“ gegründet, zu dessen Vorstandsmitgliedern auch Carsten Pröpper, Ex-Zweitligaspieler des FC Remscheid, und Andreas Mucke, Ex-Wuppertaler Oberbürgermeister, gehören. Zwischen dem Vorstand und dem Förderverein herrscht indes dicke Luft. Letzter negativer Höhepunkt: Der Vorstand hat dem Verein über einen Anwalt mitgeteilt, den Zusatz „WSV“ aus Markenschutzgründen zu entfernen. Außerdem hatte der Verein es nicht geschafft einen neuen Verwaltungsrat zu wählen.

Wie sind die Aussichten für die neue Saison?

Der WSV ist am vergangenen Sonntag wieder ins Training eingestiegen. In vier Wochen steht mit dem Spiel der ersten Runde im DFB-Pokal gleich ein erstes Highlight an. Das vordergründige Ziele dürfte allerdings sein, in der Regionalliga schnell in ein sicheres Fahrwasser zu kommen. Wie schnell dies auch auf den anderen Ebenen gelingt, bleibt abzuwarten. Da sind die Wuppertaler eben immer für Überraschungen gut. Positiv wie negativ. Mit Niklas Heidemann wurde aktuell noch ein Akteur von Preußen Münster verpflichtet.

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die unbedingt eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns gerne an. Heute geht es um die drei bergischen Topclubs Bergischer HC, VfL Gummersbach und Wuppertaler SV. Wir werfen einen Blick zurück und schauen bereits auf die neuen Meisterschaftsrunden.

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