Handball

BHC: Babak überragt beim ersten Saison-Heimerfolg

Tomas Babak traf gegen den TBV Lemgo Lippe fast keine falsche Entscheidung. Der Spielmacher traf sieben Mal – ohne Fehlversuch – und lieferte sieben Vorlagen.
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Tomas Babak traf gegen den TBV Lemgo Lippe fast keine falsche Entscheidung. Der Spielmacher traf sieben Mal – ohne Fehlversuch – und lieferte sieben Vorlagen.
  • Jürgen König
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Bundesliga: Die Löwen schlagen den TBV Lemgo Lippe mit 32:28 (17:13)

Von Jürgen König
und Thomas Rademacher

Als Alexander Weck in der 51. Minute mit einem Distanzwurf das 27:22 für den Bergischen HC markierte, schien die Entscheidung gegen den TBV Lemgo Lippe gefallen zu sein. Aber die Gäste machten es noch einmal spannend, kamen bis zur 57. Minute auf 27:29 heran und hatten sogar Überzahl. Doch das Team um den herausragenden Spielmacher Tomas Babak brachte die zwei Zähler vor einer begeisterten Klingenhallen-Kulisse ins Trockene – auch, weil der eingewechselte Torhüter Christoph Rudeck mit wichtigen Paraden auf dem Weg zum 32:28 (17:13) zur Stelle war.

Gegenüber dem spielerisch mageren Angriffsspiel eine Woche zuvor gegen Hannover (22:23) legten die Löwen diesmal mit reichlich Spielwitz und Tempo los. Tomas Babak, neben Linus Arnesson zweiter Rechtshänder im Rückraum, war Ausgangspunkt großartiger Aktionen – anfänglich profitierte Simen Schönningsen mit seinen beiden Auftakt-Treffern davon, dann traf der tschechische Nationalspieler ebenso vier Mal wie Tim Nothdurft über Linksaußen. Ebenfalls top eingebunden: Lukas Stutzke, der nach Gegentoren zwei Mal über die schnelle Mitte erfolgreich war. Und da auch der Ex-Lemgoer Peter Johannesson im Kasten des BHC klare Vorteile gegenüber TBV-Schlussmann Urh Kastelic verbuchte, bauten die Gastgeber ihre Führung stetig aus.

Bis hin zum 11:7 in der 17. Minute, als die Ostwestfalen aufgrund zweier aufeinanderfolgender Zeitstrafen insgesamt drei Minuten in doppelter Unterzahl agierten. Auch jetzt gestaltete der BHC das Geschehen insbesondere über Alexander Weck zwingend, ließ aber beste Chancen liegen: Arnesson scheiterte freistehend und per Siebenmeter, Tom Kare Nikolaisen vergab ebenfalls aus bester Lage. So entschied der TBV diese Phase mit 2:1 für sich und schöpfte dadurch zusätzlich Mut. Doch die Bergischen ließen sich nicht beirren, auch wenn sie eine Glanzparade von Johannesson benötigten, um den Gegner nicht wieder spürbar herankommen zu lassen. Kurz vor der Halbzeitsirene sah es sogar nach einer Fünf-Tore-Führung aus, ehe Lemgo noch zum 13:17-Pausenstand einnetzte. Am nahezu durchgehend prächtigen Eindruck in den ersten dreißig Minuten änderte dies indes ganz wenig.

Auf den dann mit Wiederbeginn ein Schatten fiel, als der TBV Fehler vom insgesamt jedoch weiterhin überragenden Babak und des eingewechselten Yannick Fraatz zu Toren nutzte und im Nu bis auf einen Treffer herangekommen war. Weder dies noch zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen ließen die Partie kippen, da es aufseiten des BHC weiter gute Offensiv-Aktionen über Nothdurft und Kreisläufer Frederik Ladefoged gab sowie Johannesson im Tor sein hohes Niveau weiter abspulte. Das 22:17 in der 41. Minute war eine wichtige Station auf dem Weg zu den wichtigen nächsten beiden Bundesliga-Punkten, aber noch keine Entscheidung. Weil Lemgo unter der Regie des früheren Solinger Handballers Florian Kehrmann einmal mehr nicht aufsteckte. Das Happy End gehörte aber den Hausherren, die mit dem 30:27 durch Arnesson die Spannung am Weyersberg auflösten. Der Defensiv-Hechter von Schönningsen gehörte abschließend zu den vielen Höhepunkten eines gelungenen Handball-Abends.

„Der erste Heimsieg fühlt sich sehr gut an“, sagte Jamal Naji, der zum ersten Mal als BHC-Coach in der Klingenhalle gewann und von der Stimmung beeindruckt war. „Es ist uns wichtig, wie wir wirken und die Zuschauer mitnehmen. Wenn man dann die Akustik wahrnimmt, die hier am Ende des Spiels herrscht, ist das ein Stück weit Anerkennung. Das zeigt uns, dass wir die richtigen Werte auf der Platte vermitteln. Das freut mich heute ganz besonders.“

Arnessons unglaublicher Wurf schickt Lemgo ins Tal der Tränen

Drei Minuten vor Schluss war der BHC gegen den TBV Lemgo Lippe noch einmal in Bedrängnis. Beim Stand von 29:27 schöpfte der Gegner wieder Hoffnung – und das offenbar zu Recht. In Unterzahl spielten die Löwen lange aus und schienen keinen guten Wurf zu bekommen. Passives Spiel war bereits angezeigt, der vierte und letzte Pass schon gespielt, als Linus Arnesson handeln musste. Der Spielmacher, der zwischenzeitlich ob seiner Abschlussquote mit sich gehadert hatte, zog weit nach rechts, wurde arg bedrängt, schaffte es aber trotzdem, noch einen Notwurf aus dem Ärmel zu zaubern. Als der Ball zum 30:27 die Linie überquerte, war dem letzten Zweifler in der Klingenhalle klar: Die Löwen hatten den TBV niedergerungen.

„Keiner weiß, wie er den gemacht hat“, sagte Tomas Babak, der mit sieben Toren ohne Fehlversuch und sieben Vorlagen ein überragendes Spiel absolviert hat. „Aber in dem Moment, als der Ball reinging, war mir das egal. Da wusste ich, dass wir gewinnen.“ Der Tscheche zeigte sich gewohnt bescheiden, wenn es um die eigene Leistung ging. „Das war wahrscheinlich nicht schlecht. Aber am Ende ist das nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass wir einen extrem wichtigen Sieg geholt haben. Wir sind sehr glücklich.“

Babak, der schon am Sonntag bei der 29:35-Niederlage gegen den THW Kiel überzeugt hatte, sah offensiv eine Fortsetzung dieser Vorstellung. „Wir haben genau da weitergemacht, wo wir in Kiel aufgehört hatten. Deshalb hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass wir besser sind, auch wenn wir es nie geschafft haben, einen gewaltigen Vorsprung zu bekommen. Wir haben immer einen kühlen Kopf bewahrt.“

Auch Tim Nothdurft warf sieben Mal aufs Lemgoer Tor, und der Ball fand jedes Mal sein Ziel.

Das galt nicht nur für Babak, sondern unter anderem auch Tim Nothdurft. Der Linksaußen warf sieben Mal aufs Tor und traf jedes Mal. „Es hat einen Riesenspaß hier gemacht. Ich bin absolut erleichtert“, meinte der 25-Jährige angesichts des Erfolgs. „Vor dem Spiel hatten wir schon etwas Druck, der fiel aber ab, als wir gemerkt haben, wie wir heute drauf sind.“

Dass die Form in vielen Bereichen gut war, unterstrich Geschäftsführer Jörg Föste, der neben Nothdurft und dem „herausragenden Babak“ die Torhüter Peter Johannesson sowie Christopher Rudeck und Kreisläufer Frederik Ladefoged lobte. „Fred wird immer mehr zu einem zentralen Faktor für uns. Summa Summarum hat die Mannschaft heute von A bis Z ihre Aufgabe erfüllt.“

Rund um den Bergischen HC

Personal: Frederik Ladefogeds Knieprobleme haben sich nicht als schwerwiegende Verletzung herausgestellt. Der Kreisläufer hatte ein paar Tage frei, war aber am Mittwoch wieder im Training. Daher fehlten gegen Lemgo ausschließlich die beiden Langzeitverletzten: Fabian Gutbrod und Csaba Szücs.

Buzzer: Vorige Woche hatte die moderne Handballtechnik noch gestreikt, doch gegen den TBV Lemgo funktionierten sie, die neuen Auszeit-Buzzer. So war es den Trainern Jamal Naji und Florian Kehrmann möglich, das Spiel in Ballbesitz ohne Verzögerung zu unterbrechen, um mit ihrem Team zu sprechen.

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