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Azubi steigt zum 2. Vorsitzenden auf

RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl drehte am Freitag eine Runde mit Dennis Bonna um die Talsperre. Foto: Peter Kuhlendahl
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RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl drehte am Freitag eine Runde mit Dennis Bonna um die Talsperre.
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An der frischen Luft mit Dennis Bonna – Tennisspieler und -trainer sowie Vereinsfunktionär.

Von Peter Kuhlendahl

Der große Regen endete am Freitagvormittag. Als Dennis Bonna gegen 11.30 Uhr an der Remscheider Eschbachtalsperre aus dem Auto stieg, war ihm ein wenig Erleichterung anzumerken. „Als Tennistrainer hat man seine Wetter-App automatisch im Blick. Heute Morgen hatte ich bereits die Hoffnung, dass wir nicht nass werden“, meinte der 36-Jährige mit einem Strahlen im Gesicht.

Auch durch den Schlamm und die Pfützen ließ sich Dennis Bonna den Spaß an der Eschbachtalsperre nicht nehmen.

Viele andere schienen ihrer App oder dem Braten aber nicht zu trauen. Auf dem Weg um die Sperre, auf dem sich auch um diese Uhrzeit sonst jede Menge Spaziergänger oder Freizeitsportler tummeln, war nichts los. Ein Jogger und zwei Nordic-Walkerinnen begegneten uns während der Runde. Und die mussten sich wie wir einige Male im Zickzack bewegen, um nicht knöcheltief im Schlamm zu versinken oder in den riesigen Pfützen zu stehen. Aber mit dem richtigen Schuhwerk kein Problem.

Als wir unsere Runde beginnen, wird Bonna, der, wenn man ihm begegnet, eigentlich immer gute Laune hat, allerdings ernst. Der Grund ist die augenblickliche Pandemie, die auch ihm in fast allen Bereichen einiges abverlangt. „Ich habe eben gerne Termine. Natürlich muss man für vieles in der aktuellen Situation Verständnis haben. Aber es reicht.“

„Irgendwann war klar, dass ich kein zweiter Boris Becker werde.“
Dennis Bonna

Volle Konzentration beim Aufschlag – so erlebt man Tennisspieler Dennis Bonna seit vielen Jahren auf den Plätzen.

Sein Terminkalender ist aktuell reichlich ausgedünnt oder gar leer. Sowohl beruflich als auch privat. Oder eben anders bestückt. Wie mit einer Online-Konferenz zum Thema Steuerrecht für Vereine, an der er am Donnerstagabend teilnahm. Denn neben seiner Tätigkeit als Tennistrainer bei Blau-Weiß Remscheid arbeitet er fest angestellt beim Remscheider SV.

Seinen Job hat Bonna übrigens von der Pike auf gelernt. Als er 2004 sein Abitur auf dem Remscheider Gertrud-Bäumer-Gymnasium in der Tasche hatte, musste er sich in den damaligen Zeiten der Wehrpflicht zwischen der Bundeswehr und dem Zivildienst entscheiden. Er wurde Zivi und konnte da noch nicht ahnen, dass dies sein Leben entscheidend beeinflussen sollte.

Mit seinen Kumpels Dennis und Robin Kürten sowie Lars Buchholz (v.l.) von Grün Weiß fühlt sich Dennis Bonna wohl.

Seinen Dienst leistete er beim Remscheider SV ab. Und nachdem er sich dann irgendwann die Frage stellte, wie es nun bei ihm weitergehen würde, kam er auf eine Idee. „Ich hatte immer schon Interesse an einer Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann. Das war dann auch endlich bei den Vereinen möglich. Da habe ich beim RSV, für den das damals Neuland war, einfach mal nachgefragt.“

So wurde aus dem Zivi im Jahr 2005 der erste Azubi des Clubs. Und der ist mittlerweile auch zum 2. Vorsitzenden des Vereins aufgestiegen. „Dass ich dies mittlerweile alles mache, wundert schon den einen oder anderen, der mich nur als lockeren Typen kennt, der gerne Gas gibt. Aber gerade das Arbeiten mit den Zahlen macht mir sehr großen Spaß. Und die Zusammenarbeit mit dem Team des RSV ist klasse.“

Sein eigentlicher Verein ist allerdings der TC Blau-Weiß Remscheid. An der Baisieper Straße ist er quasi groß geworden. „Ich gehöre noch zu der Generation, die in der Sommersaison jedes Wochenende auf der Anlage verbracht haben.“ Seine Eltern, die unweit des Vereinsgeländes wohnen, spielten schon Tennis. Dennis Bonna schloss erste Kinderfreundschaften und griff natürlich bald auch selbst zum Schläger.

Mit Erfolg. „Allerdings war irgendwann klar, dass ich kein zweiter Boris Becker werde. Für mich ist es ein tolles Hobby, das ich durch die Trainertätigkeit auch als Beruf machen kann“, betont der 36-Jährige, der bei Blau-Weiß eine Tennisschule betreibt. Vielleicht hat die letzte Konsequenz auch gefehlt, weil er eigentlich kein Einzelsportler, sondern ein Teamplayer ist. „Am wohlsten habe ich mich immer in den Medenspielen gefühlt. Egal, für welchen Verein ich auch gespielt habe.“ Seit einiger Zeit übrigens für Grün-Weiß Lennep bei den Herren 30. „Da spiele ich mit echten Kumpels und Freunden.“

Bei Blau-Weiß findet Bonna sein privates Glück

Doch noch einmal zurück zu Blau-Weiß. Da hat Dennis Bonna auch sein privates Glück gefunden. Freundin Hannah Otto, mit der mittlerweile zusammen in Remscheid wohnt, spielt dort bei den Damen. „Es ist wichtig für eine Beziehung, wenn man eben Gemeinsamkeiten hat“, sagt Bonna und meint damit auch, dass seine Lebensgefährtin Verständnis hat, wenn es bei den Medenspielen schon mal ein wenig länger dauert. „Da bin ich mittags um 12 Uhr aus dem Haus und um Mitternacht wieder zurück“, meint Bonna und schiebt mit einem Lachen hinterher: „Die Nachbesprechung eines Spiels mit der Mannschaft ist eben sehr wichtig.“

Wie auch die Touren. „Aber da kann man derzeit ja nichts planen. Letztes Jahr haben wir im Frühsommer zumindest noch eine Tour nach Hamburg machen können. Auch wenn da fast alles geschlossen war.“ Unterwegs ist Bonna dann nicht nur mit den Herren 30 aus Lennep, sondern auch mit den Herren 40 von Blau-Weiß, die er trainiert. In diesem Team steht mit Andreas Otto auch sein Schwiegervater in spe. „Allerdings ist da noch gar nichts geplant“, sagt er lachend.

Für eine Reise dieses Teams wäre er in diesem Sommer übrigens auch über seinen Schatten gesprungen. Eine Trainingslagertour war auf Mallorca geplant. „Angesichts der Unsicherheit in der Pandemiezeit haben wir umgebucht. Jetzt geht es, wenn es möglich ist, nach Mecklenburg.“ Und das natürlich nicht mit dem Flieger, sondern mit dem Auto. Was der Flug-Angst von Dennis Bonna sehr entgegenkommt. „Als ich 15 oder 16 war und wir in Urlaub geflogen sind, hatte ich keine Probleme. Je älter ich aber wurde, umso schlimmer wurde es. Bei einem Flug muss ich so schlecht ausgesehen haben, dass der Purser mich besorgt fragte, ob er etwas für mich tun könne.“

Mit kleinen Dingen zurück in das normale Leben

Allein schon aus diesem Grund wird er wohl auch nicht um die Welt reisen, wenn alle wieder in ein normales Leben zurückkehren können. „Da werden eher viele kleine Dinge anstehen. Und man wird alles noch viel bewusster machen.“

Wie vielleicht auch die Sommer-Medenrunde. „Wenn es so weit ist, melde ich mich“, meint er nach gut einer Stunde Spaziergang um die Talsperre zum Abschied. „Und mit dem Wetter haben wir ja echt Glück gehabt.“

Zur Person

Dennis Bonna wurde am 28. November 1984 in Remscheid geboren. Der Sport- und Fitnesskaufmann lebt mit Freundin Hannah Otto in Remscheid. Nach Abitur, Zivildienst und Ausbildung arbeitet er beim Remscheider SV. Dort gehört er seit 2019 auch zum Vorstand. Beim TC Blau-Weiß Remscheid betreibt er zudem eine Tennisschule und arbeitet als Trainer.

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