Türchen 22

Aus dem Torhüter wird der Torjäger

Fabian Gutbrods Formkurve zeigt aktuell wieder steil nach oben. Egal, wie viele Bundesliga-Tore in seiner Karriere noch erzielen wird, sie werden alle für den BHC sein.
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Fabian Gutbrods Formkurve zeigt aktuell wieder steil nach oben. Egal, wie viele Bundesliga-Tore in seiner Karriere noch erzielen wird, sie werden alle für den BHC sein.

Türchen 22 im Adentskalender des RGA-Sports mit Fabian Gutbrod, Kapitän des Bergischen HC.

Von Thomas Rademacher

Wenn Fabian Gutbrod fit ist, gehört er zu den gefährlichsten Rückraum-Schützen der Handball-Bundesliga. In diesen Tagen knüpft er nach einer längeren Verletzungspause gerade wieder an alte Zeiten an und beweist nicht nur durch seine Tore, wie wichtig er für den Bergischen HC ist. Doch der 1,99 Meter große Sportler war nicht immer der sprung- und wurfstarke Spieler, den alle heute kennen. Zum Handball kam er eigentlich nur zufällig und landete zunächst sogar im Tor – eine wilde Geschichte.

Aufgewachsen ist Fabian Gutbrod im knapp 3400 Einwohner zählenden Owen/Teck (Merksatz zur Aussprache: Auen sagen die Schlauen, Owen die Doofen) im Landkreis Esslingen. „Dort gab es damals einfach nur Handball“, erzählt der heute 34-Jährige. „Zwei Schulfreunde haben mich dahingeschleift, und ich bin dabei geblieben. Es war für alle ein Gewinn: Ich war froh, dass ich zweimal die Woche was tun hatte, meine Eltern hatten in der Zeit mal ein bisschen Ruhe.“

Türchen 22

Dass er talentiert ist, hat Gutbrod gar nicht direkt bemerkt. „Bis zur C-Jugend war ich Torhüter und auch wirklich schlecht“, berichtet der Schwabe. Damit könnte die Geschichte bereits fast zu Ende sein. Doch sein damaliger Coach wechselte zum TV Neuhausen. „Ohne Ambitionen bin ich mit ihm dorthin gegangen und habe in der B-Jugend dort anderthalb Jahre fast nur Linksaußen gespielt.“ Die deutlich ambitionierteren Neuhausener waren deutlich stärker besetzt. Gutbrod, der nie den Plan hatte, leistungsbezogen zu spielen, wurde schließlich aus dem Nichts in die Landesauswahl Baden-Württembergs berufen. Auswahltrainer Kurt Reusch berief Gutbrod aus Personalmangel in den Rückraum. „Da habe ich mich offenbar nicht ganz so dusselig angestellt“, sagt er. „Denn plötzlich war ich Rückraumspieler und habe damit angefangen, meinen Fokus auf die Leistung zu legen.“

„Im Rückraum habe ich mich nicht ganz so dusselig angestellt!“

Fabian Gutbrod, BHC-Kapitän

2006 folgte die erste Einladung in die Jugend-Nationalmannschaft, 2009 stieg er unter Reusch mit der Männer-Mannschaft des TV Neuhausen in die 2. Bundesliga auf. Mit den Junioren wurde Gutbrod 2009 Weltmeister in Ägypten. Eine Förderlizenz besaß er zu diesem Zeitpunkt längst. Mit Zweitspielrecht durfte er für Bundesligist Frisch Auf Göppingen antreten. „Als junger Spieler macht man sich nicht so viele Gedanken, vor allem, wenn man zu keinem Zeitpunkt so geplant hat“, meint der Rechtshänder.

Und so rutschte Gutbrod beinahe in eine Bundesliga-Karriere hinein. 2011 ging es für zwei Jahre zu HBW Balingen-Weilstetten, die er als „prägsam“ beschreibt. „Nicht nur, weil es immer darum ging, die Klasse zu halten, sondern auch, weil sie mit einem in jeder Hinsicht speziellen Trainer stattgefunden haben.“ Gemeint ist Rolf Brack, der fast zehn Jahre dort Chefcoach war.

Seine neue Heimat hat er 2013 entdeckt. „Den Ausschlag für den BHC haben damals Trainer Sebastian Hinze und Geschäftsführer Jörg Föste gegeben. Nach den Gesprächen war ich mir sicher, dass ich den Schritt gehen möchte“, erläutert der heutige BHC-Kapitän, der diese Entscheidung nie bereut hat. „Es ist zum einen der sportliche Aspekt, denn beim BHC hat sich unheimlich viel entwickelt. Aber es ist eben auch die persönliche, weil ich mich hier unheimlich wohlfühle.“ So wohl, dass er auch nach dem Ende seiner Karriere im Bergischen bleiben wird Mit seiner Verlobten Alessandra und den gemeinsamen Kindern Karl (2019) und Frieda (2022) lebt „Gudi“ in Solingen. Fest steht auch, dass Gutbrod nicht mehr für einen anderen Verein auflaufen, sondern hier seine Karriere beenden wird. „Das Verhältnis zu Jörg ist so vertrauensvoll, dass die letzten Vertragsverhandlungen drei Minuten und 20 Sekunden gedauert haben.“

Übrigens: Dass Gutbrod mit der Nummer 22 aufläuft, ist – wie so vieles in seiner Karriere – Zufall. „In Neuhausen war es das einzige Trikot in meiner Größe. Ich habe sie danach immer behalten, ohne dass ich darauf bestehen würde, wie das bei manch anderem Spieler vorkommt.“

Serie

Bereits im dritten Jahr in Folge stellen wir in unserem Rückennummer-Adventskalender bis Heiligabend Sportlerinnen und Sportler der Region vor. Morgen – mit der 23 – geht es um einen Mittelfeldspieler des FC Remscheid.

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